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Am Gartenzaun: Görzhainer lieben die Gemeinschaft

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Fachwerkidylle im Ortskern: Waltraud Urbanik lebt mit ihrer Familie in einem Haus am Fuße der frisch renovierten Kirche.

Ein wenig verwunschen liegt er da, der kleine Ottrauer Ortsteil Görzhain. Umgeben von Hügeln grenzt der Ort im Süden an die Landkreise Hersfeld-Rotenburg und Vogelsberg.

Idyllisch auf der einen, lebhaft auf der anderen Seite präsentiert sich die Dorfgemeinschaft. „Die Görzhainer und auch die Vereine untereinander halten zusammen. Junge und Ältere feiern und bewegen gemeinsam eine Menge“, sagt Ortsvorsteher Günter Allendorf. Deshalb ist auch klar, dass kaum ein Vereinsvorsitzender beim Rundgang durch Görzhain fehlt.

Klaus-Peter Kötter etwa ist einer von 42 aktiven Sängern im Männergesangverein – reine Männerchöre gibt es kaum noch. Doch Chorleiter Montreal Smith hält den Geist fürs Singen wach. Mit ungebrochener Begeisterung und langer Tradition: „Im Chor singen immerhin 36 Görzhainer und nur sechs Zugereiste, er besteht seit 1885“, berichtet Kötter.

Sohn Thomas Kötter engagiert sich im Bayern-Fan-Club. 120 Mitglieder zählt die Fangemeinde, regelmäßig stehen „Familienausflüge“ ins Stadion auf dem Programm. Auch im Ort sind die Mitglieder engagiert, etwa beim Streichen der Geräte auf dem Spielplatz. 15 Mitglieder gehören dem Bundesligatipp-Club an. In Bewegung sind seit 40 Jahren ebenfalls die Gymnastik-Damen: 28 Frauen kommen regelmäßig, die älteste Sportlerin, die Callanetics, Linedance, Gymnastik und Walking mitmacht, ist Gertrud Beck-Schlegel mit 82 Jahren.

Wichtiger Treffpunkt ist das Dorfgemeinschaftshaus. „Das ist unser zweites Wohnzimmer“, sagt Elke Richhardt-Bohl vom Heimatverein. 1999 gebaut soll das DGH im kommenden Jahr um einen Anbau erweitert werden, „überwiegend in Eigenleistung“. Für den kleinen Ort technisch und personell gut aufgestellt sieht Wehrführer Jürgen Schultheis die Einsatzabteilung. 62 Mitglieder hat der Verein, es gibt neun Aktive. Immer weniger Mitglieder verzeichnete in den vergangenen Jahren die Burschenschaft, sagt Maximilian Schreiber. „Seit zwei Jahren gibt es keine Kirmes mehr, das Risiko war uns einfach zu groß.“ Die Alternative, ein Oktoberfest, kam im Ort bestens an. Fortsetzung folgt.

2003 entstand, kurz vor der 700-Jahrfeier, ein Heimatverein, dem es gelang, das Backhausfest zu etablieren und eine umfangreiche Chronik herauszugeben. Er organisiert ein Mal im Jahr eine Grillfeier für das Dorf an der Görzhainer Grillhütte, aber auch Vortragsreihen, etwa zum Demografischen Wandel.

Vereint aktivierten die Görzhainer wieder ihren Dorfplatz. Wo vormals die Alte Schule stand, blieben die Sockelsteine vorhanden und rahmen heute den Sitzplatz neben dem Spielplatz stilvoll ein. Schmuck präsentiert sich auch der „Domplatz“, so liebevoll nennen die Görzhainer den kleinen Kirchplatz, im vergangenen Jahr wurde die Fassade des Gotteshauses saniert. Den Vorplatz hegen und pflegen die Gymnastikdamen.

Einen Dorfladen gibt es im Ort längst nicht mehr. „Neun Jahre hat ein Verein einen Laden betrieben, aber letztlich konnten wir die Entwicklung nicht aufhalten. Alle arbeiten umliegend und versorgen sich auf dem Weg mit Lebensmitteln“, erzählt Elke Richhardt-Bohl. Einig ist sie sich aber mit allen: „Das Wirgefühl macht Görzhain wunderbar lebenswert.“

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