Zerstörung schreitet voran

Neukirchen: Verlassene Rehaklinik im Urbachtal oft Ziel von Brandstiftern

Ausgebrannt: Nur noch verkohlte Balken sind vom Eingangsbereich der ehemaligen Reha-Klinik im Urbachtal übriggeblieben.
+
Ausgebrannt: Nur noch verkohlte Balken sind vom Eingangsbereich der ehemaligen Reha-Klinik im Urbachtal übriggeblieben.

Die ehemalige Rehaklinik im Urbachtal hat sich von einem Lost Place (vergessener Ort) gewissermaßen zu einem Hotspot entwickelt.

Brände auf dem Gelände machen regelmäßig den Einsatz der Feuerwehr erforderlich.

Als Ursache ermittelte die Polizei immer wieder Brandstiftung. Dies sei auch bei dem Feuer am 15. April (die HNA berichtete) so gewesen, sagt der Pressesprecher der Polizei im Schwalm-Eder-Kreis, Markus Brettschneider. Ob es sich diesmal um fahrlässige oder vorsätzliche Brandstiftung gehandelt habe, sei noch Gegenstand der Ermittlungen. Auch zur Höhe des entstandenen Schadens könne man noch nichts sagen, so Brettschneider weiter.

Kein Strom mehr im Gebäude

Der jüngste Brand im Eingangsbereich der seit 2002 dem Verfall preisgegebenen Anlage war nur einer von vielen. 2018 brannte beispielsweise die große Cafeteria der Klinik und 2019 kam es zu einem Zimmerbrand in einem der oberen Stockwerke des Komplexes. 

Da alle Gebäude seit Jahren stromlos geschaltet sind, schließt die Polizei regelmäßig einen technischen Defekt als Brandursache aus. Ursächlich für die Feuer ist daher wohl immer menschliches Handeln.

Brand ehemalige Rehaklinik im Urbachtal bei Neukirchen

Die Sicherung des rund 10 000 Quadratmeter großen Areals obliege nach wie vor den holländischen Eigentümern, sagt Neukirchens Bürgermeister Klemens Olbrich. Von konsequent umgesetzten Sicherungsmaßnahmen ist aber nichts zu sehen. Zäune weisen Lücken auf und in der gesamten Klinik gibt es mittlerweile wohl kein einziges intaktes Fenster mehr, viele Türen sind aufgebrochen und demoliert. 

Bei Bränden entstehender Schaden fällt dabei schon fast nicht mehr ins Gewicht. Nach 18 Jahren ohne Nutzung ist die Anlage im Urbachtal nur noch eine Ruine und Ziel von Vandalismus und vermeintlichen Mutproben.

Polizei hat Anlage im Blick

Das Gebiet liegt zwar sehr abgelegen, in absoluter Sicherheit sollten sich Neugierige aber trotzdem nicht wiegen. Man fahre solche Areale – und dazu gehöre beispielsweise auch das ehemalige Krankenhaus in Homberg – im Rahmen des allgemeinen Streifendienstes immer wieder einmal an, betont Markus Brettschneider: „Wir haben solche Lost Places im Blick.“

Klar ist aber auch, dass die abgelegene Lage mitten im Wald und das weitläufige Gelände eine Kontrolle schwierig, wenn nicht sogar unmöglich machen. Ein Sicherheitsdienst rentiert sich für die Ruine schon seit Langem nicht mehr und auch bauliche Sicherungsmaßnahmen sind dem Eigentümer wohl zu teuer.

Solange die ehemalige Rehaklinik keine neue Nutzung bekommt, beziehungsweise die Gebäude endgültig abgerissen werden, werden die Rettungskräfte also immer wieder in das Urbachtal ausrücken müssen.

Jeder Einsatz ist gefährlich

Dabei ist jeder Einsatz für die Retter mit einem enormen Risiko verbunden. Auch durch die Brände und das Löschwasser ist die Bausubstanz marode und macht besonders den sogenannten Innenangriff unter Atemschutz noch gefährlicher, als er für die Feuerwehrleute ohnehin schon ist. 

Urbachtal: Feuerwehr löscht den Eingangsbereich der ehemaligen Reha-Klinik

Löschmaßnahmen nur von außen sind aber auch keine Option, denn in dem Gebäude können sich Menschen befinden, die gerettet werden müssen.

Bleibt nur der Appell, Gebäude und Gelände nicht zu betreten, um sich selber und andere – besonders Rettungskräfte – nicht zu gefährden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.