Briefe an das Christkind

Heidi Höhne aus Neukirchen sammelt Wunschzettel von einst

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Reich illustriert: Wie die Kinder an der Tür des Christkinds läuten, zeigt dieser Wunschzettel, den Heidi Höhne aus Neukirchen auf einem Flohmarkt entdeckte. 

Neben dem Christbaum und der Krippe gehört noch etwas anderes zur Weihnachtszeit: der Wunschzettel. Woher sollte das Christkind sonst wissen, was es bringen soll?

In der Weihnachtszeit einen Wunschzettel zu verfassen, diesen Brauch gibt es schon seit mehreren Jahrhunderten. Der Inhalt war früher allerdings ein ganz anderer. Das bestätigt auch Leserin Heidi Höhne aus Neukirchen. Die 76-Jährige ist Sammlerin aus Leidenschaft, geht gern auf Flohmärkte und hat ein Blick fürs Historische und Schöne. Kürzlich etwa fielen ihr dort wunderschön illustrierte Wunschzettel in die Hände.

Den Fund möchte sie nun mit HNA-Lesern teilen. Gern erinnert sie sich selbst an ihre eigene Kindheit, an die Magie von Weihnachten: „Es waren sehr bescheidene Wünsche, die wir hatten – eine Puppe oder ein schönes Buch“, erzählt die Neukirchenerin, die schätzt, dass die Wunschzettel aus ihrer Sammlung aus den Anfängen der 1930er-Jahre stammen.

Tatsächlich sind die Wünsche sehr genügsam, etwa ein Puppenwickelkind, Kasperletheaterpuppen, ein Paar Rollschuhe und ein Fleißknäuel.

Wunschzettel hießen Weihnachtsbriefe

Gefragt war auch der Holländer, ein drei- beziehungsweise vierrädriges Fahrzeug für Kinder, das bis in die 1950er-Jahre beliebt war. Auf der Wunschliste standen auch Buntstifte, Haarschleifen, Lineal und Tintenwischer.

Um 1800 hießen die Wunschzettel übrigens noch Weihnachtsbriefe. Adressaten waren nicht das Christkind oder der Weihnachtsmann, sondern Eltern und Paten. Im Inhalt war keine Rede von den Herzenswünschen der Kinder, im Gegenteil: Die Kinder hatten sich bei den Eltern und Paten für Erziehung und Wohlverhalten zu bedanken. Später gab es an den Schulen vorgedruckte Wunschzettel, hier änderten sich nach und nach die Bildmotive: Aus den christlichen Szenen wie der Krippe wurde die bürgerliche Weihnachtsstube. Der Weihnachtsbaum kam mit aufs Papier und im Text tauchten langsam die eigenen Wünsche der Kinder auf.

Wenn auch Sie im Besitz besonderer Wunschzettel sind und uns dazu ihre Geschichte erzählen möchten, dann schreiben sie an schwalmstadt@hna.de.

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