Eltern mit heftiger Kritik 

Klärschlamm wird zur Falle: Teich eine Gefahr für Kinder? - Warnung fehlt

Gefahr für Kinder: Teich wird für drei Freunde zur Falle
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Nach dem Ausbaggern ist der Randbereich des Kläranlangen-Teiches relativ steil und bietet wenig Halt. Dadurch wird er vor allem für jüngere Kinder zu einer Gefahr.

Eine Gefahr für Kinder?  Für drei Freunde wurde der Kläranlangen-Teich in Ottrau zur Falle. Die Eltern sehen die Verwaltung in der Pflicht.

  • Kläranlagen-Teich in Ottrau wird nach Ausbaggerung zur Gefahr
  • Für drei Kinder wird der Klärschlamm vor Ort zur Falle
  • Eltern sehen nun auch Verwaltung in der Pflicht

Ottrau - Für Johann und seine beiden Freunde Noah und Noel endete eine Erkundungstour rund um Schorbach Anfang der Woche mit einer Schrecksekunde und verschlammten Kleidern. Was war passiert: Im Auftrag der Gemeinde war vor einigen Tagen ein neben der Kläranlage befindlicher Teich ausgebaggert worden. Den nassen Schlamm schütteten die Arbeiter auf dem Gelände auf.

Wie Kinder in diesem Alter nun einmal sind, kletterten die Jungs auf den frei zugänglichen Haufen und sanken in dem Schlamm wie in einem Treibsandfeld sofort ein. Am schlimmsten traf es Johann. Er habe hüfthoch im Schlamm gesteckt, erinnert sich der Neunjährige. Nur mithilfe seiner beiden Freunde konnte sich der Junge aus Ottrau-Schorbach aus der nasskalten und klebrigen Gefahr befreien.

Wenn Spielen zur Gefahr wird - Vergebliche Suche nach Warnhinweisen 

Jetzt kritisieren Eltern die mangelhafte Absicherung des Teiches und des dort seit kurzem gelagerten Schlammhaufens. Während die Kläranlage in Schorbach komplett eingezäunt ist, ist das bei dem zur Anlage gehörigen Teich nach Angaben der Eltern nicht der Fall. 

Auch Warnhinweise oder eine andere optische Absicherung suche man vergeblich, sagen sie. Durch steile, verschlammte Wände, gebe es, im Fall eines Abrutschens in das Gewässer, für ein Kleinkind kein Entrinnen, befürchten die Eltern und sehen in dem unbefestigten Teich eine Gefahr für ihre Kinder.

Sensibilisiert durch das tragische Teichunglück in Seigertshausen und den jüngst zu Ende gegangenen Prozess in der Sache sehen die Schorbacher die Verwaltung in der Pflicht.

Teich als Gefahr für Kinder - Bürgermeister will Stelle prüfen

Der rund ein Meter tiefe Teich ist Teil der Kläranlage und befinde sich auf einem Grundstück der Gemeinde Ottrau – Betreten verboten. Kinder dürften dort überhaupt nicht spielen, betont Bürgermeister Norbert Miltz am Mittwoch (06.05.2020) im Gespräch mit der HNA und verweist auf die Aufsichtspflicht der Erziehungsberechtigten.

In dem kleinen See wird das in der Kläranlage gereinigte Wasser gesammelt, damit sich letzte Schwebstoffe absetzen können. Erst dann fließt das Wasser in den Schorbach. Der Bürgermeister bestätigte, dass der Teich zumindest stellenweise zugänglich sei und trotz Betretungsverbots ein Kind in den Teich fallen könnte. Miltz scheint die Gefahr für Leib und Leben in Bezug auf Kinder allerdings auch zu sehen, denn er kündigte an, sich die Örtlichkeiten an Kläranlage umgehend ansehen zu wollen: „Wenn es eine Lücke gibt, kommt ein Bauzaun davor.“

Der ausgebaggerte Schlamm erwies sich für (von links) Johann, Noah und Noel als gefährlicher Spielplatz. Johann versank hüfthoch im Dreck und konnte sich nur mithilfe seiner Freunde befreien.

Ausbaggern macht Teich zu einer Gefahr - war laut Miltz aber notwendig 

Das Ausbaggern der angesammelten Sedimente habe schon seit Längerem auf der Agenda gestanden, erklärt der Verwaltungschef. Im Zuge des mit dioxinähnlichen Stoffen verunreinigten Klärschlamms der Kläranlage in Görzhain habe die untere Wasserbehörde auch alle anderen Anlagen in der Gemeinde kontrolliert und die für das Ausbaggern notwendige Genehmigung erteilt.

Ein Abtransport des Schlamms unmittelbar nach den Baggerarbeiten wäre mit höheren Kosten verbunden gewesen, erklärt Norbert Miltz: „Es wäre im Grunde nur Wasser durch die Gegend gefahren worden.“

Man habe sich daher dazu entschieden, den Klärschlamm auf dem gemeindeeigenen Grundstück zu lagern und abtrocknen zu lassen, so der Bürgermeister: „Dann entscheiden wir, ob wir den Schlamm abfahren oder auf dem Gelände verteilen und einsäen.“

Von Matthias Haaß

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