Wieder-Ansiedlung des Flusskrebses

Neues Leben im Hardtwasser

Erklärte den Besatz: Gewässerbiologe Christoph Dümpelmann.

Momberg/Schwalmstadt. 800 Tiere hatten Michael Krieger, Vorsitzender der Umwelt- und Naturschutzgruppe und der Gewässerbiologe Christoph Dümpelmann kürzlich im Gepäck. Dass die in eine kleine Kiste passten, darüber wunderten sich nicht nur die Schüler der Umwelt-AG des Schwalmgymnasiums. Denn sie sind die Paten für ein Projekt am Hardtwasser, einem Bachlauf zwischen Itzenhain und Wiera.

In den kommenden vier Jahren sollen hier Flusskrebse angesiedelt werden. Vertreter von Hessen Forst, Ortsvorsteher Jörg Grasse und Mitglieder des BUND-Ortsvereins Neustadt waren beim Ortstermin dabei und beobachteten, wie die ersten zarten Krebse vom Ufer aus ins Wasser gesetzt wurden.

Der Edelkrebs war früher in fast allen Bächen zu finden, erläuterte Dümpelmann. Sechs Arten seien in Europa weit verbreitet gewesen. 1860 brach in Norditalien jedoch eine Krebspest aus - hervorgerufen durch einen Pilz. „In nur wenigen Wochen wurden die Krebsbestände in kompletten Gewässersystemen fast ausgelöscht. Vor allem die Edelkrebspopulationen waren betroffen. Innerhalb einiger Jahrzehnte breitete sich die Krebspest über ganz Europa aus. Auch Deutschland war davon betroffen“, verdeutlichte Krieger.

Heimische Flusskrebse seien vorrangig durch fünf eingewanderte amerikanische Verwandte bedroht: Sie seien kräftiger und anpassungsfähiger als die europäischen Arten und übertrügen noch immer die Krebspest. „Sie selbst sind immun gegen den Pilz, die heimischen Arten jedoch nicht“, erklärte der Biologe. Hinzu kamen verschmutzte Gewässer und die Zerstörung ihrer Lebensräume durch Gewässerverbauungen: „Der Edelkrebs war vor vierzig Jahren nahezu ausgestorben.“

Heute versuche man in Deutschland, Österreich und der Schweiz, den Edelkrebs in Gewässern, in denen ihm keine Gefahren durch amerikanische Krebsarten und Gewässerverschmutzung drohten, wieder heimisch zu machen. Dümpelmann erklärte, dass der Besatz über vier Jahre sinnvoll sei, weil die Sömmerlinge – so heißen die einjährigen Krebse – erst im kommenden Jahr geschlechtsreif würden und sie sich erst dann fortpflanzen könnten.

Das Momberger Hardtwasser biete einen idealen Lebensraum. „Krebse sind Einzelkämpfer, die sich Wohnhöhlen graben“, erläuterte Krieger. Im Hardtwasser sei nicht nur die Wasserqualität sehr gut. In der naturnahen Uferstruktur fände der Krebs genügend Nahrung. Auch der Bestand an Raubfischen sei gering und somit keine Gefährdung. (zsr)

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