Alles in einem Arbeitsgang 

Hessen Forst setzt im Wald zunehmend auf Holzvollernter

+
Arbeitsgerät mit 270 PS: Bei guten Bedingungen kann Frank Klös mit seinem Harvester am Tag 170 Festmeter Holz verarbeiten. Der Harvester fällt, entastet und zersägt die Bäume in einem Arbeitsgang. Der Ausleger hat eine Reichweite von gut zehn Metern.

Seigertshausen. Der Harvester fällt, entastet und zersägt die Bäume in einem Arbeitsgang. Der Seigertshäuser Frank Klös nutzt den Holzvollernter bei seiner Arbeit im Wald. 

Die Außmaße sind beeindruckend: Auf den ersten Blick könnte man meinen, ein großer grüner Dinosaurier steht im Wald bei Großropperhausen und reckt seinen langen Hals nach den Bäumen am Wegesrand aus. Es handelt sich aber nicht um einen urzeitlichen Brontosaurus, sondern um eine hochmoderne und komplexe Maschine, einen sogenannten Harvester.

Frank Klös ist Herr über den Holzvollernter. Erst seit wenigen Tagen gehört der dunkelgrüne Koloss aus dem Haus John Deer zum Fuhrpark des Holzeinschlagunternehmers. Seit 1990 nutz der Seigertshäuser Harvester für die Arbeit im Wald. „Das ist unser Standardabeitsverfahren“, sagt Klös. In dem Stücke oberhalb von Großropperhausen ist der 49-Jährige im Auftrag von Hessen Forst unterwegs.

Arbeit mit Holzvollernter hat zugenommen

Das Forstamt Neukirchen bewirtschaftet und betreut nach eigenen Angaben rund 19 000 Hektar Wald. Die Arbeit mit den Holzvollerntern habe in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen, weiß Hessen Forst-Mitarbeiter Rolf Wicke: „Der große Vorteil ist die Schnelligkeit.“ 

Nach wie vor ist Hessen Forst mit der Aufarbeitung der Folgen der Winterstürme Anfang 2018 und der Dürre im vergangenen Sommer beschäftigt. Man arbeite der Katastrophe hinterher und sei froh über die maschinelle Unterstützung, betont der 60-jährige Funktionsbeamte und Produktionsleiter.

Hessen Forst selber besitzt keine Holzvollernter, sondern vergibt Aufträge an Unternehmer wie Frank Klös. Der John Deere Harvester 1470G des 49-Jährigen schafft unter optimalen Bedingungen rund 170 Festmeter Holz an einem Tag und wird wie ein Flugzeug mittels digitaler Signalübertragungstechnik (fly by wire) gesteuert.

Sieht aus wie ein Panzer

Gerade auf Windwurfflächen spielt das Fahrzeug seine Stärken aus: Mit 270 Pferdestärken und den großen Reifen kommt der Harvester auch durch unwegsames Gelände. Bei besonders schwierigem Terrain werden über die Hinterreifen Ketten und über die beiden Vorderreifen Platten-Bänder gezogen. Der Harvester sieht dann fast aus wie ein Panzer.

Apropos Panzer: Die Fahrzeuge sind überaus widerstandsfähig. „Wenn ein Baum auf die Kabine fällt, passiert eigentlich gar nichts“, ist Klös überzeugt.

Der Bodendruck eines Vollernters entspreche dem eines erwachsenen Mannes, erklärt Rolf Wicke: „Als zusätzliches Polster legt der Vollernter die abgestreiften Reisigäste auf die Fahrgasse.“ Nur bei sehr nassen Böden ist ein Einsatz nicht möglich.

Mit Ausnahme von Sturmholz arbeiten Vollernter von Rückegassen aus. Dank des Auslegers ist es den Maschinen möglich Flächen mit Gassenabständen von rund 24 Metern zu bearbeiten. Quasi in einem Arbeitsgang kann der 23 Tonnen schwere Harvester mit seinem Erntekopf – dem Aggregat – bis zu 70 Zentimeter starke Bäume fällen, entasten und zum Schluss in passgenaue Stücke schneiden. Dabei werden die Vorgaben der Holzkäufer bis auf den Millimeter genau erfüllt.

„Das ist für uns effektiv und exakter, als wenn es ein Mensch machen würde“, meint Rolf Wicke.

Rückezug holt Holz aus dem Wald

Ein Holzvollernter arbeitet in der Regel mit einem Rückezug, einem sogenannten Forwader zusammen. Die beiden selbstfahrenden Arbeitsmaschinen benötigen zum Betrieb jeweils nur einen Fahrer. Nachdem der Harvester die Bäume verarbeitet und neben der Rückegasse abgelegt hat, bringt der Rückezug die Stämme zu einem Waldweg. 

Von dort werden die Stämme durch Lkw abtransportiert. Ein moderner Harvester kann einen Baum automatisch in vier Sortimente – Verpackungs-, Bau-, Papier- und Palettenholz – für die weitere Nutzung trennen. Die Kehrseite der Medaille: Ein Holzvollernter kann bis zu 15 Waldarbeiter ersetzen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.