Lukas Kohl will US-Maschine in Deutschland bekanntmachen

Neuheit fürs Feld

Schaut her: Lukas Kohl zeigt die löffelartigen Spitzen mit denen der Rotary Hoe arbeitet. Foto: Haaß

Gilserberg. Mit hoher Geschwindigkeit zieht ein Schlepper auf einem Feld im Gilserberger Hochland eine ungewöhnliche Maschine hinter sich her und scheint zumindest auf den ersten Blick keine Rücksicht auf die kleinen Pflänzchen zu nehmen. Kurz darauf steigt Lucas Kohl von dem Ferguson und betrachtet zufrieden sein Werk. Trotz der wilden Fahrt wurde so gut wie keiner Pflanze eine Wurzel gekrümmt. Grund dafür ist die einzigartige Arbeitsweise der angehängten Maschine, einem Rotary Hoe.

„Der Rotary Hoe bricht bei schneller Fahrt mit den Sternen mechanisch den Boden auf, lüftet ihn und reißt junges Unkraut heraus. Man kann ihn schon bei sehr jungen Kulturen einsetzen“, erklärt der 23-Jährige.

Der Rotary Hoe - für den Begriff gibt es keine deutsche Übersetzung, am ehesten würde wohl Rotorhacke passen - kommt aus den USA und ist dort bereits seit 1890 erfolgreich im Einsatz. Der junge Landwirt möchte den nordhessischen Bauern das US-Gerät jetzt schmackhaft machen.

Bislang kaum bekannt

In Deutschland fristete die Maschine aus den Vereinigten Staaten bislang ein Nischendasein. Auch Lucas Kohl wurde erst vor zwei Jahren auf den Rotary Hoe aufmerksam. „Bei einem Ökolandtag hat jemand die Maschine vorgeführt. Ich habe dann etwas im Internet recherchiert.

Ein deutscher Exporteur wollte für einen gebrauchten Rotary Hoe 7500 Euro. „Da habe ich mir gedacht, das kannst Du besser und billiger“, erzählt der Student der ökologischen Agrarwissenschaften.

Kurzerhand fuhr der Gilserberger mit zwei Freunden 2014 in den US-Bundesstaat Illinois. Beim Landmaschinenhändler J.O. Harris im Ort Springfield entdeckten die drei Freunde gleich mehrere Objekte ihrer Begierde. Nach zähen Verhandlungen kaufte der Jungunternehmer elf Rotary Hoes und ließ die Maschinen per Container über den Atlantik nach Deutschland bringen. „Bei den Hafengebühren habe ich zwar noch einmal Lehrgeld gezahlt, aber nach zwei Monaten war dann alles bei uns auf dem Hof“, so der Junglandwirt.

Böse Überraschung

Zu Hause erlebte Lucas Kohl dann noch eine böse Überraschung: „Die Amis hatten die Rotary Hoes zwar für den Transport zerlegt, aber dann einfach so in den Seecontainer geworfen. Alles lag kreuz und quer, sämtliche Schrauben kullerten auf dem Boden herum.“

Neben seinem Studium hat der junge Landwirt in den vergangenen Monaten die Rotary Hoes komplett aufgearbeitet und lackiert. Nun stehen die wieder wie neu aussehenden Arbeitsgeräte vor der Maschinenhalle des elterlichen Milchviehbetriebs und warten auf Käufer.

Lucas Kohl ist von seinen Rotary Hoes überzeugt und im Gegensatz zu einem fabrikneuen Gerät, welches zwanzigtausend Euro kosten kann, sind seine mit der sprichwörtlichen deutschen Gründlichkeit aufgearbeiteten Rotary Hoes geradezu ein Schnäppchen. „Auch wenn es am Ende nur plus-minus null ausgehen sollte, habe ich eine Menge Erfahrungen sammeln können“, ist sich der Gilserberger sicher.

Von Matthias Haaß

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