Ein Mann ohne Schlagzeilen

Klemens Olbrich (CDU) ist seit 25 Jahren Bürgermeister in Neukirchen

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So kennt man ihn: Neukirchens Bürgermeister Klemens Olbrich, durch ein Fenster im Rathaus zeigt sich im Hintergrund die Altstadt. Nun steht die Feier seines silbernen Dienstjubiläums an.

Neukirchen. Als der junge Jurist Klemens Olbrich vor über 25 Jahren Bürgermeister in Neukirchen wurde, glaubten die wenigsten, dass er einmal Dienstältester seiner Kollegen im Altkreis sein würde.

Doch Olbrich sah das Bürgermeisteramt im Schatten des mächtigen Nikolaiturms nie als Durchgangsstation. Fünf Mal wurde er an die Spitze der Stadt gewählt. Im Landkreis sind nur Bernd Heßler (Borken) und Jörg Müller (Knüllwald) - je ein Jahr länger - dienstältere Stadtchefs.

Die für ihn persönlich weitreichendste Wahl war die 1996, als er erstmals in die Direktwahl musste, gerade mal 238 Stimmen betrug sein Vorsprung. Ein Jahr zuvor war der große Bürgerentscheid in Sachen Stadtentwicklung. Olbrich gehörte zu der unterlegenen Gruppe, die für eine Konzentration von Handel und Dienstleistung in der Mitte war. Witzig war das nicht damals, „es ging ein Riss mitunter durch Familien hindurch, aber ich sehe das als gelebte Demokratie“.

An der musste CDU-Mitglied Olbrich, der in den Direktwahlen stets unabhängig antrat, wachsen. 1997 gab es erstmals ein Fünf-Fraktionen-Stadtparlament, und zwar ohne bürgerliche Mehrheit (bis 2001). Auch in der laufenden Wahlzeit mit inzwischen sechs Fraktionen verfügt der Stadtchef über keine Hausmacht.

Doch das störe ihn nicht, behauptet Olbrich: „Ich sehe mich als Moderator, bin da sehr gelassen geworden.“ Als „erster Diener“ der rund 7200 „Neukircher“ lebt und pflegt Olbrich scheinbar unermüdlich Verbindlich- und Freundlichkeit, aber er hat in einem Vierteljahrhundert auch gelernt, „wie Menschen ticken“.

Überhaupt, die Notwendigkeit, Menschen an- und aufzunehmen, hat seine Dienstzeit immer begleitet, sei es der Zustrom von Spätaussiedlern, sei es das Schicksal der Großfamilie, deren Haus in der Innenstadt ausgebrannt war, sei es der viel beachtete Einsatz für einen entlassenen Sexualstraftäter. „Man wird mit einem so hohen Dienstalter souveräner, und auch die kommenden Herausforderungen schaffen wir“, sagte er im Redaktionsgespräch.

Fast immer genießt Olbrich seine Arbeit, die ihn beständig mit neuen Themen und neuen Begegnungen und - ganz klar - auch Konflikten in Bewegung hält. Ob er wie sein Vorgänger Friedrich-Wilhelm Walper 30 Jahre an Deck bleiben möchte? Olbrich lächelt nur sein gewinnendes Lächeln und antwortet: „Schau‘n mer mal.“

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