"Vorzeigebetrieb in der Fleischrinderzucht"

Galloway-Zucht Kraft in Ottrau erhält Staatsehrenpreis

+
Ihr Herz schlägt für die Galloways: Horst und Lieselotte Kraft haben für ihre Zucht  über Grenzen hinaus eine hohe Auszeichnung bekommen, den Hessischen Staatsehrenpreis.

Im Beisein von 120 Freunden und Züchterkollegen erhielt Horst Kraft den Staatsehrenpreis, mit dem das Land Hessen Züchter für besondere, herausragende Leistungen honoriert.

Jedes Jahr hat Horst Kraft mit Jugendlichen eine Reise nach Schottland oder Irland unternommen, und schon immer waren ihm die dickfelligen, gemütlich und genügsam aussehenden schwarzen Tiere auf den Wiesen im Südwesten Schottlands aufgefallen. 1986 hielt er an und klingelte. Es öffnete ihm der Vorsitzenden der örtlichen Gallowayzüchter in der Region. Kraft beschloss, wiederzukommen, diesmal mit Viehanhänger.

Noch im selben Jahr kaufte er auf der Rinderauktion in dem 4000-Einwohner-Ort Castle Douglas zwei Tiere. Es war der Beginn einer Passion, die den gelernten Religionspädagogen bis heute nicht loslässt. „Unser erstes Bullenkalb hieß Paul“, erinnert sich Lieselotte „Lilo“ Kraft, die ihren Mann bei der Zucht unterstützt. Fortan war Kraft nicht mehr nur Jugendbildungsreferent der evangelischen Kirche, sondern auch Rinderzüchter.

Im Beisein von 120 Freunden und Züchterkollegen aus ganz Deutschland, Luxemburg und Holland erhielt der 67-Jährige jetzt in der Kulturscheune der Steinmühle Schorbach den Staatsehrenpreis. Damit honoriert das Land Hessen jährlich Züchter für besondere, herausragende Leistungen. „Wir alle brauchen Betriebe, die sich zu eigen gemacht haben, wertvolle Lebensmittel zu erzeugen“, so Anna Kaiser vom Hessischen Landwirtschaftsministerium.

Der Betrieb Bechtelsberg Galloway, benannt nach dem Standort Berfa am Bechtelsberg, kann ein lange Liste von Spitzentieren aufweisen, die bei Bundes- und Landesschauen alle anderen Tiere in den Schatten stellten.

"Animals first"

Zudem unterstützt Kraft die Nachwuchsarbeit des Züchterverbandes, war lange Jahre ehrenamtlich für die Zucht- und Besamungsunion Hessen aktiv und ist seit sechs Jahren Vorsitzender des Bundesverbands der Gallowayzüchter. Dem gehören 650 Züchter von Bayern bis Schleswig-Holstein an.

Kraft ist von der schottischen Rinderrasse überzeugt: Sie sei überaus robust, von Natur aus hornlos, habe einen guten Charakter und kann dank ihres dicken, doppelschichtigen Fells das ganze Jahr über auf der Weide bleiben. Schöne Tiere, gutes Fleisch, ideale Nutzung der Weideflächen zwischen Vogelsberg und Knüll sind das Ergebnis seiner Arbeit, seit 2010 sind die Bechtelsberg Galloway auch Bio-zertifiziert. „Sie betreiben einen Vorzeigebetrieb in der Fleischrinderzucht“, so das Lob aus dem Ministerium. Und das bis zu Krafts Ruhestand vor zwei Jahren im Nebenerwerb. „Er hat es geschafft, 30 Jugendliche zu betreuen und nebenbei noch seinen Betrieb zu führen“, sagte Dekanatsjugendreferentin Kristina Eifert anerkennend.

 Seinen Erfolg sieht Kraft, der jedes Jahr nach Schottland fährt, um auf der Auktion in Castle Douglas Tiere zu kaufen und seine Herde frisch aufzustocken, in konsequenter Hingabe zur Zucht. „Animals first“ - Tiere zuerst - sei bei ihnen ein gängiger Begriff. „Das Schönste ist für mich, wenn Leute, die bei uns ein Tier gekauft haben, damit auf Tierschauen erfolgreich sind.“

Nachdenklich wird Kraft, wenn er auf die Pläne der Landesregierung zur Ansiedlung des Wolfs zu sprechen kommt. „Ich mache mir nicht die Arbeit, damit am Ende der Wolf das Kalb frisst“, so der Züchter, und fordert wolfsfreie Zonen in Hessen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.