Ein Dorf in Angst

Neonazis bedrohen und provozieren in Seigertshausen

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Pöbeln, provozieren, hetzen: Seigertshäuser Mitglieder der Partei Die Rechte bedrohen Menschen im Dorf. Eskaliert ist die Situation am vierten Advent.

Angst geht um in Seigertshausen.

Von Drohungen, Provozierungen und auch Handgreiflichkeiten sprechen Einwohner gegenüber der HNA. In den Fokus geraten dabei erneut die beiden Vorstände der Partei Die Rechte, Mike Guldner und Tim Schmerer, und der als Ortsvorsteher in seinem Heimatort abgewählte NPD-Mann Stefan Jagsch. Polizei wie auch der HNA vorliegende Videoszenen und Fotos belegen Drohszenarien mit mindestens einem Polizeieinsatz.

Eskalation bei Adventsfeier im Feuerwehrhaus

Eskaliert sein soll die Situation bei einer Adventsfeier am 22. Dezember im Feuerwehrhaus. Dabei kam es zu einem Polizeieinsatz, den Pressesprecher Markus Brettschneider bestätigt. 100 Menschen, darunter auch viele Kinder, wollten gemeinsam in entspannter Atmosphäre den vierten Advent feiern, als die drei oben genannten sowie weitere Personen aufgetaucht seien und die Feier durch Pfeifen und Grölen störten. So berichten es mehrere Seigertshäuser übereinstimmend.

Hausverbot und Platzverweis

Nachdem es auch zu Handgreiflichkeiten gekommen sein soll, spricht die Feuerwehr ein Hausverbot aus, die Polizei wird gerufen. Die Polizei sei wegen einiger „Störenfriede“ nach Seigertshausen gerufen worden, bestätigt Polizeisprecher Markus Brettschneider. Da dem Hausverbot nicht Folge geleistet wurde, habe die Polizei einen Platzverweis gegen mehrere Personen eingefordert.

Jagsch in Polizeigewahrsam

Weil eine Person das ignorierte, sei sie in Gewahrsam genommen worden. Nach Informationen der HNA war das Stefan Jagsch, der dies gegenüber dieser Zeitung auch bestätigt. Er sei mit der Polizei mitgefahren, weil er die Sache regeln wollte, erklärt der NPD-Mann aus der Wetterau. Die Polizei hielt ihn für die gesamte Dauer der Veranstaltung fest. Nach seiner Entlassung brüstet sich Jagsch gemeinsam mit Tim Schmerer auf einem Facebook-Post: „Ist doch noch ein schöner Sonntag geworden.“ Tim Schmerer selbst will sich am Telefon nicht zu den Vorfällen äußern.

Eltern in Sorge

Seigertshäuser sprechen von belagerungsartigen Zuständen. „Wie Wölfe“ seien mehrere Personen um das Areal gestreift, nachdem die Polizei wieder weg war. Eltern mit Kindern hätten aus Sorge das Gebäude durch die Hintertüre verlassen, heißt es aus Seigertshausen. „Das Dorf ist aufgerüttelt“, sagt ein Seigertshäuser

Öffentliche Stellungnahmen gab es dazu nicht. Erst soll in dieser Woche zum Thema ein Runder Tisch mit Behördenvertretern tagen.

Seminar mit verurteiltem Rechtsextremisten

Seit 2018 fühlen sich Seigertshäuser von den dortigen Mitgliedern der Partei Die Rechte bedroht. Provoziert werde unter anderem bei öffentlichen Veranstaltungen mit dem Auftreten in T-Shirts mit Aufschriften wie „Überzeugungstäter“. Auch verbal werde gedroht („Wir kriegen dich“). Sorge bereitet, dass im Ort rechte Seminare abgehaltenwerden. Am 30. November hat es dort eine Schulung mit Sascha Krolzig gegeben – einem verurteiltem Rechtsextremisten.

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