Bürgermeister will Staatsanwaltschaft einschalten

Dioxin im Klärschlamm in Ottrau: Grenzwerte wurden "erheblich überschritten" 

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Belastet: Weil Klärschlamm aus der Kläranlage Görzhain/Weißenborn Dioxin enthält, darf er nicht mehr auf den Feldern verteilt werden. Unser Symbolbild zeigt einen Schwälmer Landwirt beim Gülleausbringen. 

Dioxin im Klärschlamm: Diese unerfreuliche Nachricht überbrachte jetzt der Bürgermeister von Ottrau. Er will die Staatsanwaltschaft einschalten.

„Und nun noch eine unerfreuliche Nachricht“, sagte Bürgermeister Norbert Miltz, als er die Gemeindevertreter gegen Ende einer langen Sitzung am Donnerstagabend über die Tatsache informierte, dass man Dioxin im Klärschlamm gefunden habe.

Die Untere Wasserbehörde in Homberg habe vor rund drei Wochen die Gemeinde darüber informiert, dass der Dioxin-Grenzwert der Kläranlage Görzhain/Weißenborn „erheblich über dem Grenzwert“ liege, erklärte der Bürgermeister den Gemeindevertretern.

Die Messung im Labor habe einen TE-Wert von 61 Nanogramm Dioxin pro Kilogramm ergeben, so Bürgermeister Miltz gegenüber unserer Zeitung: „Das ist doppelt so viel wie erlaubt.“ Mit dem TE-Wert (Toxizitätsäquivalent) wird die Giftwirkung dargestellt. Damit sei eine vor bereits vor einigen Monaten erfolgte Messung mit einem ähnlichen Wert bestätigt worden, sagte der Verwaltungschef. Woher das Gift stammt, ist bislang ein großes Rätsel.

Klärschlamm wird derzeit nicht zum Düngen eingesetzt

170 Kubikmeter Klärschlamm dürfen somit nicht mehr auf den heimischen Feldern rund um Ottrau ausgebracht werden und müssen nun teuer entsorgt werden. Die verstrichenen drei Wochen nutzte die Verwaltung, um Entsorgungsmöglichkeiten auszuloten. Ein Ingenieurbüro soll bei der Suche nach dem Verursacher helfen.

Zur Höhe der Entsorgungskosten könne man zum jetzigen Zeitpunkt noch keine Angaben machen, erklärte Miltz. Auch vor diesem Hintergrund hat die Suche nach dem Verursacher Priorität für die Verwaltung. „Wir werden den Verursacher in Regress nehmen. Das wird teuer“, betont der Bürgermeister.

Umweltdelikt - Bürgermeister will Staatsanwaltschaft einschalten

Auf Nachfrage der HNA, ob das Dioxin nicht ein Fall für die Staatsanwaltschaft sei, sagte der Verwaltungschef: „Bislang hat da noch niemand daran gedacht, aber es ist ja doch ein Umweltdelikt. Ich werde die Staatsanwaltschaft kontaktieren.“

Mit der Polizei hat Ottraus Bürgermeister am Freitagvormittag Kontakt aufgenommen. Kommende Woche werde der für Umweltdelikte zuständige Beamte nach Ottrau kommen, sagte Norbert Miltz.

Bis auf Weiteres läuft der Betrieb in der betroffenen Kläranlage normal weiter. Der anfallende Klärschlamm wird weiter auf dem Gelände gelagert. Seitens der Unteren Wasserbehörde habe es in dem Zusammenhang noch keine zusätzlichen Handlungsanweisungen geben, so Ottraus Bürgermeister.

Der Klärschlamm werde grundsätzlich immer nur dann ausgebracht, wenn die Lagerkapazitäten zur Neige gingen und die Proben ergeben, dass der Klärschlamm unbelastet ist.

Klärschlamm muss vermutlich verbrannt werden

Was sich jetzt an Klärschlamm im Lager befindet, stamme ausschließlich aus Görzhain und Weißenborn und sei die Ansammlung der vergangenen zwei Jahre, erklärt der Bürgermeister Norbert Miltz: „Vermutlich muss der Klärschlamm nun verbrannt werden.“

Die örtlichen Landwirte sind laut Verwaltung bereits informiert. Mit Klärschlamm als Dünger dürfen sie bis auf Weiteres nicht rechnen.

Probleme auch im Landkreis Northeim - erhöhter Cadmium-Wert in Kalefeld

Probleme mit Klärschlamm gab es im Juni 2019 auch in Kalefeld im Landkreis Northeim: Hier wurde ein erhöhter Cadmium-Wert gemessen - die Gemeinde steht vor einem Rätsel. Eine Überschreitung des Cadmium-Grenzwertes ist nach Recherchen unserer Zeitung ein bundesweites Problem, das immer wieder mal auftritt.

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