Mut zu neuen Wegen

Armin Lohmann hat die Neukirchener Schulgeschichte überarbeitet

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Steht heute im Heimatmuseum Neukirchen: Die Einrichtung der Rektorenklasse.

Neukirchen. Nach aufwendigen Recherchen hat Armin Lohmann die Schulgeschichte der Neukirchener Schulen von 1520 bis 2018 neu bearbeitet.

Die frühere Stadtschule, später die Schule im Franken und nachfolgend die Steinwaldschule Neukirchen, zeichnen sich durch eine Gemeinsamkeit in ihrer 500-jährigen Geschichte aus: „Besonders in Krisenzeiten wurden Schulreformen initiiert und gewagt, die in Nordhessen einmalig sind und beispielhaft für Anstöße zu einer modernen Schulentwicklung im ländlichen Raum sorgten“ – zu dieser Erkenntnis kommen der ehemalige Schulleiter Dr. Armin Lohmann (1986 bis 2000) und sein pensionierter Kollege Ottokar Peter aus Trutzhain (Lehrer von 1976 bis 2010). 

Sie haben die Chronik der sehr unterschiedlichen Neukirchener Schulen aktualisiert. Mit wissenschaftlichem Rat der Universitäten in Innsbruck und Zürich haben die beiden Ehemaligen die Schulgeschichte geprüft und neu geschrieben. Diese Neuausgabe wurde Direktor Olaf Rödiger kürzlich übergeben, heißt es seitens der Schule. 

„Die Literalisierung führte durch tägliches Bibellesen zu einem starken Schub im Bildungswesen“, bewertet Lohmann beispielsweise den Einfluss der Reformation auf das Bildungswesen in Neukirchen bis ins 19. Jahrhundert. Mit der Reformation entsteht 1540 ein neues Schulwesen in Schwalm und Knüll, das maßgeblich von eingesetzten Pfarrern geprägt wird. 1629, in Zeiten des 30-jährigen Krieges, wird eine Mädchenschule neu gegründet, um die gefährdeten „Rotkäppchen“ zu schützen. 

Ab 1700 gibt es ein freiwilliges Schulbesuchsangebot für die Stadtkinder, 1836 richtet man den Vorläufer einer berufsbildenden Schule ein. 1920 werden Unterricht und Lehrpläne der Volksschule reformiert und an die demokratische Entwicklung der Weimarer Republik angepasst. Erstmalig darf auch eine Frau unterrichten. Der Zeittakt der Unterrichtsstunde wird aufgrund von Lehrermangel um 15 Minuten gekürzt. 

Während des Dritten Reiches passt man den Lehrplan der nationalsozialistischen Ideologie an. In den Kriegs- und Nachkriegszeiten werden vom Krieg betroffene Jugendliche aus Kassel sowie Kinder von Heimatvertriebenen und Flüchtlingen in der Schule im Franken und in der sogenannten Barackenschule in der Birkenallee beschult. 

Entscheidend ist, dass ab 1957 ein Schulabschluss mit mittlerer Reife mit Übergangsmöglichkeiten zur Oberstufe weiterführender Schulen an der Steinwaldschule am Hasselberg möglich ist. Unter dem Gründer der neuen Mittelpunktschule, Fritz Sonntag, gelingt trotz Widerstand der Gymnasien aus Treysa und dem Steinatal, die Gründung einer Integrierten Gesamtschule als erste IGS im ländlichen Raum Hessens. 

Aktuell erlebt die Steinwaldschule durch die Sperrung baulich unsicherer Schulgebäude erneut Krisenzeiten. Diese Phase versteht das Schulleitungsteam als neue Chance: „Bis zum 500. Geburtstag im Jahre 2020 wollen wir ganz im Sinne des Reformgeistes die Steinwaldschule als Angebotsschule im ländlichen Raum pädagogisch und auch architektonisch weiterentwickeln“, ist Olaf Rödiger überzeugt.

Hintergrund

Mitte der 80er-Jahre beginnt eine Zeit des Aufbruchs und der Reformen

Unter Schulleiter Armin Lohmann beginnt 1985/86 eine Zeit des Aufbruchs und der Reformen. Der Akzent liegt auf dem selbstständigen Lernen. Das Kultusministerium ernennt 1993 die Schule zu einer Versuchsschule. Die Steinwaldschule ist nun eine der ersten Schulen in Deutschland, die ihre Schulprozesse frei nach pädagogischen Erfordernissen gestalten darf. 

Einen bedeutsamen Erfolg erlebt die Schule durch einen Pakt mit den Bürgermeistern. Sie bietet, gemeinsam mit heimischen Handwerks- und Wirtschaftsbetrieben, „eine Abschluss- und Ausbildungsgarantie für Schulabgänger“ bis Ende der 1990er-Jahre. Der Erfolg ist offensichtlich: Mit 1,7 Prozent liegt die Zahl der Schulabbrecher weit unter dem Bundes- und Landesdurchschnitt. 

Im Jahr 2000 tagt die Weltjahres-Konferenz „Inis“ der Bertelsmann Stiftung in der Schule. Kultusministerin Karin Wolf begrüßt Experten aus 16 europäischen Nationen sowie Delegationen aus Kanada und Neuseeland. Zum Herbst 2000 wird Armin Lohmann als Referatsleiter in das Niedersächsische Kultusministerium berufen. Es folgen Umbruchzeiten durch drei Schulleiterwechsel. Zunächst übernimmt Hubert Sauer, es folgen Jürgen Reuse und Helmut Doublier. In Zeiten des demografischen Wandels durch Schülerrückgänge und einem Generationswechsel im Kollegium übernimmt Olaf Rödiger die Schulleitung.

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