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Eines der ältesten Kunstwerke Europas ist am Sonntag in Hausen zu sehen

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Von: Sandra Rose

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Der wie ein Antlitz anmutende Quarzitbrocken wurde in Hausen gefunden.
Der wie ein Antlitz anmutende Quarzitbrocken wurde in Hausen gefunden. © Walter Höhn, Felix busjäger

Wer in die Augen dieser Abbildung aus Quarzit blickt, dürfte wohl die älteste, bearbeitete Menschenabbildung Europas sehen (HNA berichtete): Diesen Rückschluss lässt jedenfalls die aktuelle Forschung zu dem Artefakt zu.

Hausen. Erstmals zu sehen ist die alt- oder mittelpaläolithische Gesichts-Imagination am Sonntag, 26. Juni, in Hausen. Dort veranstalten die Steinzeitfreunde ihr Fest mit Ausstellung, von 14 bis 18 Uhr auf dem Gelände neben dem Sportplatz.

Entdeckt wurde der Quarzitbrocken bereits in den 1970er-Jahren. Walter Höhn aus Borken barg ihn seinerzeit auf dem bekannten alt- und mittelpaläolithischen Fundgelände „Birket“ am östlichen Ortsrand von Hausen. Das Fundstück von 124 Millimetern Länge und einem dreieckigen Querschnitt hat ein durchgängiges, natürliches Loch, dessen beide Öffnungen den unmittelbaren Eindruck von Augen suggerieren. Zusätzlich werden das Augenpaar und der darunter befindliche Grat des Steins von einer roten natürlichen Linie umrahmt, die dem Ganzen das Bild eines Gesichts verleiht.

Der Finder glaubte, Bearbeitungsspuren an dem eigentlich überwiegend natürlichen Gebilde zu erkennen und bewahrte es auf. Es wäre nämlich in der Fundzeit und den Jahren danach unmöglich gewesen, diesen Gesichtsstein bekannt zu machen, weil die damalige archäologische Prämisse besagte, Neandertaler und Homo Erectus hätten keine figürlichen Realisationen leisten können, erläutert Höhn. Neuere Funde aus Israel (Berekhat Ram), Marokko (Tan-Tan), Gibraltar (Gorham’s Cave) und Frankreich (La Roche Cotard und Grotte de Loup) belegen aber heute eindeutig, dass auch schon vor dem sogenannten „Modernen Menschen“ Paläokunst gemacht wurde.

Universität begutachtet Fund

Deshalb hat Walter Höhn seinen Fund nochmals zur Begutachtung vorgelegt Begutachtet wurde er von Prof. Dr. Lutz Fiedler, bis zu seiner Emeritierung Leiter der Archäologischen Abteilung des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen in Marburg, dann Honorarprofessor an der Philipps-Universität Marburg, und Dr. Andreas Tiedmann, zuständiger Bezirksarchäologe vom Landesamt für Denkmalpflege.

„Dabei sind wir zu der Auffassung gekommen, dass die „Augenöffnungen“ durch Picken erweitert wurden und auch die umrandende rote Linie mit Einschlägen nachbearbeitet wurde. Der Gegenstand wäre damit eine der ältesten anthropomorphen Darstellungen Europas“, heißt es von den Experten.

Die intensiv braune Patina des Fundstücks erlaube dabei eine Zuweisung zu der älteren Fundserie von Hausen, die das Acheuléen repräsentiert.

Die jüngeren Artefakte mit eher beigefarbener Patina gehörten zu einem Mittelpaläolithikum mit massiven Blattspitzen, dreieckigen Faustkeilen und Schabern. Zu Faustkeilen hat Fiedler geforscht, vor Kurzem erschien seine neueste Publikation, darin wird auch ein Faustkeil aus Hausen abgebildet.

Verein Steinzeitfreunde gründete sich 2013

In Hausen hält der Verein Steinzeitfreunde, gegründet 2013, die besondere Geschichte des Birkets hoch. Zwölf Steinzeitfreunde und vier Unterstützer haben unter dem Vorsitz von Uwe Bickert für Sonntag ein besonderes Programm vorbereitet: Unter anderem soll es um die Heilkräuter der Steinzeit wie Schafgarbe, Ringelblume, Lavendel, Schellkraut, Brennnessel und ihre heilende Wirkung gehen.

Die Besucher können außerdem lernen, Feuer mit Zunder, Pyrit und dem Feuerquirl zu machen, auch etwas zur Schmuckherstellung in der Steinzeit. Angeboten werden Fladen auf der Ziegel und Stockbrot, gemeinsam soll ein Steinzeitzelt gebaut werden. Mutige können sich an der Speerschleuder versuchen.

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