Ludwig der Bayer verlieh die Stadtrechte

Sonderstatus seit 1323: Kleines Dörfchen Hausen ist eigentlich eine Stadt

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Sie bildete einst die Hauptachse Hausens: die Aulatalstraße. Hier zeigt die historische Aufnahme Heinrich Nuhn mit seinem Pferdegespann.

Hausen. Hausen hat adeligen Charakter. Und nicht nur das. Der Oberaulaer Ortsteil ist nämlich eine Stadt. Wer an einen Aprilscherz denkt, dem sei gesagt: Es ist die Wahrheit.

Tatsächlich wurde Hausen, genannt Husen, 1323 zur Stadt erhoben. Dass die Stadtrechte verliehen wurden, ist heute weitestgehend in Vergessenheit geraten. Das damit verbundene Marktrecht lassen die 650 Hausener seit der 850-Jahrfeier 2010 regelmäßig wieder aufleben.

Der gebürtige Hausener Dr. Hans Günther Bickert (Marburg) beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Ortshistorie und hat zum Thema bereits mehrere Publikationen verfasst. Auch der frühere Ortsvorsteher Karl-Heinz Klinger und sein Nachfolger Peter Albert fühlen sich der Geschichte verbunden. Aktuell richtet Ulrich Allendorf im Dorfgemeinschaftshaus ein Archiv ein.

"Oberaula liegt bei Hausen": Urkunde belegt Stadtrechte

Die Verleihung der Stadtrechte belegt eine Urkunde Ludwigs des Bayern. Sie findet sich im Hessischen Staatsarchiv in Marburg. Aus dem Hessischen Gemeindelexikon geht hervor, dass König Ludwig eine Stadt als Konkurrenzmarkt zum ziegenhainischen Schwarzenborn anlegen durfte. „Hausen erlangte jedoch nie die wirtschaftliche Bedeutung einer Stadt“, berichtet Klinger. 

Adelig geprägt: Die frühere Burg wurde zum Schloss Hausen umgebaut, hier eine Abbildung aus 1850.

Der Ort habe aber mit Mauern und Gräben umgeben werden dürfen. 1324 wird die neue Stadt urkundlich als Landstädtchen geführt. Damals kommt der Sinnspruch „Oberaula liegt bei Hausen“ auf – wobei es Oberaula nie zu Stadtrechten brachte.

Nach der Plünderung 1356 wurden Hausen wieder unbedeutend

Nach der Plünderung 1356 durch den hessischen Landgrafen Otto der Schütz entwickelte sich der Ort wieder zum „unbedeutenden Dorf“. Die ursprüngliche Stadtanlage ist jedoch innerhalb des heutigen Ortsgrundrisses noch deutlich nachvollziehbar. Zu sehen ist ein für ein Dorf ungewöhnlicher Rechteckgrundriss, der auf drei Seiten von Wegen und im Nordosten vom späteren Adelsgut eingeschlossen wird.

Die Kirche, die im Kern weit älter ist als die Siedlung, und die Burg befinden sich außerhalb des städtischen Grundrissgefüges. Die Hauptachse bildet die Aulatalstraße, von ihr gehen die beiden Stichstraßen ab. Im 14. Jahrhundert wurde die Stadtwerdung abgebrochen – weite Teile blieben unbebaut, im Westen wurde das Hofgut der Burg angelegt und mittels eines Wassergrabens vom Ort getrennt. Fortan wurde die Entwicklung Hausens durch den Adelssitz bestimmt. Johann von Dörnberg veranlasste, dass die Kapelle in Hausen 1466 selbstständige Pfarrei wurde.

Gedenkfeier 2023 ist möglich

Die mittelalterliche Burg verwandelte um 1600 ihr Gesicht in ein Renaissanceschloss. Die Ortsstruktur mit ihren bescheidenen Bauernhäusern kündet noch heute vom Einfluss des Adels und der Abhängigkeit der Dorfbewohner – ähnlich wie in Rommershausen und Willingshausen. Reste der Stadtwälle Hausens verschwanden erst im 18. Jahrhundert.

Fühlen sich der Ortsgeschichte verbunden: Ortsvorsteher Peter Albert (links) und sein langjähriger Vorgänger Karl-Heinz Klinger.

Ob die Gemeinde 2023 der Verleihung der Stadtrechte gedenke, darüber will der Ortsbeirat noch beraten: „Ich kann es mir sehr gut vorstellen“, sagt Karl-Heinz Klinger.

2010 wurde in Hausen der Ortsgründung gedacht: Damals wurde im Dorf die 850-Jahrfeier begangen. An mehr als 60 Ständen präsentierten die „Husener“ Handwerk und Brauchtum. Aktuell gibt es Überlegungen, im September 2020 an die Jahrfeier zu erinnern.

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