Notruf wählen ist Pflicht

Schwalm-Eder: Verhalten im Notfall: viele rufen 110 oder 112 nicht an

Rettungswagen bei der Anfahrt.
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Rettungswagen bei der Anfahrt (Symbolbild)

In der Rettungsleitstelle des Schwalm-Eder-Kreises in Homberg klingelte im vergangenen Jahr alle 4,3 Minuten das Telefon.

Schwalm-Eder. Alle 4,3 Minuten wählt im Landkreis ein Mensch den Notruf - Eine beeindruckende Zahl, aber es könnten mehr sein: Experten wie Uwe Wunsch, Verantwortlicher der Zentralen Leitstelle, gehen davon aus, dass viele Menschen sich scheuen den Notruf zu wählen. Sie seien unsicher, wann der Notruf 110 oder 112 gewählt werden muss und wer dann für den Einsatz bezahlt.

Ende Juli dieses Jahres kam es zu einem solchen Vorfall: drei Personen bei Wabern-Niedermöllrich kenterten mit ihrem Kanu auf der Eder. Erst eine Stunde nach dem Unfall erreichte der Notruf die Leitstelle. Nicht die Betroffenen selbst, sondern Passanten hatten zum Hörer gegriffen und so die Rettungskette aktiviert.

Matthias Mänz, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Nordhessen, klärt auf, wann ein Notruf gewählt werden darf: „Entscheidend ist eigentlich immer die Frage nach der zeitlichen Dringlichkeit“, sagt er. „Im Zweifel lieber einmal zu viel als zu wenig den Notruf wählen“, so Mänz weiter. Denn man ist nicht nur berechtigt den Notruf zu wählen, sondern sogar dazu verpflichtet, wenn jemand Hilfe braucht. Die Kosten trägt der Anrufer dabei nicht.

Insgesamt 120 000 Anrufe erreichten die Rettungsleitstelle im Jahr 2020. Im Durchschnitt waren das etwa 330 Anrufe pro Tag. Die Leitstelle der Polizei in Nordhessen bilanziert für die ersten fünf Monate des laufenden Jahres – vom 1. Januar bis 31. Mai – insgesamt 37 210 Notrufe.

Die Nummer gewählt, landet der Anrufer bei der zuständigen Leitstelle. Dort sitzen geschulte Disponenten, die genau wissen, auf was es in dringenden Situationen ankommt. Mit gezielten Fragen wird der Anrufer durch das Gespräch geleitet. Beim Notruf kann man also nichts falsch machen, wenn man die Fragen der Disponenten beantwortet.

Auch wer in der Aufregung die „falsche“ Nummer wählt, bekommt Hilfe: „Polizei und Feuerwehr helfen und verständigen sich grundsätzlich gegenseitig. Hilfe bekommt man also in jedem Fall“, sagt Mänz. Die „richtige“ Leitstelle wird dann intern verständigt.

Wie die Abläufe in der Leitstelle des Schwalm-Eder-Kreises im Falle eines Notrufes sind, erklären wir hier (Kira Müller)

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