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Heinz Peterle hat den Strom im Oberaulaer Gebäude abgestellt

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Um Mitternacht zum Jahreswechsel legte er den Schalter um und besiegelte damit offiziell das Ende des Gefrierhauses „Am Siegen 2“ in Olberode: Der ehemalige Vorsitzende Heinz Peterle.
Um Mitternacht zum Jahreswechsel legte er den Schalter um und besiegelte damit offiziell das Ende des Gefrierhauses „Am Siegen 2“ in Olberode: Der ehemalige Vorsitzende Heinz Peterle. © Jochen Schneider

Nach 60 Jahren wurde am 31. Dezember der Strom in Olberode abgeschaltet.

Olberode – Eines der letzten Gefrierhäuser im Schwalm-Eder-Kreis wurde stillgelegt. Von den beiden Gefrierhäusern in Oberaula im Ortsteil Olberode wurde am letzten Tag des abgelaufenen Jahres der Schalter umgelegt und damit das Ende der „Gefriergemeinschaft Siegengarten Hausnummer 94“ (heute: Am Siegen 2) besiegelt.

„Die andere Gefrieranlage oberhalb des Olberöder Sees wurde bereits im Jahre 2007 abgeschaltet und jetzt ist auch die zweite im Ort Vergangenheit“, erklärt Heinz Peterle als Vorsitzender der Gefriergemeinschaft.

Er hatte vor zehn Jahren diese Aufgabe von seinem Vorgänger Willi Diehl übernommen, in dessen Haus direkt daneben der Stromzähler für das Gebäude installiert war. Und deshalb ist auch der heutige Besitzer froh, dass die jährlich Ablesung in seinen vier Wänden nun ein Ende hat.

In Peterles Unterlagen über das Gebäude befindet sich noch der Pachtvertrag aus dem Jahr 1962 zwischen der Gemeinde Oberaula als Grundstückseigentümer und der Gefriergemeinschaft, die damals einen Pachtzins von fünf Mark pro Jahr zu entrichten hatte, „was einem vergleichbaren Wert von einem Zentner Kartoffeln entspräche“, wie es handschriftlich hinzugefügt wurde.

Die Kosten für das Haus mit 33 Kühl- und zwei Vorfrostfächern sowie einem rund drei Quadratmeter großen Kühlraum lag bei knapp 27 000 Mark. „Der Kühlraum wurde in der Vergangenheit noch häufig genutzt, denn dort konnten gerade für Familienfeste oder Feiern Kuchen sowie Essen und Getränke gelagert werden“, erinnert sich Rentner Peterle, der nur einige Meter entfernt wohnt und deshalb auch immer einen Blick auf das Haus werfen konnte.

„Die Gebäude hatten damals durchaus ihre Berechtigung, denn nicht jeder Haushalt konnte sich Tiefkühlgeräte leisten, es gab viele Hausschlachtungen, die Gärten und auch die Familien waren größer und die Waren mussten ja kühl aufbewahrt und gelagert werden“, ergänzt der Olberöder Ortsvorsteher Werner Pfalzgraf.

Bis zuletzt gab es 18 Eigentümer, die feste Fächer hatten und sich oder die Vorfahren beim Bau des Gebäudes mit ihrer Arbeitskraft eingebracht hatten. Im abgelaufenen Jahr hatte Heinz Peterle alle Besitzer der Gefrierfächer aufgesucht und deren Unterschriften aufgenommen, die damit ihr Einverständnis zur Abschaltung am 31. Dezember erklärten.

„Viele hatten kein Interesse mehr, die Anlage war natürlich in die Jahre gekommen, die Gebäude- und Brandversicherung verursachte hohe Kosten, deshalb war die Auflösung der Genossenschaft der einzig richtige Weg“, sagte der Vorsitzende um Mitternacht und legte den Schalter um.

Das Gebäude des ehemaligen Gefrierhauses bleibe erhalten und habe auch schon neue Eigentümer gefunden: Eine Familie direkt gegenüber habe es erworben und möchte sich darin eine Hobbyschreinerei einrichten. (Jochen Schneider)

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