Rückflug nach Deutschland nicht möglich

Coronavirus: Zahnärztin aus Neukirchen sitzt in Peru fest

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Unterwegs in Peru: Birgit de Taillez macht mit bei einem Hilfsprojekt.

Die Neukirchener Zahnärztin Dr. Birgit de Taillez hatte für März geplant, an einem Hilfsprojekt teilzunehmen. Jetzt sitzt sie wegen Corona fest.

  • Zahnärztin aus Neukirchen (Schwalm-Eder-Kreis) sitzt wegen Corona in Peru fest
  • Sie und eine Kollegin sind im Rahmen eines Hilfsprojekts in das Land gereist
  • Dr. Birgit de Taillez berichtet über ihre Lage vor Ort 

Eigentlich befindet sie sich zurzeit in Peru, um Kinderzähne zu behandeln. Die Neukirchener Zahnärztin Dr. Birgit de Taillez hatte für März geplant, an einem Hilfsprojekt teilzunehmen.

Dann kam das Virus dazwischen. Nun sitzt sie seit dem 10. März mit ihrer Kollegin Kerstin Kelch aufgrund des Coronavirus in Urubamba fest. „Es hilft alles nichts. Wir müssen uns mit der Situation arrangieren und keine Panik zulassen“, sagt de Taillez.

Neukirchen: Zahnärztin sitzt wegen Corona in Peru fest

Die Kolleginnen sind im Rahmen eines Hilfsprojektes von „Zahnärzte helfen e.V.“ in Kooperation mit „Corazones para Peru“ in das Land gereist. 

Ursprünglich wollten sie Kinder im Kinderdorf behandeln, an Gesundheitskampagnen in Elendsvierteln teilnehmen und die Andenbevölkerung kennenlernen. Dann hat das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Hausarrest wegen Corona in Peru: Lage auf dem Land noch erträglich

In Peru herrscht seit der Ausbreitung des Virus „Hausarrest“. Vor allem für die Bauern und Tagelöhner ein Dilemma: „Die leben hier von Tag zu Tag“, so de Taillez.

Die Lage in Urubamba sei noch halbwegs erträglich, berichtet die Zahnärztin. Urubamba liegt in den peruanischen Anden auf dem Land. Dort sind de Taillez und Kelch untergebracht.

Im Vergleich zu den Städten Cusco und Lima dürfe man laut Aussage der Zahnärztin wenigstens noch ein Mal am Tag zur Markthalle, um Lebensmittel zu kaufen.

Dr. Birgit de Taillez beschreibt die Lage in Peru wie folgt: Es herrscht Ausgangssperre. Lediglich ein Gang zum Markt, zum Arzt oder zur Apotheke sind erlaubt. Jegliche Benutzung privater Fahrzeuge ist verboten, der öffentliche Verkehr ist seit Tagen eingestellt. 

Zahnärztin aus Nordhessen sitzt wegen Corona fest: Mundschutz ist Pflicht

Die Polizei kontrolliert und schickt jeden ohne Mundschutz nach Hause. Die Straßen sind wie leergefegt. Auf dem Markt schließen von Tag zu Tag mehr Stände und die Preise steigen kontinuierlich. „Meine Gefühlslage ist kaum zu beschreiben“, sagt die Zahnärztin mit bedrückter Stimme.

Zahnärztin aus Nordhessen sitzt wegen Corona in Peru fest - Menschen in der Markthalle Urubamba müssen Atemmasken tragen.

„Wir konnten gerade mal drei Tage arbeiten. Dann fing alles an“, erinnert sich de Taillez. Seit dem Stillstand, sprich der Ausgangssperre und den drastischen Regeln, warten die beiden Zahnärztinnen auf einen Flug zurück nach Deutschland. Alle Hilfsmaßnahmen sind auf unbestimmte Zeit ausgesetzt.

Coronakrise in Peru: Einschränkungen im Alltag - Mit Mundschutz zum Markt

Mit de Taillez und Kelch befinden sich noch zwei weitere Zahnärztinnen, zwei Studentinnen, 13 Freiwillige (FSJ) und Angestellte von „Corazones para Peru“ in Urubamba.

Flüge nach Deutschland würden ab Cusco starten. Das liegt zweieinhalb Stunden von Urubamba entfernt. „Die peruanische Regierung muss das Okay geben“, sagt de Taillez.

Ohne einen Passagierschein dürfen die Menschen in Peru nicht mehr vor die Tür. Und ohne Mundschutzmaske ist der Weg zum Markt verboten. Dort hin geht de Taillez täglich, um sich mal kurz die Beine zu vertreten und frische Lebensmittel einzukaufen.

Ärztin aus Neukirchen hat Humor nicht verloren: "Aufregendste ist wohl das Aufstehen"

Bei der Frage, wie denn ihr Tagesablauf aussieht, muss die Zahnärztin am anderen Ende der Telefonleitung lachen. Wenigstens hat sie während der Corona-Zeit ihren Humor nicht verloren. „Das Aufregendste ist wohl das Aufstehen und abends wieder ins Bett gehen“, sagt de Taillez. 

Doch Isolation in Deutschland wäre ihr zurzeit deutlich lieber. Mit der Situation habe sie ohnehin schon zu kämpfen, aber dann noch in einem anderen Land fest zu sitzen und nicht nach Hause zu können, das mache ihr schon zu schaffen. „Aber alles wird gut“, sagt sie im Gespräch mit der HNA.

Das peruanische Konsulat melde sich täglich bei den deutschen Ärztinnen. Trotzdem ist die Lage weiterhin ungewiss: „Mal teilen sie uns mit, der Flug ginge morgen. Ein paar Stunden später kommt die Nachricht, dass alles gestrichen wurde“, berichtet de Taillez.

Eigentlich wollten de Taillez und Kelch neben ihrer Arbeit die Kultur der Inkas kennenlernen. Nun sitzen sie in Urubamba auf unbestimmte Zeit fest und warten auf einen Flug nach Hause.

Von Cora Zinn

In der Region Kassel steigen die Infektionszahlen und es gibt das erste Todesopfer der Corona-Pandemie im Landkreis. Im Schwalm-Eder-Kreis ist ein am Coronavirus infizierter Patient gestorben.

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