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Olberöder Wehr bleibt autark

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Von: Sandra Rose

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Starke Mannschaft: Die Feuerwehr Olberode ist, entgegen der meisten anderen Ortsteilfeuerwehren, personell gut ausgestattet, hier die Mitglieder bei einer Übung 2019.
Starke Mannschaft: Die Feuerwehr Olberode ist, entgegen der meisten anderen Ortsteilfeuerwehren, personell gut ausgestattet, hier die Mitglieder bei einer Übung 2019. © feuerwehr olberode

Olberode – Die Gemeinde Oberaula hat mit ihrem Bau des neuen Feuerwehrstützpunktes im Kernort die größte Investition vor der Brust, die je anstand: Der Neubau zwischen Oberaula und Hausen wurde im Herbst 2019 per Beschluss in der Gemeindevertretung auf den Weg gebracht.

Voraus ging dem Neubau die Idee einer Fusion aller Oberaulaer Wehren an einem zentralen Standort. Nur die Feuerwehr Olberode entschied sich letztlich gegen den Zusammenschluss – die Einsatzabteilung bleibt autark. Wehrführer Heiko Feisel erklärt, wie es dazu kam und wie die Entscheidung in der Gemeinde ankam.

„Es heißt von außen häufig nur: Ihr wollt ja nicht. Das möchten wir klarstellen, denn wir haben gute Gründe für unsere Entscheidung“, erklärt Feisel (40). Bereits in 2016 sei in Versammlungen im Zusammenhang mit der Fortschreibung des sogenannten Bedarfs- und Entwicklungsplans (BEP) für die Freiwilligen Feuerwehren seitens des Bürgermeisters und des Gemeindebrandinspektors „anmoderiert“ worden, „ob wir es uns als Wehr vorstellen können, mit anderen Wehren zusammen zu gehen“. Weil das Hessische Innenministerium einer geplanten Fahrzeugumstellung nicht zugestimmt hatte, war die Fortschreibung des BEP erforderlich geworden. Von konkreten Plänen sei damals aber noch nicht die Rede gewesen, erklärt Feisel. Seinerzeit wurde aber der Istzustand der Ortsteilfeuerwehren auf den Prüfstand gestellt. Besonders die immer dünner werdende Personaldecke bereitete Sorgen.

Offene Diskussionen gab es zu dem Thema in der Gemeinde nicht, wohl aber in den jeweiligen Einsatzabteilungen. „Wir haben immer wieder die Vor-, aber auch die Nachteile besprochen“, sagt der Olberöder Wehrführer. Vor dem Hintergrund der Personalstärke hat sich die Einsatzabteilung dann entschieden, autark zu bleiben: „Wir sind mit 20 Leuten eine starke Mannschaft und gut aufgestellt“, ist Heiko Feisel zuversichtlich.

Lage und Häuser

Auch sei das Feuerwehrhaus renoviert und in einem guten Zustand. „Das war für viele andere Ortsteilfeuerwehren ein entscheidender Grund, bei der Fusion mitzugehen – viele Häuser sind renovierungsbedürftig.“ Ein weiteres Argument der Olberöder für ihre Entscheidung ist die Entfernung zum künftigen Neubau – vier Kilometer müssten zunächst zurückgelegt werden, um vom neuen Stützpunkt dann auszurücken. „Würde es in Olberode brennen, wären wir als Ortskundige die Letzten“, gibt Feisel zu bedenken.

Die Hilfsfrist von zehn Minuten könne dann nicht eingehalten werden – das habe ihnen auch das Brandschutzamt bestätigt. Häufig sei der Ortsteil Olberode in der Vergangenheit durch die Lage auch abgeschnitten gewesen: „Beim letzten Sturmeinsatz kamen wir wegen der vielen umgestürzten Bäume an der Bundesstraße gar nicht nach Oberaula“, berichtet der Wehrführer.

Insgesamt komme die Fusion in der Bevölkerung gemischt an. Ihn ärgere es aber, dass weiter propagiert werde, dass die Olberöder schlicht „nicht mitmachen“ wollten. Auch seitens des Bürgermeisters habe es immer wieder Seitenhiebe gegeben. Dass die Olberöder künftig eher „außen vor bleiben“, dieses Risiko sehen Feisel und seine Kameraden schon.

An den Alarmierungen ändert sich aber auch in Zukunft nichts: Die Feuerwehr Olberode wird immer alarmiert, sobald ein Unfall auf der nahen Bundesstraße passiert. Feisel hofft, dass die Oberaulaer sich auch weiterhin mit ihren Feuerwehren identifizieren: „Die Fördervereine sind wichtig. Und wer keine Wehr mehr im Ort hat, dem fehlt zu unserer Arbeit vielleicht der Bezug“, sagt der 40-Jährige.

Die Kosten

Die Kosten für das Funktionsgebäude wurden 2019 auf 3,5 Mio. Euro festgesetzt. Das Land Hessen und der Kreis fördern Bau und Fusion der Einsatzabteilungen mit knapp 720 000 Euro. Fachleute rechnen vor dem Hintergrund der weltpolitischen Lage mit einer Kostensteigerung von bis zu 40 Prozent.

Entstehen soll ein modernes Funktionsgebäude, hier der Entwurf.
Entstehen soll ein modernes Funktionsgebäude, hier der Entwurf. © architekturbüro hess
Heiko Feisel Wehrführer
Heiko Feisel Wehrführer © Feuerwehr Olberode

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