ZWISCHEN DEN ZEILEN

Kulturerbe, Kantine und Konstruktives

Christine Zacharias, Redakteurin Hersfelder Zeitung
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Christine Zacharias, Redakteurin Hersfelder Zeitung

Mit dem Lullusfest als Weltkulturerbe, der Lage der Gastronomie und positiven Beispielen aus der Kommunalpolitik befasst sich Christine Zacharias in unserer Wochenkolumne.

Der 6. Juni ist Unesco-Welterbetag. 46 Welterbestätten gibt es in Deutschland, in Hessen sind sie allerdings dünn gesät. Lediglich die Buchenwälder und der Kasseler Bergpark stehen auf der Liste der besonders bedeutenden Denkmäler und Naturschönheiten. Das Bad Hersfelder Lullusfest als ältestes Volksfest Deutschlands mit besonders vielen Traditionen könnte diese Liste ergänzen – als immaterielles Weltkulturerbe.

Um einen entsprechenden Antrag kümmert sich der Lullusfest-Verein mit Unterstützung der Stadt. Das ist jedoch, wie der Vorsitzende Stefan Kopetschek auf Nachfrage unserer Zeitung erläuterte, kein einfaches und vor allem ein langwieriges Anliegen. „Das Verfahren läuft noch“, versicherte er. In der ersten Runde habe man noch Anregungen erhalten, wie der Antrag – für den es auch jede Menge Konkurrenz gibt – verbessert und ergänzt werden könnte. Jetzt muss eine Runde ausgesetzt werden, dann wird der nächste Versuch gestartet. Ein Problem: Der wirtschaftliche Aspekt, also Festplatz, Fahrgeschäfte etc., darf nicht im Vordergrund eines Festes stehen, das zum immateriellen Kulturerbe erklärt werden soll. Für die Bewerbung hat übrigens sogar der ehemalige Bischof Hein ein Empfehlungsschreiben verfasst.

Gerade freuen sich unsere örtlichen Gastronomen über erste Öffnungen nach der schweren Corona-Zeit, da droht neues Ungemach. So flatterte Ulrich Bommer von der Klosterschänke im ehemaligen Garda jetzt ein Schreiben der Stadt ins Haus, in dem ihm unter Fristsetzung bis 1. August und unter Androhung eines Zwangsgeldes der Einbau eines Fettabscheiders für sein Abwasser verordnet wurde. Ähnlich erging es den Hecks vom Buchcafé und wohl noch anderen. Eine böse Überraschung nach den sauren Wochen der Corona-Zwangsschließung ohne nennenswerte Einnahmen, denn so ein Fettabscheider kann bis zu 5000 Euro kosten, rechnet Ulrich Bommer vor. Wir haben im Rathaus nachgefragt. Sprecher Meik Ebert beruhigt. Klar werde die Frist verlängert, man werde sich nicht hartleibig zeigen, versichert er. Vernünftig, schließlich will die Stadt die Gastronomie ja wieder ankurbeln und unterstützen.

Dazu passt eine andere Nachricht: Peter Heck, der auch die Festspiel-Kantine bewirtschaftet ist zuversichtlich, er in diesem Jahr die Wiese vor der Stiftsruine mit nutzen kann, um die Abstandsregeln besser einzuhalten. Im vergangenen Jahr gab es dort im „Anderen Sommer“ ja Knatsch. Gleichzeitig zerstreut er dumme Gerüchte, wonach die Kantine anderweitig verpachtet worden ist. Alles Blödsinn, die Hecks sorgen auch diesen Sommer für das leibliche Wohl von Festspielern und Zuschauern.

Und noch ein paar anerkennende Worte zum Schluss. In unseren Berichten über die Kommunalpolitik entsteht ja mitunter der Eindruck, dass Streit, Zwietracht und Profilierungssucht in vielen Parlamenten herrschen. Dabei arbeiten die meisten Gemeindevertretungen relativ geräuschlos und harmonisch zusammen. Ein besonders positives Beispiel ist Oberaula. Dort wird zwar auch mal lebhaft diskutiert, meist steht aber im Vordergrund, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen. Da werden dann Anträge der einen Partei durch Vorschläge der anderen ergänzt und so lange gemeinsam bearbeitet, bis alle das Gefühl haben, die Gemeinde so voranbringen zu können. Ein Musterbeispiel für konstruktive Politik, bei der nicht Parteiinteressen, sondern das Wohl der Kommune im Vordergrund steht. (Christine Zacharias)

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