Ausschau nach Nachfolgern

Medizinstudenten aus Nepal sind auf Stippvisite in Neukirchener Praxis

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Zu Gast im Knüll: Die Medizinstudenten Amit Mainali und Prativa Kafle (vorne, von links) aus Nepal arbeiten in der Praxis für Allgemeinmedizin von Dr. Martin Fabritz (rechts) mit. Zeitweise wohnten sie bei Ortsvorsteher Peter Jöckel.

Neukirchen – Prativa Kafle und Amit Mainali stammen aus Nepal und sind auf Stippvisite in der Schwalm. Sie sind zu Gast in Neukirchen.

Das Paar studiert Medizin an der Technischen Universität in Dresden. Derzeit famulieren die beiden 26 Jahre alten Studenten in der Praxis der Neukirchener Allgemeinmediziners Dr. Martin Fabritz.

Sie verschaffen sich einen Überblick über die Arbeit in einer Landarztpraxis. Ihre Famulatur ist ein im Medizinstudium vorgeschriebenes Praktikum. Dabei machen die Studenten erste Erfahrungen mit der praktischen Arbeit eines Mediziners.

Die beiden Nepalesen wollten gern in eine ländliche Praxis. Für diese Zeit brauchten sie in der Knüllstadt eine möglichst für sie kostenlose Unterkunft. Fabritz stellte deshalb einen Antrag für einen Mietzuschuss bei der Stadt Neukirchen, der allerdings abgelehnt wurde.

Dr. Martin Fabritz hält Ausschau nach Nachfolgern

Damit die Famulatur dennoch zustande kam, musste sich der Arzt etwas einfallen lassen. Er ist stark daran interessiert, angehenden Medizinern eine Praktikumsstelle zu geben. Außerdem bildet er Fachärzte zum Allgemeinmediziner aus. Das sei auch im Hinblick auf eine mögliche Nachfolge wichtig, sagt er. Fabritz ist 61 Jahre alt und schaut sich um. „In Neukirchen gibt es von ehemals sechs noch zwei Arztpraxen“, sagt er. Im Hinblick auf den drohenden Ärztemangel sei auch die Politik gefragt, etwas beizutragen. Die Reaktion der Stadt versteht er deshalb nicht.

Schlussendlich fand sich in der Pflegeeinrichtung Bischof eine Übernachtungsmöglichkeit für das Paar. Für zwei Wochen nahm Neukirchens Ortsvorsteher Peter Jöckel die beiden Medizinstudenten bei sich zu Hause auf.

„Der Neukirchener Ortsbeirat macht sich Gedanken über die nachhaltige medizinische Versorgung“, sagt Jöckel.

Die beiden Medizinstudenten haben in ihrer Zeit viel über das Leben auf dem Land gelernt. Sie selbst stammen aus einem ländlichen Teil Nepals: Mainali (26) aus Thapa und seine Freundin Pritava (25) aus Syangja.

Sie schätzen das Leben auf dem Land

„Wir fühlten uns hier sehr angenommen“, sagt Amit Mainali. Das gelte für die Hausarztpraxis, die Familie Jöckel und ebenso für die Patienten. Das Leben auf dem Land sei nicht so unpersönlich wie das in den Großstädten, finden sie.

Ob sie deshalb nach dem Studium mal in einer Kleinstadt wie Neukirchen arbeiten wollen, wissen sie noch nicht. Aber sie wollen nach dem Abschluss in Deutschland arbeiten, bevor sie wieder zurück nach Nepal gehen werden. „Wir fühlen uns verpflichtet, einen Teil dessen zurück zu geben, was wir hier bekommen durften“, sagte Mainali.

Für Fabritz sind die beiden eine Bereicherung. Es sei nicht einfach, für das Land Famulanten zu finden. Über diesen Teil der Ausbildung hat er auch seinen Kollegen Dr. Christian Pleines kennengelernt, der seit 14 Jahren in Neukirchen arbeitet. Zwei weitere Ärzte sind angestellt. Pleines will bleiben, aber die Praxis nicht in Führungsverantwortung übernehmen.

Fabritz sucht jetzt einen Nachfolger. Wichtig sei ihm, dass die Patienten weiter versorgt werden. Er könne sich vorstellen, sofort aufzuhören, aber auch, weiter zu arbeiten und zunächst einen Arzt einzustellen, der die Praxis später übernehme. „Da bin ich offen. Der Bestand ist mir wichtig.“

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