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Ein Paar aus Oberaula sammelt Kunst in Skulpturengarten

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Von: Sandra Rose

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Ein etwa drei Meter großer Löwenzahn aus Metall steht vor Bäumen.
Imposant: Das neueste Kunstprojekt ist dieses Werk des Olberöders Jaruslav Beck – der Löwenzahn aus Metall steht auf einer Freifläche mit Blick Richtung Ortskern und Hausen und wird abends mit Scheinwerfern angestrahlt. © Sandra Rose

Leben und Arbeiten in und mit der Natur – viele zwischen Schwalm und Knüll lieben das. Diesmal haben wir uns in Oberaula das weitläufige Areal rund um „Die Burg“ angesehen.

Oberaula – Wer den Ortskern Oberaulas hinter sich lässt, die frühere Bahnstrecke überquert und sich auf schlängelnden Wegen Richtung Wald bewegt, der entdeckt hinter hohem, altem Baumbestand ein imposantes Backsteingebäude, bei den Oberaulaern als „Die Burg“ bekannt. Das aus dem Jahr 1906 stammende, frühere Verwaltungsgebäude der Bahn ist seit 1985 in Privatbesitz, 2016 haben es Volker P. Schöne und sein Mann Hans-Heinrich Conradi gekauft. Aus Südhessen zog es die beiden ins Aulatal, unter anderem, weil es verwandtschaftliche Bande im Ort gibt.

Park und Kunstausstellung zugleich

Die ihnen zu Füßen liegenden 15 000 Quadratmeter erschließen sich die Neu-Oberaulaer peu à peu: Mit viel Liebe zum Detail schafft das Paar einen Garten, der seinesgleichen sucht. Neben Obstbäumen und parkähnlichen Flächen dominiert Kunst das Areal – und dürfte so manchen Besucher staunend stehen bleiben lassen.

Auf der Veranda bietet ein Sonnensegel schatten. Darunter steht ein Tisch mit Stühlen und Grill.
Sonnendeck: Inmitten der Obstwiesen hat sich das Paar eine Veranda angelegt, gebaut aus altem Holz, das bei der Sanierung des Wohnhauses ausgebaut wurde. © Rose, Sandra

Hoch über den Köpfen hinweg bildet eine Metall-Skulptur mit hängenden Füßen quasi die Pforte zum Garten, oder, je nach Blickrichtung, auch das Tor zum Ibrakuppenrundweg, den man per pedes erkunden kann. Dann öffnet sich eine Achse, flankiert von alten Obstbäumen, auf der es reichlich zu entdecken gibt – beispielsweise ein Werk aus einer alten Bahnschiene, gefunden im Nöll, eine baumelnde, freundlich dreinblickende Fledermaus und eine Frauenskulptur auf einer Bank sitzend.

Die Fledermaus aus Metall hängt kopfüber von einem Metallstreben.
Kecker Gast: Der Olberöder Künstler Jaruslav Beck hat die Fledermaus aus Metall erschaffen. © Rose, Sandra

„Die sechskantige Basaltsäule und die Schiene haben wir auf dem Grundstück gefunden – sie sind Teile der Geschichte Oberaulas. Mehr als 100 Jahre wurde am Nöll Basalt abgebaut und mit der Eisenbahn bis an die Nordsee transportiert“, berichtet Volker Schöne (61), der auf dem Grundstück den perfekten körperlichen und geistigen Ausgleich zu seinem Job als IT-Experte findet.

Skulpturen haben teils persönliche Bedeutungen

Bezüge ganz persönlicher Natur finden sich überall im Garten: Etwa in Gestalt der Holzskulptur namens „Elisabeth“, die die Oberaulaer an eine gute Freundin, die mit 97 gestorben ist, erinnert. Geschaffen von Hilde Würtheim stand die Arbeit im Kurpark Bad Kissingen und war ein Geschenk an das Paar.

Die Holzskulptur Elisabeth schlingt die Arme um sich und sitzt auf einer Bank.
Elisabeth: So heißt die Holzskulptur, die einst im Kurpark Bad Kissingen stand – jetzt in Oberaula. © Rose, Sandra

Ein Symbol für jüdisches Leben in Oberaula ist die „Wurzel der Erinnerung“ – sie gehörte zu einer 200 Jahre alten Eiche, die auf dem jüdischen Friedhof stand und aus Sicherheitsgründen gefällt werden musste. Berührend sind auch die Handabdrücke des Paares in einem Stamm – auf einer Tafel heißt es: „Da sind vier Hände. Unsere Hände. Über Kreuz. Eingefräst in den Baum. Alles ist vergänglich, auch WIR.“

An einer Metallaufhängung hängt eine Skulptur, die zwei Füße darstellt.
Symbol für Wanderer: Am Grundstück entlang verläuft der Ibrakuppenrundweg, an den diese Arbeit erinnert. © Rose, Sandra

Blick auf die „hessische Toskana“

Vorbei an „The Green Man“, der in seiner schlanken Gestalt an die Antike erinnert, und am Engel – „der nicht vom Himmel gefallen ist, sondern eine Auftragsarbeit von Jaruslav Beck aus Olberode“ – öffnet sich der Blick hin zur „hessischen Toskana“: Vor sanft geschwungenen Hügeln, umrahmt von bunt belaubten Bäumen, ragt ein mehrere Meter hoher Löwenzahn aus dem Boden. „Es ist eine Materialschlacht, es war aber unser Wunsch, hier etwas Großes entstehen zu lassen“, erklärt Volker Schöne. Tatsächlich scheint der Platz perfekt – die gelbe Blüte erstrahlt über Oberaulas Dächern in die eine, über den Höny-Hof in die andere Richtung. Geschaffen hat sie ebenfalls Jaruslav Beck.

Volker P. Schöne und Hans-Heinrich Conradi stehen mit ihrem Hund im Garten.
Seit dem Jahr 2016 Eigentümer der „Burg“: links Volker P. Schöne und Hans-Heinrich Conradi. © Rose, Sandra

Wiederverwendung von Gebrauchtem

Wenige Meter entfernt lädt ein Upcycling-Projekt aus alten Paletten – aus Gebrauchtem etwas Neues machen – zum Umschauen ein. „Das ist unser Naturkino“, sagt Schöne, der ein Faible für Upcycling-Kunst hat: „Das, war Künstler aus Gebrauchtem machen, ist nicht immer nur schön. Ich mag eher das Ästhetische, häufig sind mir die Objekte zu provokant. Deshalb haben wir auf einen Mix geachtet, in dem auch schöne Dinge ihren Platz finden. Bei aller Arbeit ist das hier für uns pure Entspannung.“ (Sandra Rose)

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