Neukirchener findet Tiervertreiber unpassend

Schrille Töne stören auf dem Friedhof: „Ich war entsetzt!“

Urnengrabreihe in Neukirchen: Als Peter Bauer nach der Quelle störender Geräusche suchte, entdeckte er die Solar-Geräte, die durch hohe Töne Tiere vergrämen sollen.
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Urnengrabreihe in Neukirchen: Als Peter Bauer nach der Quelle störender Geräusche suchte, entdeckte er die Solar-Geräte, die durch hohe Töne Tiere vergrämen sollen.

Auf dem Friedhof in Neukirchen wird ein Mann auf schrille Töne aufmerksam. Er begibt sich auf die Suche nach der Quelle - und ist entsetzt, als er sie findet.

Neukirchen – Mitte Juli wurde die Urne der Mutter von Peter Uwe Bauer auf dem Friedhof in Neukirchen bestattet. Kurze Zeit später hörte der Neukirchener einen merkwürdigen Ton. Seine erste Vermutung: eine batteriebetriebene Grabkerze fiept, da die Batterie zur Neige geht. Falsch gedacht.

Als die Hinterbliebenen am Sonntag, 1. August, frische Blumen am Grab aufstellen wollten, hätten sich die Töne verdreifacht, „jetzt sahen wir sie, die kleinen Geräte, die diese Töne von sich gaben“. Hinter drei verschiedenen Gräbern in direkter Nähe steckten Tiervertreiber („Maulwurf- und Wühlmausschreck“), die wechselweise im Mehrsekundentakt tönten.

Mann aus Neukirchen findet Tiervertreiber in Grabnähe

Gräber übrigens, die gar keine Bepflanzung hätten, sondern eine unbegrünte Platte und Kies. Peter Bauer: „Ich war entsetzt! Für mich ist dies eine Störung der Totenruhe und hat auf einem Friedhof nichts zu suchen.“ Andacht und stille Trauer seien bei diesen Tönen kaum möglich.

Peter Uwe Bauer

Der Neukirchener wollte dies nicht auf sich beruhen lassen und schloss sich mit dem Bestattungsunternehmen kurz. Dann machte er Fotos und Videos und wandte sich damit an die Friedhofsverwaltung, bat, „diesem Umtrieb ein Ende zu bereiten“.

„Störung der Totenruhe“: Friedhofsordnung muss wegen Ultraschallvertreibern beraten

Anderntags fragte er telefonisch nach, da er keine Rückmeldung hatte trotz des Betreffs „Störung der Totenruhe“. Dass seine E-Mail dennoch nicht umgehend geöffnet worden war, ist dem 56-Jährigen zusätzlich unverständlich – „da sollte man doch direkt aktiv werden“.

Einer von drei Ultraschallvertreibern auf dem Friedhof in Neukirchen: Diese sollen Tiere vertreiben und produzieren dafür schrille Töne.

Aber die Antwort, die er nun bekam, stellte den Neukirchener nicht zufrieden: Die Friedhofsordnung würde die Vergrämung nicht verbieten, man müsse sich mit beraten und vielleicht einen Brief an die betreffenden Familien schreiben. Doch Bauer gab zu verstehen, dass er die Angelegenheit bald öffentlich machen wolle. Daraufhin habe man doch Einzelheiten nachgefragt, passiert indes sei nichts, „die drei Geräte piepsten weiter“.

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Immerhin seien sofort der Rasen gemäht und die Hecke zumindest unten im Kurvenbereich gestutzt worden, es ist „eine sehr unübersichtliche und somit gefährliche Stelle, und ich wundere mich, dass es dort noch zu keinem Unfall“ kam. Oder sollte dies nur geschehen sein für den Fall, dass Bürgermeister oder die Presse vor Ort erscheinen, frage er sich.

„Es ist traurig zu sehen, wie manche Menschen mit der Natur und der Totenruhe umgehen“

Dass die Friedhofsordnung die Ultraschallvertreiber dulden soll, versteht Bauer bis heute nicht. Sie stamme wohl aus einer Zeit, als es diese noch gar nicht auf dem Markt gab. Zur Würde des Ortes passen sie für den 56-Jährigen nicht: „Es ist traurig zu sehen, wie manche Menschen mit der Natur und der Totenruhe umgehen.“

Das sagt der erste Stadtrat: Friedhofsordnung spricht nicht dagegen

In Vertretung des Bürgermeisters sagt Erster Stadtrat Jürgen Lepper zum Thema, dass die Friedhofsordnung der Vergrämung von Tieren nicht widerspreche - und die Gräber ja auch gepflegt aussehen sollten. Es sei verständlich, wenn eine solche „niederschwellige Maßnahme“ dazu eingesetzt werde. Er sehe keine Notwendigkeit, dass die Geräte entfernt werden müssten, doch die Friedhofskommission solle sich aus dem Anlass nun einmal damit beschäftigen. Seine Meinung sei, dass „alle 30 Sekunden ein Piep nicht schlimm“ sei.

Nach einigen weiteren Tagen sei im Übrigen zu bemerken gewesen, dass eines der Geräte etwas weiter weg positioniert wurde. Inzwischen nimmt Bauer an, dass alle drei ein und derselben Person gehören und das Ganze ohne Wissen oder Zustimmung der anderen Angehörigen der dort Bestatteten geschieht. Bauer ist Diplom-Biologe und Medizinischer Dokumentar und setzt sich für naturnahe Räume und Vogelschutz ein. (Anne Quehl)

Im Kreis Kassel wurde die Totenruhe kürzlich ganz anders gestört: Dort lebten Unbekannte ihre Zerstörungswut auf der Friedhofstoilette aus.

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