14. Bilderschwatz: Gesprochen wurde über von Reuterns Werk „Die Hochzeitsgäste“

Die Odyssee eines Bildes

Beim 14. Bilderschwatz: von links Paul Dippel, die Baronin Maria-Elisabeth von Schwertzell zu Willingshausen, Ulli Becker-Dippel und Johannes Peter. Fotos: Rose

Willingshausen. Zum 14. Mal wurde am Samstag ausgiebig über Kunst geschwatzt: Im Gerhardt-von-Reutern-Haus in Willingshausen stand ein Werk des Gründers der Malerkolonie und Namensgebers des historischen Gebäudes im Mittelpunkt, „Die Hochzeitsgäste“.

Die Patenschaft für den Plausch hatte diesmal die Vereinigung Malerstübchen übernommen. Den Part des erkrankten Vorsitzenden Helmut Geisel teilten sich Organisatoren und Gäste, Paul und Ulli Becker-Dippel, Baronin Maria-Elisabeth von Schwertzell zu Willingshausen und Kunststudent Johannes Peter.

Spannendes förderte die Runde über das im Jahre 1828 entstandene Werk zutage. Baronin von Schwertzell verlas einen Vortrag, den ihr Mann einst für die Enkeltochter verfasste.

Im Mittelpunkt stand das Leben des baltischen Offiziers und Malers von Reutern, der um 1814 zum ersten Mal nach Willingshausen kam. In Zeiten der napoleonischen Kriege und des beginnenden Industriezeitalters „stellte er sich der kulturell-geistigen Entwicklung“.

Besonderes Augenmerk fanden in seiner Malerei christlich-religiöse Themen. Als Gründer der Malerkolonie habe er Künstlerfreunde aufs Land gelockt: Sie bildeten überwiegend bäuerliche Hausszenen, Kirchenbesuche und Charaktere ab.

Ulli Becker-Dippel beleuchtete „Die Hochzeitsgäste“, namentlich bekannt als Johannes Riebeling und Katharina Orth. In Willingshausen kannte man die Abbildung lange nur als Lithografie. Reutern, der eine Verbindung zu Goethe pflegte, schickte das Bild, ein Aquarell, nach der Fertigstellung zu seinem Freund nach Weimar, mit der Bitte um Begutachtung. „Dann verliert sich die Spur und lange Zeit wusste keiner, wo das Bild war“, erläuterte Becker-Dippel. Erst 1971 tauchte es wieder auf. Damals in Familienbesitz. „Das Werk hat eine Odyssee durch Europa hinter sich.“ Über Südfrankreich kam es nach Paris, nach London, schließlich in die Vereinigten Staaten. Von dort aus bot man es einer Galerie in München an. „Und die dortige Expertin erkannte sofort, dass das Bild zurück nach Willingshausen gehört“, erläuterte die Initiatorin. 44 0000 Mark sollte das Werk damals kosten - für den Verein Malerstübchen unmöglich. Baron Georg-Friedrich von Schwertzell und Helmut Geisel organisierten eine Spendenaktion und wanderten tatsächlich von Haus zu Haus. „Durch die Mithilfe der Willingshäuser Bürger und Vereine konnte das Bild schlussendlich gekauft werden“, erzählt Becker-Dippel. Hierbei handele es sich um die teuerste Anschaffung, die das Malerstübchen je tätigte. Seit 1996 werde das Werk gehegt und gepflegt. Demnächst gehe es jedoch mal wieder auf Reisen: Zu sehen sein wird das Aquarell in den kommenden Monaten in der Frankfurter „Giersch“.

johannes Peter erklärte, dass sich von Reutern 1844 mit seinem Umzug nach Frankfurt eine Grabstätte auf dem Sachsenhäuser Friedhof gekauft habe, wo er mit Frau und Kind auch beerdigt wurde. Das gotisch gestaltete Familiengrab zeige unter anderem ein Reliefbild seiner selbst. Über von Reuterns Werk wurde bei gutem Essen - passend gab es steifen Reis mit Meerrettich und Rindfleisch - noch bis in den Abend eifrig weiter geplauscht.

• Der nächste Bilderschwatz ist am 18. April.

Von Sandra Rose

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