Nirgends echter Jubel in Schwalmstadt

Schwalmstadt: Bürger für Schwalmstadt (BfS) und Freie Wähler punkten, aber unter Erwartung

Kommunalwahl 2021 - Wahllokal Niedergrenzebach, Uwe Wagner und Ira Bambey.
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Wählen in der Pandemie: Hier ein Foto vom Sonntag aus dem Wahllokal Niedergrenzebach, Uwe Wagner und Ira Bambey.

Als die Zahlen schließlich feststanden, gab es in Schwalmstadt nirgends großen Jubel über den Ausgang der Wahl zum Stadtparlament.

Schwalmstadt. Eigentlich alle sieben Listen, darunter auch die neue BfS (Bürger für Schwalmstadt) sind entweder hinter den Erwartungen zurückgeblieben oder haben signifikant verloren. Am geringsten war der Verlust der FDP, minus 0,6 Prozentpunkte.

7,1 Prozent reichen für unverändert drei Sitze.

Zuerst ein Blick auf die SPD, die stärkste Fraktion bleibt mit elf Sitzen (minus drei Sitze/-9,68 Prozent). Ein schmerzlicher Verlust, wie Fraktionssprecher Daniel Helwig einräumt, es bestätige den Trend der „Skepsis gegenüber den großen Parteien“. Und Corona habe den Wahlkampf eben „besonders und unvergleichbar“ gemacht. In Anbetracht der nun sieben Listen sei das Ergebnis aber „noch beachtlich“. Mehrheitsfindungen würden nun noch schwieriger, das wolle man „hoch motiviert“ angehen und biete bereits Gespräche an.

Fast 8,5 Prozentpunkte geht es abwärts für die CDU, auch sie verliert drei Mandate. Für Stadtverbandsvorsitzenden Armin Happel ist das nicht verwunderlich im neuen Bewerberfeld. Doch sei die CDU „klar und deutlich als zweitstärkste Fraktion bestätigt“ worden. Und Happel merkt an: „Die These des Bürgermeisters, dass die Parteien sein Handeln blockieren, spiegelt sich im Wahlergebnis gar nicht wider. Er trägt die Verantwortung für die Geschicke der Stadt.“

Kommunalwahl 2021 in Schwalmstadt.

Drittstärkste Fraktion ist nun die der Freie Wähler (FW), die sehr zeitig erklärt hatte, die stärkste zu werden. Mit einem Gutteil der BfS-Stimmen wäre das gar nicht aus der Welt gewesen. Nun stocken die FW immerhin von vier auf sieben Sitze auf. Geschäftsführer Matthias Reuter: „Wir freuen uns sehr über das Ergebnis, auch, wenn wir uns ein besseres erhofft haben.“ Die FW Schwalmstadt sei hoch motiviert und vor „Ideen und Tatendrang strotzend“, offen und konstruktiv. Zu bedauern sei die geringe Wahlbeteiligung.

Tatsächlich hält Schwalmstadt mit 47,8 Prozent (Kreiswahl) gleich hinter Homberg die rote Laterne im Kreis.

Wenig Frauen im Parlament

Schade sei es auch, so Reuter noch, dass keine ihrer vielen aufgestellten Frauen gewählt wurde. Zwar sind bei den anderen Frauen vertreten, aber nur auf acht der 37 Plätze, Stand jetzt.

Aus dem Stand landet die neue BfS auf Rang vier: 11,63 Prozent bringen Bürger für Schwalmstadt vier Sitze, wobei die Wähler eindrucksvoll bewiesen, was mit Kumulieren und Panaschieren möglich ist. Sie holten Dieter Dötenbier vom vorletzten Platz nach vorn, Bernd Lindenthal von Platz 23 ebenso. Spitzenkandidat Georg Stehl nennt das BfS-Ergebnis sehr gut, gemessen an der kurzen Vorbereitungszeit in der Pandemie. Es zeige sich, dass „in Schwalmstadt die Zeit gekommen ist, über Parteigrenzen hinweg gemeinsam zum Wohle von Schwalmstadt zusammenzuarbeiten“. Die BfS biete allen Zusammenarbeit an, „wir werden in den nächsten fünf Jahren alles dafür tun, um Schwalmstadt im Zusammenspiel mit den anderen Parteien erfolgreich voranzubringen“.

Bürgermeister Stefan Pinhard ist Gründungsmitglied bei BfS, auf HNA-Anfrage hatte er jedoch beteuert: „Ich stelle ausdrücklich klar, dass der Grund für meine Hilfe bei der Gründung der BfS und somit auch bei der Teilnahme an der nächsten Kommunalwahl nicht darin liegt, einfach eine eigene politische Hausmacht zu generieren, die alles das absegnet, was der Bürgermeister macht.“

Für die Grünen bleibt es trotz leichter Zugewinne bei drei Sitzen (9,08 Prozent), Spitzenkandidatin Ruth Engelbrecht äußert sich insgesamt zufrieden, „die politische Landschaft in Schwalmstadt ist bunter geworden und bietet neue Perspektiven“. Ein Sitz bleibt für die Linke, den Wählern seien sozialpolitische Fortschritte leider eher unwichtig. Rechnerisch verschiebe sich in Schwalmstadt wenig. Sprung nochmal zur FDP: Der Ortsverband sei sehr zufrieden, „obwohl eine neue Liste mitunter das Klientel der FDP anzusprechen versucht hat“. Froh sei man „über die insgesamt deutliche politische Bewegung zum bürgerlichen Lager“. Mit allen wolle man ideologiefrei und sachorientiert beraten. (Anne Quehl)

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