Teichunglück ändert vieles

Bürgermeister zu Risiken von Gewässern und Verantwortung

Thorsten VaupelFrielendorf

Der Prozess gegen Neukirchens Bürgermeister Klemens Olbrich geht vor dem Treysaer Amtsgericht weiter.

Der Fall der ertrunkenen Kinder in Seigertshausen beschäftigt die Menschen und insbesondere die Rathauschefs im Landkreis.

Werden oder müssen Bürgermeister im Falle eines Schuldspruches Dinge verändern, Sicherheitsvorkehrungen erhöhen? Die HNA-Redaktion hat Bürgermeister dazu befragt.

Frielendorf

Thorsten VaupelFrielendorf

Sollte es zu einem Schuldspruch kommen, so hätte dies Konsequenzen für ganz Deutschland, ist Bürgermeister Thorsten Vaupel überzeugt. Er deutet auf den Silbersee, der wohl kaum einzuzäunen wäre und findet, dass nicht jede Gefahr ausschließbar ist. Zwar vermute er, dass es nicht zur Verurteilung seines Amtskollegen kommt, doch gibt es ihm zu denken, dass sich offenbar eine Vollkasko-Mentalität breitgemacht habe, die jeden Schaden und jede Gefährdung abdecken solle. Vaupel: „Man ist sich sehr bewusst über die Verantwortung im Amt, in der Haut von Klemens Olbrich möchte niemand stecken.“ Alle fühlten mit ihm und machten sich klar, dass es jedem Verwaltungschef so ergehen könnte, „für was alles man den Kopf hinhalten muss“.

Schwalmstadt

Stefan PinhardSchwalmstadt

Aufgrund des Verfahrens wurde in Michelsberg der Teich provisorisch abgeriegelt, eine feste Einfriedung folgt, berichtet Bürgermeister Stefan Pinhard, er diene zur Löschwasserreserve. Dabei sei klar: „Egal, wie sehr man es versucht – ein Risiko bleibt.“ Für gewisse Gefährdungen könne man einen Bürgermeister nicht zur Verantwortung ziehen, dazu zähle für ihn auch der Fall von Seigertshausen. Das Gewässer dort berge keine anderen Gefahren als der Schwarzenbörner Teich oder der Edersee, „die Anklage geht deutlich zu weit“. Das spiegele auch jedes Gespräch wider, „alle sind einer Meinung“.

Schrecksbach

Andreas SchultheisSchrecksbach

„Es ist ein gewaltiges Unglück, das passiert ist“, befindet Andreas Schultheis, doch dafür, dass ein Kollege deswegen auf der Anklagebank sitzt, habe niemand Verständnis. Durchgängig werde Freispruch erwartet.

In seiner Gemeinde sei die Sensibilität gewachsen, so werde dem Parlament jetzt vorgeschlagen, das Regenüberlaufbecken an der Schwalm einzuzäunen zu lassen. Zugleich werde deutlich, dass man den ganzen Fluss nicht absichern könne.

Oberaula

Klaus WagnerOberaula

Für Klaus Wagner ist allein ein vollständiger Freispruch für den Kollegen vorstellbar, „eine Verurteilung wäre eine Katastrophe für die ganze Gesellschaft“. Dann könne man nicht mehr wissen, wo beginnen, wo enden. Nicht jede Gefahr im freien Gelände sei zu bannen, eine Beschilderung müsse ausreichen. Komme es nicht zum Freispruch, stelle sich die Frage, wer noch solch ein Amt übernehmen wird.

Von Anne Quehl 

Auch Bürger bekunden ihre Solidarität für den Bürgermeister von Neukirchen. 200 Menschen versammelten sich vor dem Amtsgericht in Schwalmstadt

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