Parlament schließt mit Kapitel ab

Gemeindevertreter schicken Bürgermeister Norbert Miltz aus dem Rathaus: Am 30. September ist Schluss

Norbert Miltz sitzt an seinem Schreibtisch.
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Ottraus Bürgermeister Norbert Miltz geht Ende September in den Ruhestand.

Die Tage von Norbert Miltz als Bürgermeister sind gezählt. Die Gemeindevertrung von Ottrau hat beschlossen, den Ruhestandsantrag anzunehmen.

Ottrau - Einstimmig beschlossen die Gemeindevertreter am Dienstagabend (14. Juli), den von Miltz gestellten Ruhestandsantrag anzunehmen. Überraschend: Letzter Arbeitstag von Miltz ist bereits der 30. September.

Damit sprachen sich die Gemeindevertreter gegen den von Miltz beantragten 31. Dezember aus. Eine Festlegung, die den noch amtierenden Bürgermeister überraschte. „Die Gemeindevertreter werden sich dafür wohl nach gewissenhafter Abwägung entschieden haben“, erklärte Miltz am Mittwoch gegenüber unserer Zeitung und man meinte, einen leicht ironischen Unterton zu hören.

Durch die Annahme des Ruhestandsgesuchs ist ein ursprünglich im Raum stehendes Abwahlverfahren nicht mehr notwendig. Das sei auch gar nicht so schlimm, sagte Maximilian Schreiber (SPD) und gab zu bedenken, dass eine Niederlage des Bürgermeisters keine ausgemachte Sache gewesen wäre.

Zu der in der Geschichte Ottraus, wenn nicht sogar der Region denkwürdigen Sitzung war nur eine Handvoll Zuschauer in die Mehrzweckhalle gekommen. Im Saal herrschte eine schon andächtige Stille, man hätte eine Stecknadel fallen hören können.

Parlament schickt Norbert Miltz in den Ruhestand: Einigkeit unter den Parteien

Pünktlich um 20 Uhr eröffnete Parlamentsvorsteher Reinhard Becker die Sitzung vor vierzehn anwesenden Gemeindevertretern. Norbert Miltz selber war nicht gekommen, der Bürgermeister hat Urlaub. Insgesamt stehen dem Verwaltungschef übrigens noch 66 Urlaubstage zu, wie er selber der HNA verriet.

Alle vier Fraktionen gaben jeweils eine Erklärung ab, eine kontroverse Debatte gab es zumindest am Dienstag nicht mehr. Über die Parteigrenzen hinweg herrschte Einigkeit in der Sache. Die Redner sprachen von einem Wendepunkt, einer Zäsur für die Gemeinde.

Um weiteren Schaden von ihr abzuwenden, sei die Annahme des Ruhestandsantrags der richtige Weg, sagte Marco Kropf (UWG): „Die letzten Wochen waren interessant und teilweise geprägt vom Fremdschämen für den, dem Ottrau am Herzen liegt.“ Unter Norbert Miltz seien Werte wie Offenheit, Vertrauen und Transparenz verlorengegangen, die es nun wieder zu etablieren gelte, betonte Kropf: „Ziel muss es sein, einen von allen respektierten Bürgermeister zu finden.“

SPD-Mann Schreiber betonte, dass das Verhältnis zwischen den politischen Gremien und dem Bürgermeister schon seit Langem gestört sei. „Politische Entscheidungen sollten aber nicht durch Druck und Zwang entstehen, sondern durch die Kraft der Argumente.“

Matthias Wettlaufer von der CDU sagte, dass man die Ottrauer Bürger in den kommenden Monaten stärker beteiligen müsse. Es gehe darum, gemeimsam zu „überlegen und zu diskutieren, wie es mit Ottrau weitergehen soll.“ Auch die FWG schloss sich dem allgemeinen Tenor an. Man müsse jetzt nach vorne schauen und das Thema abschließen, erklärte Markus Koch und fügte an, dass sich Bürgermeister Miltz die ganze Situation selber zuzuschreiben habe.

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