Abgeordnete aus Nausis

15 Jahre nach erster Kandidatur: Wiebke Knell aus Nausis im Landtag

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Bei ihrer ersten Rede: Wiebke Knell in Wiesbaden. Die 36 Jahre alte Nachrückerin ist die einzige aus der FDP-Fraktion, die nördlich von Gießen zu Hause ist.

Nausis/Wiesbaden. Hartnäckigkeit zahlt sich aus. 15 Jahre nachdem Wiebke Knell, damals noch als Wiebke Reich, erstmals für den hessischen Landtag kandidierte, hat sie es geschafft.

Die Nausiserin ist in Wiesbaden angekommen. Die 36-jährige Liberale rückt für die FDP-Frau Nicola Beer nach, die in den Bundestag wechselte. „Es dauert manchmal länger“, scherzt die 36-Jährige, die ihrer fünften Landtagskandidatur entgegenblickt: „Gut, dass ich früh angefangen habe.“

Die erste Plenarwoche als Landtagsabgeordnete hat sie hinter sich. In zwei Ausschüssen bringt sich die Nausiserin ein, den für Umwelt, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und den für Wissenschaft und Kunst. Für die Ausschussarbeit will die Liberale die Interessen der Region im Hinterkopf behalten, immerhin sei sie nördlich von Gießen die einzige FDP-Abgeordnete.

„Das ist ein bisschen wie in die Schule gehen“, meint sie. Viel Neues und viel zu entdecken: „Interessant – und anders als Stadtparlament und Kreistag.“ Ihren ersten Auftritt hatte sie bereits, gleich zwei Reden musste sie halten. „Wir sind eine kleine Fraktion, da muss jeder ran.“ Dass es spannende politische Wochen – nicht nur für die Liberalen – waren, bestätigt sie. Von einer wohlkalkulierten Aktion, die Sondierungsgespräche in Berlin platzen zu lassen, will Wiebke Knell nichts hören. „Ich weiß, dass es nicht geplant war.“ Viele Dinge auf die sich die FDP-Verhandler verlassen hätten, seien plötzlich wieder auf den Prüfstand gestellt worden. „Ich bin froh, dass Jamaika nicht zustande gekommen ist; in Hessen allerdings müssen wir uns damit anfreunden“, sagt Knell mit Blick auf die im kommenden Herbst anstehenden Landtagswahlen. Persönlich rechnet sie sich zur nächsten Wahl gute Chancen aus. Auf der Landesliste der FDP besetzt die Schwälmerin Platz drei. Das beste Ergebnis von allen habe sie eingefahren, freut sie sich.

Artikel von 2002: Als 20-Jährige wollte Wiebke Knell erstmals in den Landtag einziehen.

Nicht nur beruflich hat sich für die Politikwissenschaftlerin, die zuletzt als Pressesprecherin des hessischen Tischlerverbands arbeitete, viel verändert. Fürs Hobby Jagd bleibt Wiebke Knell nicht mehr viel Zeit. Wichtiger Ausgleich neben der Familie ist der Kleine – Münsterländer-Hund Dori. Zuhause ist bei den Knells quasi noch Babyalarm: Gerade mal sieben Monate alt ist Töchterchen Henriette, Knells Ehemann Elias hat nun die Elternzeit übernommen. Anstrengend sei die Pendelei nach Wiesbaden, wenn man nachts nicht geschlafen habe, meint sie. Fahrgemeinschaft mit der Schwälmer Landtagskollegin Regine Müller (SPD)? Bei dreieinhalb Stunden Anfahrtszeit mit dem Zug setzt Wiebke Knell da lieber aufs Auto, obwohl die beiden Oppositionsparteien FDP und SPD im Landtag „gut zusammenarbeiten“.

Als Abgeordnete hat Wiebke Knell unter dem Titel „den ländlichen Raum attraktiver machen“ so einiges auf der Agenda. Selbstverständlich, dass die neue Landtagsabgeordnete sich sicher ist, „mit einer Regierungsbeteiligung wäre das Umsetzen einfacher“. Vielleicht hilft da ihre Maxime: „In der Politik sollte man sich mehr trauen und auch mal neue Wege gehen.“

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