Das Theater 3 Hasen oben aus Immichenhain hatte in den Kuhstall mit Bar eingeladen

Neues vom faulen Heinz

Unterhielten das Publikum: Klaus Willmanns und Silvia Pahl vom Theater 3 Hasen oben. Foto: Haaß

Immichenhain. Ein Abend unter Freunden: So lässt sich die Atmosphäre am frühen Samstagabend in Immichenhain wohl am besten beschreiben. Im Rahmen des Kulturnetzwerk Schwalm-Eder „Die Landrosinen“ veranstaltete das Theater „3 Hasen oben“ am vergangenen Wochenende bereits zum vierten Mal eine szenische Lesung unter dem Titel „Grimminell“.

Knapp sechzig Zuhörer ließen sich von Silvia Pahl und Klaus Willmanns bei Bruschetta, leckeren Häppchen und einem Glas Wein im ehemaligen Kuhstall mit Bar in die Welt der Märchen und des Absurden entführen. Leidenschaftlich und engagiert trugen Pahl und Willmanns ihre Texte vor. Die Lesebrille auf der Nasenspitze und mit ausgreifender Gestik und Mimik zogen die beiden Schauspieler ihr Publikum in Bann. Mit dem passenden Dialekt oder der gewissen Schnodderigkeit in der Stimme hauchten Pahl und Willmanns den Figuren aus den Büchern Lebendigkeit ein und machte diese so für die Zuhörer erlebbar.

Die Bandbreite reichte von eher unbekannten Geschichten der Gebrüder Grimm wie „Der faule Heinz“ und „Der Mond“, über eine moderne Variante des Rotkäppchens von Peter Rühmkorfs bis hin zu Texten des Russen Daniil Charms.

In Rühmkorfs Adaption des bekannten Volksmärchens war der Wolf nicht der listige Mörder, sondern eher etwas geistesarm. Nicht minder amüsant auch Rühmkorfs 1996 erschienener Text „Die Last, die Lust und die List“.

Als dritten Autor hatten die beiden Theaterleute für den literarischen Abend den russischen Dadaisten Daniil Charms ausgewählt. Daniil Charms war der Pionier der russischen Absurde und ein Meister der kleinen Form. In seinem Text „Über Schein und Sein NR 2“ endete zum Beispiel alles im Nichts. Eine Geschichte, unlogisch oder doch logisch – auf alle Fälle aber komisch. Im Gegensatz zu den vorherigen grimmschen Märchen ließ der Text die Zuhörer erstaunt und sicherlich etwas verdutzt zurück.

Zwischen den Geschichten begeisterte Klaus Willmanns die Literaturfreunde mit ausdrucksstarkem und durchaus überraschendem Spiel auf seinem Kontrabass.

Nach knapp zwei Stunden endete die Vorstellung in dem kleinen Landtheater. Die Zuhörer bedankten sich bei den „3 Hasen oben“ mit herzlichem Applaus und ließen den lauen Sommerabend an der urigen Bar und im Hof gemütlich ausklingen.

Am 19. Juli präsentieren die Landrosinen in der „Pfarrscheune 1713“ die Ukuleleliedermacherin Uta Desch.

Von Matthias Haaß

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