Feuer in Neukirchen-Nausis

Nachbarn retteten Ehepaar aus brennendem Haus

Neukirchen-Nausis. Bei einem Feuer im Obergeschoss eines Fachwerkhauses in Neukirchen-Nausis haben am späten Montag eine Frau (57) und ein Mann (60) Rauchgasvergiftungen erlitten. Beide waren in dramatischen Einsätzen von Nachbarn gerettet worden.

Gegen 22.15 Uhr hatten die beiden Bewohner selbst einen Notruf abgesetzt, es brenne. Sie waren zu dem Zeitpunkt allein im Haus, die Mietwohnung im ersten Stock des Hauses ist nur hin und wieder bewohnt.

Bis zum Eintreffen der Feuerwehren spielten sich laut Augenzeugenberichten dramatische Szenen ab. Ein Nachbar lief die Innentreppe hinauf und führte den 60-Jährigen dann ins Freie. Laut Kripo war das Treppenhaus zu diesem Zeitpunkt schon stark verraucht, nur im Eingangsbereich konnte man noch atmen.

Aktualisiert um 17.00 Uhr

Unterdessen stand die 57-Jährige am offenen Fenster, Umstehende schrien ihr zu, den Kopf zum Luftholen nach vorne zu strecken, während Helfer rannten und Leitern holten. Doch die, so Anlieger gestern, erwiesen sich beim Anstellen ans Fenster im zweiten Stock als viel zu kurz.

Andreas Diehl, der auf dem nächstgelegenen Bauernhof lebt, hatte dann die rettende Idee, einen Schlepper einzusetzen. Allerdings musste dazu noch die Frontlader-Schaufel gewechselt werden, die auf dem Hof gegenüber beim dritten Bruder, Lothar Diehl, lagerte. Martin Diehl (48) fuhr mit dem Fahrzeug unter das Fenster, zwei der inzwischen eingetroffenen Feuerwehrleute stellten sich mit in die Schaufel, ließen sich hinauf fahren und hoben die Frau aus dem Fenster.

Diese wollte nach Angaben von Nachbarn die Wohnung nicht verlassen, weil sie ihre fünf Katzen darin wusste. Was aus den Tieren geworden ist, war am Dienstagmittag noch unklar.

Am Gebäude entstand laut Kripo Schaden in Höhe von rund 120.000 Euro. Nach Polizeiangaben ging das Feuer von der Küche aus.

Das spielte sich in der Brandnacht ab:

„Das war wegen der fünf Katzen“, sagt Hans-Jürgen Flach, der gegenüber des Brandhauses in der Grenftalstraße in Nausis wohnt. Die Frau habe ohne sie nicht raus gewollt. Viele Nausiser seien zusammen geströmt auf dem Hof des brennenden Fachwerkhauses noch bevor die Feuerwehr da war.

Auch Martin Diehl und Martin Herwig. Herwig, der im Haus oberhalb lebt, dringt schließlich ins Treppenhaus ein, das schon völlig verqualmt ist. Es gelingt ihm, den 60-jährigen Bewohner ins Freie zu führen. Reden will er darüber mit der Presse lieber nicht.

Auch an eine über 90 Jahre alte Dame, deren Haus sich auf dem direkten Nachbargrundstück des Brandhauses befindet, denken die Nausiser: Sie fürchten, das Feuer könnte dorthin übergreifen, holen die Frau vorsichtshalber heraus. Sie wissen aber auch, dass die Zeit für die 57 Jahre alte Bewohnerin am offenen Fenster knapp wird, während die ersten Feuerwehrleute vor Ort eintreffen. Noch ist die Drehleiter aus dem Kernort nicht da.

Martin Diehl und sein Bruder Andreas bewahren kühlen Kopf, „aber innerlich war ich auf 300“, erzählt der Landwirt. Sie holen den Schlepper aus der Scheune, nehmen die derzeit angebaute Ballengabel ab, montieren die Schaufel an den Frontlader, Martin fährt auf den Hof des Brandhauses. Dort steigen zwei Feuerwehrleute in die Schaufel, lassen sich in Höhe heben, gemeinsam holen sie die Frau aus dem Fenster. Martin Diehl: „Sie wollte ja nicht, ich stand selbst wie unter Schock.“ Dass die Bewohner ihre Katzen nicht zurück lassen wollten, das konnten Kripobeamte am Dienstag weder bestätigen noch dementieren. Vermutlich sei das Feuer im rückwärtigen Teil der Wohnung in der Küche entstanden. Durch den Brand und die Löscharbeiten sei das Haus derzeit unbewohnbar.

Auch Stadtbrandinspektor und Einsatzleiter Andreas Kessler ist der Ansicht, dass das Paar seine Rettung wohl den selbstlosen Nachbarn verdankt. Die Feuerwehren aus Nausis, Neukirchen, Riebelsdorf und Wincherode löschten, verhinderten ein Übergreifen des Feuers auf das Dach.

„Ganz schön heikel war das alles“, sagt Martin Diehls Vater noch. Sicherlich sei er auch ein bisschen stolz auf seine Söhne. Aber irgendwie auch auf die ganze Dorfgemeinschaft und den Zusammenhalt, „das ist halt das Schöne in unserem Dorf".

Nachbarn retteten Paar aus brennendem Haus

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