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Weniger Adblue-Produktion - Logistiker im Schwalm-Eder-Kreis betrachten Situation mit Sorge

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Von: Matthias Haaß

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AdBlue
AdBlue: Der Harnstoff-Zusatz zur Abgasreinigung ist deutlich teurer geworden. © Swen Pförtner/dpa

Um geforderte Abgaswerte einhalten zu können, sind moderne Dieselfahrzeuge auf den Treibstoffzusatz Adblue angewiesen. Das Problem: Adblue wird durch den Gasmangel knapp.

Schwalm-Eder – Bei der Herstellung von Adblue ist Gas nicht nur als Energiequelle nötig, sondern auch Basisrohstoff – und die Beschaffung dieses Rohstoffes ist mittlerweile so teuer, dass so mancher Hersteller die Produktion gedrosselt hat.

Das ist insbesondere für die Logistikbranche fatal, denn erst in Verbindung mit der entsprechenden Technik werde die Stickoxidemissionen reduziert. Das wiederum erforderlich, um die Abgasnorm EURO VI zu erfüllen. Einfach weglassen kann man Adblue nicht, denn ohne den Zusatz gehen viele Motoren in den Notbetrieb.

Ohne Adblue kein Transport

Beim Schwalmstädter Logistiker Heidelmann erfüllt die Lkw-Flotte nach Firmenangaben die derzeit beste Abgasnorm EURO VI und daher müssen alle Lkw neben Diesel auch Adblue tanken. „Ohne regelmäßigen Nachschub an Adblue würden unsere Lkw nicht mehr fahren können und wir könnten in der Folge auch nicht mehr die Lebensmittel- und Pharmaprodukte unserer Kunden zu den Handelsempfängern transportieren“, erklärt Geschäftsführer Till Bischoff gegenüber unserer Zeitung.

Schreiben an die Regierung

Die Bedeutung des Treibstoffzusatzes ist in der Logistikbranche durchaus bemerkenswert, wie das Beispiel Heidelmann zeigt. „Der Adblue Verbrauch unseres Fuhrparks liege bei circa 550 Litern pro Tag – gut 12 000 bis 13 000 Litern pro Monat, erklärt Till Bischoff. Aktuell könne man den notwendigen Bedarf noch zu 100 Prozent decken, so Bischoff: „Viele Logistik-Verbände haben aktuell ein Schreiben an die Regierungsvertreter versendet, um auf die enorme Gefahr hinzuweisen, die ein akuter Adblue Mangel mit sich bringen würde.“

Es bleibe daher zu hoffen, dass auch die Regierung den Adblue Markt genau beobachte und aktiv werde, sollte sich die Versorgungslage weiter verschlechtern, fordert der Geschäftsführer des Schwalmstädter Unternehmens.

Lieferkette wird gefährdet

Schuld an der Situation seien die Herstellungskosten (Gaspreise), welche die Knappheit auslöst, nicht jedoch ein fehlender Rohstoff für die Herstellung an sich (mit Ausnahme einer Gasmangellage), erklärt Till Bischoff: „Dennoch bleibt die aktuelle Knappheit bereits heute eine Gefahr, die zumindest regional und temporär zu einer Verstärkung der Lieferkettenproblematik führen kann.“

Durch den Adblue-Mangel seien die Transportkosten im vergangenen halben Jahr exorbitant angestiegen. Dies liege natürlich an der Energiekrise, aber auch die Betriebs- und Hilfsstoffe haben mit Teuerungs- und Beschaffungsproblemen zu kämpfen, weiß auch Christian Drescher von CTE Logistik aus Fritzlar: „Letztendlich wird es für alle teurer: Die produzierende Wirtschaft, den Transporteur und zuletzt natürlich für den Verbraucher.“

Auch Hilfs- und Rettungskräfte könnte der Mangel betreffen

Das Adblue-Problem betrifft auch Feuerwehr und Hilfskräfte. So schreibt das Land Hessen in einer Handreichung zu einer möglichen Gasmangellage: Aufgrund der möglichen Lieferknappheit des Harnstoffs Adblue sollte dieser bei Bedarf zur Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit der Fahrzeuge bevorratet werden.

Der Hessische Städte- und Gemeindebund weißt auf seiner Homepage daraufhin, dass das Hessiche Innenministerium mitgeteilt habe, dass insbesondere Fahrzeuge für Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben – dazu zählt unter anderem auch die Feuerwehr – bereits ab Werk mit einer entsprechenden Softwareanpassung ausgeliefert werden können, sodass diese auch ohne Adblue einsatzfähig sind. Den Kommunen als Träger der Feuerwehren werde empfohlen, den entsprechenden Softwarestatus der Einsatzfahrzeuge zu überprüfen und gegebenenfalls zu ändern. (Matthias Haaß)

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