Streit um Betrieb geht weiter

Wohin weht der Geruch des Mastbetriebs? Viele Fragen offen nach Info-Abend

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Strittig: In Seigertshausen soll ein Hähnchenmastbetrieb entstehen. Gestritten wird unter anderem darüber, aus welcher Richtung der Wind häufig weht. Unser Symbolbild zeigt einen Stall in Bayern in ähnlicher Größenordnung wie der geplante.

Seigertshausen. Die Bürgerinformationsveranstaltung zum geplanten Hähnchenmaststall in Seigertshausen ließ viele Fragen offen.

Insbesondere das Thema Wind sorgt bei den Seigertshäusern nach wie vor für Irritationen. Laut einem von den Bauherren vorgelegten Gutachten soll es durch die vorherrschende Windrichtung nur zu einer relativ geringfügigen Geruchsbelästigung der Ortslage kommen. Nicht nur von Vertretern der Bürgerinitiative (BI) „Pro-Seigertshausen“ wird diese Einschätzung angezweifelt.

Warum ist die Windrichtung ein Streitpunkt?

Das von der Familie Dietz im Rahmen der Bauplanung freiwillig in Auftrag gegebene Gutachten geht davon aus, dass der Wind am geplanten Standort überwiegend aus südlicher Richtung weht. Eine von der Bürgerinitiative beim Deutschen Wetterdienst abgefragte Windrose nennt als Hauptwindrichtung dagegen Westen. Der Wind weht demnach über den Ort hinweg. Kurios: Beide Parteien beziehen sich auf den Deutschen Wetterdienst.

Was sagt der Deutsche Wetterdienst dazu?

Das für den Bereich zuständige Regionalklimabüro Essen wollte auf Anfrage keine Stellungnahme zum konkreten Fall abgeben. Ohne Berücksichtigung der Quellen könne man dazu nichts sagen, so Diplom-Meteorologe Thomas Kesseler-Lauterkorn, Sachgebietsleiter Planungsgutachten, in einer E-Mail.

Wie stellt der DWD die Windrichtung fest?

Die Windverhältnisse an einem bestimmten Standort werden laut Kessler-Lauterkorn aufgrund geländeklimatologischer Überlegungen ermittelt. Hierbei spielt das Geländerelief eine entscheidende Rolle, da dieses das Windfeld modifiziert. Ebenso beeinflusst die Beschaffenheit des Untergrundes, etwa Bewuchs, Bebauung, die Windverhältnisse. Aus diesen Informationen leitet der DWD für einen Standort dann Extrema der Windrichtungsverteilung ab. Im Rahmen eines bestimmten Verfahrens – der Qualifizierten Prüfung (QPR) – kann geprüft werden, welche Winddaten einer Station auf den Standort selbst (oder einen Punkt in einem Rechengebiet um den Standort) übertragen werden können. Messungen vor Ort sind also zunächst nicht erforderlich.

Gibt es eine gefühlte Windrichtung?

Im Gegensatz zu einer „gefühlten Temperatur“ ist in der Meteorologie eine „gefühlte Windrichtung“ nicht definiert. „Mit dem subjektiven Begriff kommt man bei der objektiven Bewertung von Windverhältnissen nicht weiter“, erklärt der Diplom-Meteorologe.

Gibt es weitere Einschätzungen zur Windproblematik?

Ja. In der Ortsbeiratssitzung in Seigertshausen zitierte Stadtverordnetenvorsteher Willi Berg (SPD) nach Angaben der BI aus einer Stellungnahme des Kassler Universitätsprofessor Dr. Lutz Katzschner. In den Augen des langjährigen Leiters des Fachbereichs Umweltmeteorologie ist der Standort mehr als problematisch. Der Experte stellte in einer ersten groben Einschätzung fest, dass alle Luftströmungen auf Seigersthausen zugehen und demnach die erlaubten Geruchsstunden überschritten werden würden. Vor der Erteilung einer Baugenehmigung empfiehlt Katzschner weitere Messungen vor Ort.

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