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Ist in Nordhessen ein Wolf unterwegs? „Mein Verdacht ist hier ganz klar“

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Von: Matthias Haaß

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Ein Wolf im Wildpark Knüll.
Ob ein Wolf für den Tod des Rehs bei Schorbach verantwortlich ist, lässt sich nicht mehr feststellen. Unser Archivbild zeigt einen Wolf im Wildpark Knüll. © Wildpark Knüll

Ein HNA-Leser entdeckt ein gerissenes Reh und vermutet einen Wolf in Nordhessen. Das Forstamt beschäftigt sich jedoch nicht näher mit dem Fall.

Schorbach – Ein möglicher Wolfsriss beschäftigte in den vergangenen Tagen die Menschen in Schorbach und Umgebung. Ob tatsächlich ein Wolf für den Tod eines Rehs verantwortlich ist, lässt sich jedoch nicht mehr zweifelsfrei feststellen. Die Todesursachen von Wildtieren seien vielfältig, im vorliegenden Fall lasse sich die Todesursache anhand des Fotos nicht beurteilen, erklärte Franziska Vogt, Pressesprecherin des Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie auf Anfrage.

Unser Leser Werner Pfalzgraf entdeckte das augenscheinlich gerissene Reh auf einer Wiese. Er habe den Kadaver auf einer Radtour gefunden, sagte der Olberöder der HNA: „Ich bin darauf aufmerksam geworden, weil zwei Bussarde darüber saßen und ihr Mittagsmahl nahmen. Mein Verdacht ist hier ganz klar. Das kann eigentlich nur ein Wolfsriss sein.“

Nordhessen: Forstamt in Neukirchen hat sich nicht näher mit dem Fall beschäftigt

Pfalzgraf informierte das Forstamt in Neukirchen. Daraufhin machte sich der zuständige Revierförster ein Bild. Das Forstamt habe auch einen der für den Schwalm-der-Kreis verantwortlichen Wolfsbeauftragten verständigt. Dieser habe mit ihm telefonisch Kontakt aufgenommen, erinnert sich Werner Pfalzgraf: „Leider hat er entschieden, dass er nicht zum Fundort kommt und aufgrund von übermittelten Bildern keine DNA–Proben nimmt, da wahrscheinlich in der Zwischenzeit auch andere Raubtiere sich an dem Kadaver bedient hätten und somit ein Wolfsnachweis fast unmöglich wird.“

Für ihn sei diese Entscheidung unverständlich gewesen, sagt der Olberöder und verweist dabei auf die mögliche Wolfssichtung im Bereich Schorbach und die Berichterstattung unserer Zeitung in der Sache Mitte Januar: „Ich vermute, dass wir einen Wolf haben, der hier sein Revier gefunden und besetzt hat.“ Eine Chance sei vertan worden, meint Pfalzgraf.

Wolf in Nordhessen? Wolfszentrum erklärt nicht erfolgte Beprobung

Franziska Vogt weist darauf hin, dass die nicht erfolgte Beprobung im Fall Schorbach in enger Absprache zwischen Wolfsberater und Wolfszentrum erfolgte: „Wildtierkadaver werden regelmäßig beprobt, wenn dies vielversprechend ist. Es werden daher nicht grundsätzlich alle Wildtierkadaver beprobt.“ Bei der DNA-Analyse werden Speichelreste eines möglichen Rissverursachers an einem Kadaver beprobt.

Es handelt sich um eine sogenannte Umweltprobe, deren DNA-Gehalt nicht mit Proben vergleichbar sei, die direkt vom Körper genommen werden – zum Beispiel in der Humangenetik bei Abstammungsanalysen, erklärt die Pressesprecherin: „Unter Umweltbedingungen zersetzt sich DNA schnell, zudem können Nachnutzer wie Fuchs und Wildschwein möglicherweise vorhandene Speichelreste durch Befressen entfernen.“ Auf dem Gebiet der Gemeinde Ottrau gebe es bisher keinen bestätigten Wolfsnachweis, so die Behörde abschließend. (Matthias Haaß)

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