Marktleiter beschimpft – Bürgermeister mahnt

Oberaula: Vielen Kunden fehlt es an Einsicht

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Maximal 40 Kunden dürfen rein: Damit hält sich Inhaber Thomas Höhnke an die Vorgaben von Edeka. Darauf reagieren Kunden offenbar zum Teil aggressiv. Foto: Ina Henschel

Um die Infektionsgefahr zu minimieren, dürfen nur noch 40 Kunden gleichzeitig in den EDEKA-Markt in Oberaula. Darauf reagieren Kunden offenbar zum Teil aggressiv.

Thomas Höhnke, Inhaber des gleichnamigen Edeka-Marktes in Oberaula, versteht die Welt nicht mehr. Er und sein Team arbeiten an der Belastungsgrenze, denn vor und in seinem Markt spielen sich nervenaufreibende Szenen ab.

„Offenbar ist Einkaufen die neue Freizeitbeschäftigung, die Menschen kommen in größeren Gruppen, auch die, die eigentlich unter Quarantäne stehen“, berichtet Höhnke. Es sei dreimal so viel los wie sonst üblich. Dass sich die Menschen in derCorona-Krise weder an Verbote noch an empfohlene Hinweise halten, Kontakte so gering als möglich zu halten, macht den Oberaulaer fassungslos.

Marktleiter bittet Kunden um Abstand

„Vielen Kunden fehlt das Verständnis für Einschränkungen, die ich konsequent durchsetze. Es fehlt noch, dass mich Kunden bespucken – ansonsten war wirklich alles dabei“, erzählt der Geschäftsmann.

Auf seine 800 Quadratmeter Verkaufsfläche lässt Höhnke aktuell genau 40 Kunden und richtet sich damit nach den Vorgaben von Edeka. „Auch auf die 1,50 bis zwei Meter Abstand weise ich ausdrücklich hin.“

Insbesondere vor dem Markt komme es dann gehäuft zu Diskussionen – eben dann, wenn alle Wagen bereits im Einsatz seien.

„Die Leute wollen sich gar nichts mehr sagen lassen, das Ganze läuft auf eine Ausgangssperre raus“, ist Höhnke überzeugt.

Kunden horten Toilettenpapier

Auch Reglementierungen bei Artikeln würden kaum hingenommen: „Mir hat eine Kundin erzählt, dass sie jemanden kenne, der zu Hause 90 Pakete Toilettenpapier habe. Der habe ich empfohlen, sich bei demjenigen einzudecken“, berichtet der Oberaulaer, in dessen Markt das Toilettenpapier binnen nur zwei Stunden nach Lieferung ausverkauft ist.

Für Thomas Höhnke ist das Verhalten vieler vollkommen unverständlich, schließlich müsse doch allen daran gelegen sein, dassLebensmittelmärkte geöffnet blieben. Der Oberaulaer appelliert an die Kunden, rücksichtsvoll mit sich und vor allem anderen umzugehen. „Wir haben schon ein dickes Fell und ich bin ein friedliebender Mensch, aber bei manchen Kunden bin ich kurz davor, ihnen Hausverbot zu geben“, sagt Höhnke.

Bürgermeister sieht Ausgangsverbot kommen

Auch Bürgermeister Klaus Wagner kann über so viel Ignoranz nur den Kopf schütteln: „Einkaufen wird zum Freizeitspaß. Offenbar haben manche Menschen den Ernst der Lage überhaupt nicht begriffen“, sagt er. „Die Leute betteln förmlich um ein Ausgehverbot.“

VON SANDRA ROSE

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