Süßes für Schwälmer

Örtliche Kaufleute aus Schwalmstadt unterstützen Schausteller Norbert Weiher

Norbert Weiher steht in seiner provisorischen Küche. In der Hand hält er unterschiedliche Süßigkeiten.
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Produziert in seinem Winterlager gebrannte Mandeln: Norbert Weiher stellt für die örtlichen Einzelhändler süße Erinnerungen an Weihnachtsmärkte und Kirmes her.

Es ist ein Hoffnungsschimmer für Schausteller Norbert Weiher aus Schwalmstadt: Nach vielen Veranstaltungsabsagen kaufen örtliche Kaufleute bei ihm gebrannte Mandeln, um ihn zu unterstützen.

Treysa – Schon von Weitem bemerkt man den Geruch von karamellisierten Mandeln, süße Erinnerungen an Weihnachtsmärkte und Kirmes werden geweckt. Ununterbrochen tanzen die Kerne im offenen Kupferkessel und verbinden sich mit dem geschmolzenen Zucker. Mit einem großen Holzlöffel kontrolliert Norbert Weiher regelmäßig die Masse, mischt weitere Zutaten hinzu und verfeinert das Aroma. Normalerweise würde er jetzt mit seinem Stand auf den Weihnachtsmärkten sein, erklärt der 63-Jährige. Doch in diesem Jahr, in dem so vieles anders ist, brennt er die Mandeln in seinem Winterlager. „Eigentlich stehen hier nur unsere Anhänger und wir lagern unsere Geräte“, so Weiher. In diesem Jahr hat er aber den Lagerraum in eine provisorische Süßwarenküche verwandelt und bereitet fast täglich rund 25 Kilogramm gebrannte Mandeln zu.

Für den Schausteller ein wichtiges Zubrot normalerweise steht er auf rund 20 Märkten pro Jahr. Er betreibt den Süßwarenstand seiner Familie mittlerweile in der dritten Generation. „Schon mein ganzes Leben begleitet mich das Geschäft. So eine schwere Krise habe ich aber noch nicht erlebt.“ Die Situation ist existenzbedrohend. Alle laufenden Kosten müssen weiter gezahlt werden. „Das steht ja nicht still. Versicherungen zum Beispiel bekommen ja trotzdem ihr Geld“, so Weiher. Im Sommer konnte er ein paar Wochen überbrücken, indem er auf dem Sommerspaß in Kassel seine Süßwaren verkaufte. „Das war wirklich gut und hat geholfen.“

Süßes für Schwälmer: Idee stammt vom Treysaer Sportgeschäftinhaber Bernd Gundlach

Als Ende November der Treysaer Sportgeschäftinhaber Bernd Gundlach anfragte und gebrannte Mandeln orderte, keimte Hoffnung auf. „Das hat mich riesig gefreut. Das war ein wirklich schönes Zeichen der Unterstützung und es gab sehr positive Rückmeldungen durch die Kunden“, so Weiher. Die Aktion sprach sich bei weiteren Einzelhändlern in der Region rum und immer mehr Anfragen erreichten den Schausteller. Alle Wünsche konnte er aber nicht erfüllen: „Zwischenzeitlich konnte ich gar keine Ware mehr bei meinem Großhändler bekommen“, erklärt der 63-Jährige. Die Mandeln füllt er in Tütchen zu jeweils 50 Gramm ab. Auf Kundenwunsch hat er sie auch mit weiteren Süßigkeiten zu einer Weihnachtstüte kombiniert.

Doch damit ist jetzt auch erst mal Schluss: Da der Einzelhandel wegen der Coronapandemie schließen muss, fährt auch Weiher die Produktion herunter. „Ich habe noch einige Bestellungen, die mache ich noch fertig.“ Danach will er erst einmal den Kessel ruhen lassen und hofft auf Besserung im kommenden Jahr. „Die Branche hat in den Jahren viel Wandel erlebt. Notfalls müssen wir wieder improvisieren.“ (Felix Busjaeger)

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