1956 kaufte sie eigenen Trecker

Bei Wind und Wetter unterwegs: Oma Hilde fährt mit ihrem Trecker einkaufen

+
Hilde Albert aus Hausen erledigt alle Fahrten mit ihrem Trecker, der ihr schon seit 1956 gute Dienste leistet. Im Dorf wird sie nur Oma Hilde gerufen.

Seit sie 14 Jahre alt ist, ist Hilde Albert aus Hausen mit dem Trecker unterwegs. Auch heute erledigt die 83-Jährige alle Fahrten mit ihrem treuen Schlepper.

  • Hilde Albert aus Hausen erledigt alle Fahrten mit ihrem Trecker.
  • Der Trecker begleitet sie bereits seit 1956.
  • Im Dorf wird sie nur Oma Hilde gerufen.

Mit dem Trecker ist Hilde Albert aus Hausen unterwegs, seit sie 14 Jahre alt ist. Und auch jetzt noch, mit 83 Jahren, leistet ihr der alte 28-PS Deutz D 30, den sie 1956 gekauft hat, gute Dienste. Ein Auto hat Hilde Albert nicht, also tuckert sie mit dem Trecker zum Einkaufen.

In Hausen und in Oberaula kennt jeder Oma Hilde, wie sie gerufen wird, und ihren Trecker. Und wenn der mal ein paar Tage hintereinander nicht gesichtet wird, dann gibt es besorgte Nachfragen nach ihrem Wohlergehen – dabei ist es dann eher der Trecker, der krank ist, also zum Beispiel einen Platten hat, erzählt sie und lacht.

Oma Hilde verdiente früh ihr eigenes Geld

Hilde Albert ist eine, die ihr ganzes Leben lang zugepackt hat. „Ich war schon mit acht Jahren Kindermädchen“, erzählt sie und relativ bald verdiente sie sich ein paar Groschen mit dem Verkauf von Brötchen und Backwaren. Gronowskis hatten einen kleinen Pferdewagen, mit dem sie Brot, Brötchen und Kuchen ausgeliefert haben, und Hilde Alberts Großmutter fand, das könne sie doch gut machen.

Nach der Schule ging Hilde zum Arbeiten auf einen Bauernhof

Auch in der Landwirtschaft der Großeltern hat Hilde Albert immer mitgearbeitet. Schon früh war ihr klar, dass sie später auch in eine Landwirtschaft einheiraten wollte. Deshalb machte sie, ebenso wie die anderen drei Mädchen in ihrem Jahrgang, keine Ausbildung nach der Schule, sondern ging auf einen Bauernhof zum Arbeiten.

Aufgewachsen ist Hilde Albert in Görzhain. Als ihre Eltern berufsbedingt nach Wiesbaden zogen, beschloss das kleine Mädchen, bei den Großeltern zu bleiben. 

Kuh fiel nach Gewitter um: Hilde Albert blieb an ihrer Seite 

Sie wurde dann zwar in Wiesbaden eingeschult, aber als im Zweiten Weltkrieg das Haus gegenüber dem ihren, in dem ihre Freundin wohnte, von einer Bombe getroffen und völlig zerstört wurde, schickten die Eltern die Kinder wieder aufs Land. Der kleinen Hilde war das nur recht, sie freute sich, wenn sie in der Landwirtschaft mitarbeiten konnte. 

Einmal, so erinnert sie sich, sie muss wohl etwa zehn Jahre alt gewesen sein, war sie mit den Kühen zum Pflügen auf dem Acker, als ein Gewitter aufzog. Ein Blitz schlug mit ohrenbetäubendem Knall in der Nähe ein. Das erschreckte eine der Kühe so sehr, dass sie umfiel und liegen blieb, bis das Gewitter vorbei war. Und Hilde blieb an ihrer Seite.

Oma Hilde kann anpacken

Außer in der Landwirtschaft hat Hilde Albert auch in einem Gasthof gearbeitet, bei „Barons im Wald“, in der Ferienhaussiedlung, in der Rehabilitationseinrichtung und überall, wo jemand gebraucht wurde, der zupacken konnte. Und das konnte Hilde. 

„Ich wüsste net, was ich nicht gemacht hab“, meint sie. Und wenn sie so zurückblickt, fragt sie sich, wie viele Stunden ihr Tag eigentlich hatte.

Bei Wind und Wetter unterwegs: 1956 kaufte sich Oma Hilde ihren eigenen Trecker

1955 heiratete sie im Alter von 19 Jahren ihren Hans. In Hausen gab es damals drei Autos: Der Bürgermeister hatte eines, der Baron und die Feuerwehr. 

Da sorgte Hilde, wenn sie mit dem Trecker ihrer Familie aus Görzhain zu Besuch kam, schon für Aufsehen. Aber selbst ihre skeptische Schwiegermutter konnte sie schnell überzeugen, dass Treckerfahren angenehmer ist als laufen. 

1956 kauften sich die Alberts ihren eigenen Trecker. Und mit dem ist Oma Hilde jeden Tag und bei jedem Wetter unterwegs, um ihre Besorgungen zu machen. 

Zur Person

Hilde Albert (83) stammt aus Görzhain, wo sie mit vier Geschwistern aufwuchs und schon als Kind in der Landwirtschaft der Großeltern mitgeholfen hat. 1955 heiratete sie Hans Albert und zog ins Haus seiner Familie in Hausen, wo sie noch heute lebt. 

Die Alberts haben einen Sohn und eine Tochter, vier Enkelkinder und fünf Urenkel. Hans Albert ist seit 15 Jahren pflegebedürftig und wird von seiner Frau zu Hause versorgt. 

Video: Mit 15 PS nach Schottland: "Deutz-Willi" wieder unterwegs

Landwirte aus der Region protestieren

Nach 15 Stunden fahrt und 400 Kilometern sind die Bio-Bauern aus Hofgeismar bei einer Demo in Berlin dabei. Die Teilnahme ist mittlerweile zur Tradition geworden.

Auch in Göttingen protestieren Landwirte beim bundesweiten Flashmob. An Autobahn-Brücken und stark befahrenen Straßen stellten sich die Landwirte gut sichtbar auf.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.