Paukenschlag im Rathaus Ottrau

Bürgermeister will aufhören

Bürgermeister Norbert Miltz ist bis 2023 gewählt, möchte sein Amt aber nur noch bis 2021 ausüben. Dann soll ein ehrenamtlicher Bürgermeister übernehmen.
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Bürgermeister Norbert Miltz ist bis 2023 gewählt, möchte sein Amt aber nur noch bis 2021 ausüben. Dann soll ein ehrenamtlicher Bürgermeister übernehmen.

Die Nachricht aus dem Rathaus Ottrau gleicht einem Paukenschlag und wird für Diskussionen sorgen. Bürgermeister Norbert Miltz (63) möchte am 30. Juni 2021 nicht nur vorzeitig aufhören, sondern er schlägt auch vor, dass Amt des hauptamtlichen Bürgermeisters in ein Ehrenamt umzuwandeln.

Auf diese Weise soll die Gemeinde Geld sparen. Am Mittwoch hatte Miltz den Ältestenrat über seinen Entschluss informiert.

Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, sagt Norbert Miltz im HNA-Gespräch am Feitagvormittag: „Ich kann durchaus nachvollziehen, wenn die Politik sagt, so ein Schritt sei zu früh.“ Ausschlaggebend für seinen Entschluss und den damit verbunden weitreichenden Vorschlag sei die Entwicklung der Corona-Krise gewesen, erklärt der bis 2023 gewählte Bürgermeister und fügt nachdenklich an, dass er auf seine Gemeinde große Defizite zukommen sieht. „Ich glaube nicht, dass Kommunen wie Ottrau gut aus der Sache rauskommen werden.“

Große Belastung in den kommenden Jahren

Der Verwaltungschef rechnet in den kommenden zwei Jahren mit mindestens 350 000 Euro weniger Einnahmen. Und da bei der Einstellung eines hauptamtlichen Bürgermeisters immer Pensionsrücklagen gebildet werden müssen, werde der Fehlbetrag noch steigen, meint Miltz und sagt, dass damals, als er das Amt übernommen habe, rund 460 000 Euro Pensionsrücklagen in den Haushalt eingestellt wurden. Zusammengenommen seien das rund 800 000 Euro weniger Mittel, die der Gemeinde in den kommenden Jahren voraussichtlich zur Verfügung stehen, so Miltz: „Mit so einer Belastung liegt Ottrau auf dem Kreuz. Das ist meine Meinung. “

Hauptamt oder Ehrenamt? 

Mit der Frage Hauptamt oder Ehrenamt hätte sich die Ottrauer Politik spätestens 2023 sowieso beschäftigen müssen, betont Norbert Miltz, möchte aber nicht verschweigen, dass auch persönliche Dinge im Arbeitsalltag eines Bürgermeisters bei seiner Entscheidung eine Rolle gespielt haben: „Grundsätzlich geht es mir aber um die strategische Ausrichtung Ottraus in der Zukunft.“

Aufgrund der guten interkommunalen Zusammenarbeit und Aufgabenteilung im Gemeindeverwaltungsverband „Südlicher Knüll“ sei dieser Schritt durchaus möglich, wirbt Norbert Miltz.

Vorschlag nur für die Gemeinde Ottrau

Der Bürgermeister sieht durch solch einen Schritt auch bürgerschaftliches Engagement gestärkt. Statt drei Hauptamtlichen und drei Ehrenamtliche, würden dann im Verbandsvorstand des Gemeindeverwaltungsverbands vier ehrenamtliche Vertreter sitzen.

Rein formal ist der von Norbert Miltz vorgeschlagene Weg möglich. Gemäß der Hessischen Gemeindeordnung kann bei Gemeinden mit weniger als 5000 Einwohnern das Amt des Bürgermeisters ehrenamtlich verwaltet werden. Dazu muss die Gemeindevertretung die Hauptsatzung mit einer Zweidrittelmehrheit ändern.

Seine Idee sei keine Blaupause für Nachbarkommunen, sondern beschränke sich auf die Gemeinde Ottrau, betont Norbert Miltz.

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