Die ursprüngliche Tradition des Rübenmännchenschnitzens lebt weiter

Oberaula: Gruseliges aus Futterrüben

Oberaula. Auf dem Hof der Familie Willhardt in Oberaula war am Sonntagnachmittag ein reger Betrieb. Rund 60 Kinder mit Eltern und Großeltern waren gekommen, um die Tradition des Rübenmännchenschnitzens selbst zu pflegen.

Während der fünfjährige Yorik und die dreijährige Runa noch mit ihren Löffeln das Fruchtfleisch aus der Rübe kratzten, hatten die anderen Kinder ihre fertigen, gruselig anzuschauenden Rübengesichter bereits auf Leitern aufgestellt und warteten auf die Dunkelheit, damit die Kerzen in den Futterrüben, die auch als Runkelrüben bekannt sind, angezündet werden konnten. Denn erst mit dem Leuchten aus dem Inneren entfalten die Rübengesichter ihre wahre Ausstrahlung.

Bis es endlich so weit war, vergnügten sich die Kinder mit Besuchen bei den Kühen und Puten des Hofes, mit Schlepperfahren oder einem heißen Kinderpunsch.

Tradition erhalten

Mit viel Engagement hatte das Organisationsteam rund um Dorothee Steinberg, die Tochter des Willhardt-Hofes, die Scheune zu einem Imbiss mit Waffeln, Würstchen und Getränken aufgebaut. „Wir wollen mit dem Rübenmännerschnitzen einerseits eine Tradition lebendig erhalten, andererseits gleich ein bisschen Geld für unsere Aktion – Äwel feiert Weihnachten – am 3. Advent verdienen“, so Dorothee Steinberg. An dem Adventssonntag sind alle Kinder in die Mehrzweckhalle Oberaula eingeladen, um gemeinsam zu basteln, zu backen, zu spielen und zu singen.

Eigener Rübenanbau

Die Frauen der Volkstanzgruppe Oberaula kümmerten sich um die Schnitzereien der Kinder. „Wir lassen die Futterrüben extra von Annemarie und Erich Wagner aus Olberode anpflanzen, da es in unserer Region kein Futterrübenanbau mehr gibt“, erzählte Renate Willhardt.

Erinnerung an früher

Bei Einbruch der Dunkelheit entzündeten die Organisatoren die Kerzen in den Rüben und die kleine Handpuppeneule Äwel rief die Kinder zusammen, um eine Polonaise quer über den Hof zu tanzen. Vorher ließ sich die Eule Äwel von den Jüngsten zeigen, wer welchen Rübenmann geschnitzt hatte. „Als ich noch ein Kind war, haben wir die Rüben auf Stöcke gesteckt, und sie dann bei den Nachbarn ins Fenster gehalten“, erinnerte sich Dorothee Steinberg. „Die Nachbarn taten immer fürchterlich erschreckt, was uns Kinder natürlich sehr gefreut hat.“ Bürgermeister Klaus Wagner: „Ich finde den alten Brauch der Rübenmänner viel schöner als das amerikanische Halloween.“

Von Christiane Decker 

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