Familienunternehmen Endres ist in Oberaula gestrandet

Zirkus bangt wegen der Coronakrise um seine Existenz

Angelina (von links), Vater und Zirkusinhaber Patrick, Joel, Scarlet, Sammy-Jo, Shayenne, Mutter Manuela und Lorena Endres stehen vor einer Hüpfburg.
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Ab heute Gastspiel in Hausen: von links Angelina, Vater und Zirkusinhaber Patrick, Joel, Scarlet, Sammy-Jo, Shayenne, Mutter Manuela und Lorena Endres haben durch die Pandemie seit März keine Einnahmen mehr.

Ein Leben ohne seinen kleine Zirkus – das kann sich Patrick Endres (40) nicht vorstellen. Doch die Pandemie zwingt den Familienvater, doch darüber nachzudenken.

„Unsere Branche hat man vergessen, um uns kümmert sich keiner“, ist er überzeugt. Als das Virus kam, war die achtköpfige Familie gerade mit ihrem Hüpfburgenpark in Neukirchen zu Gast. Mit dem Lockdown brach das komplette Einkommen weg, alle geplanten Engagements fielen ins Wasser. Gestrandet ist die Familie in Oberaula. Seit März sitzen Patrick und seine Frau Manuela mit den sechs Kindern zwischen sechs und 18 Jahren fest.

Jetzt gibt es immerhin einen kleinen Lichtblick: Seit Donnerstag (9. Juli) dürfen sie ihren Hüpfburgenparcours öffnen. Seit Tagen werden die Gebilde aus luftdichtem Gewebe auf dem Sportplatz in Hausen aufgebaut und sauber gemacht. Ursprünglich hatte das Jahr so gut angefangen: „Da habe ich noch in neue Werbetafeln und in eine Heizung fürs Zirkuszelt investiert“, erzählt Patrick Endres.

Niemand habe ahnen können, dass alles anders kommen würde. „Wir sind praktisch pleite“, sagt der 40-Jährige. Soforthilfe habe er beantragt, jedoch dauere die Bearbeitung, zudem sei sie kompliziert.

Auch beim Jobcenter fühle man sich nicht zuständig. „In Rheinland-Pfalz, wo ich gemeldet bin, sagte man mir, dass ich nicht dauerhaft dort wohne. Und hier sagte man mir, man sei nicht zuständig, weil ich woanders gemeldet sei“, beklagt der Familienvater.

Zirkusse kriegen keien Plätze

Zwar dürften Zirkusse wieder Vorstellungen geben, „aber wir kriegen keine Plätze“. Die Gemeinden entschieden sich aus Angst oft noch gegen die Auftritte. In Oberaula hatte sich der Bürgermeister dafür eingesetzt, dass die Familie in Hausen ihren Park aufbauen darf. Eine Platzmiete müssen sie nicht zahlen, Wasser und Strom aber schon.

Viele Wochen standen die Wohnwagen der Zirkusfamilie nahe der Mehrzweckhalle und am Schwimmbad in Oberaula. Patrick Endres kam mit den Menschen ins Gespräch: „Uns wurden auch Spenden gebracht, dafür sind wir sehr dankbar“, berichtet er. Eine Facebook-Aktion einer Oberaulaerin habe 400 Euro eingebracht. „Das war wie ein Sechser im Lotto – wir waren vollkommen überrascht“, erzählt Endres.

Mit dem ersten Engagement zumindest wächst ein wenig die Zuversicht: „Es gibt natürlich ein Hygienekonzept und wir freuen uns, endlich wieder Gäste begrüßen zu dürfen“, sagt Patrick Endres. Wie es weiter geht, weiß der Zirkusinhaber noch nicht. Die Zusage für ein Gastspiel in München gebe es – „aber allein der Arbeitsaufwand, um das Material dorthin zu transportieren, und die Kosten hierfür, sind enorm.

Ich weiß nicht, ob wir uns das werden erlauben können.“ Einige Zugmaschinen hat Patrick Endres in der Krise schon abgemeldet, um die Versicherung zu sparen. „Aber ich und die Familie leben für unseren Zirkus – und wir werden mit aller Kraft versuchen, ihn zu retten.“

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