Ehrenamt oder Hauptamt

Kritik in Ottrau: Wird das Bürgermeisteramt ehrenamtlich?

Ottraus Bürgermeister Norbert Miltz möchte sein Amt 2021 zur Verfügung stellen. Eigentlich war Miltz bis 2023 gewählt.
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Ottraus Bürgermeister Norbert Miltz möchte sein Amt 2021 zur Verfügung stellen. Eigentlich war Miltz bis 2023 gewählt.

Der Rücktritt von Ottraus Bürgermeister Norbert Miltz (HNA berichtete) schlägt in der kleinen Gemeinde Wellen.

Insbesondere die von Miltz ins Spiel gebrachte Umwandlung der hauptamtlichen Bürgermeisterstelle ins Ehrenamt hat die Fraktionen offenbar kalt erwischt. Zustimmung für die Position des noch bis kommendes Jahr amtierenden Bürgermeisters gibt es nicht. Für die Ottrauer Parteien ist die Debatte verfrüht.

Trotz der Auswirkungen der Corona-Pandemie könne sich die Gemeinde weiterhin einen hauptamtlichen Verwaltungschef leisten, ist Markus Knoch von der FWG überzeugt: „Ich sehe es kritisch, dass das ein Ehrenamtlicher leisten kann.“

Man müsse sich nach der Nachricht erst einmal sammeln, erklärt Matthias Wettlaufer (CDU): „Das kam für uns unerwartet. Damit haben wir nicht gerechnet.“ Bei der Wahl 2017 war Wettlaufer gegen Norbert Miltz angetreten. Eine erneute Kandidatur schließt der CDU-Mann diesmal aus: „Gemeindevertreter möchte ich aber bleiben.“

Debatte ums Bürgermeisteramt in Ottrau

Die von Norbert Miltz zu Debatte gestellte Umwandlung des Bügermeisterstatus möchte der CDU-Mann nicht von vornherein abwürgen. Er könne sich durchaus vorstellen, dass die Ottrauer Bürger im Zug der Kommunalwahlen darüber abstimmen zu lassen, so Wettlaufer.

Inhalt einer solchen Abstimmung, sollte nicht nur die Frage Haupt- oder Ehrenamt sein, auch die Frage einer großen Lösung innerhalb des Gemeindeverwaltungsverband Südlicher Knüll – also eine Fusion – könnte nach Ansicht von Matthias Wettlaufer durchaus thematisiert werden: „Das fände ich eine demokratische Sache.“

Parlamentsvorsteher Reinhard Becker respektiert den angekündigten Rücktritt des Bürgermeisters, sieht den von Miltz gemachten Vorschlag aber kritisch. Damit habe er einem neuen Bürgermeister einen Bärendienst erwiesen, erklärt der Parlamentsvorsteher: „Für meine Begriffe ist es keine Lösung, dass der Bürgermeister ehrenamtlich arbeitet.“

Becker übt Kritik an der Vorgehensweise von Norbert Miltz und den dadurch aufgebauten Zeitdruck. Eine mögliche Umwandlung des Hauptamts in ein Ehrenamt sei ja nicht mal so einfach beschlossen, sondern müsse sich entwickeln, meint Becker: „Wenn man das möchte, dann hätte man darauf politisch hinarbeiten müssen.“

Kommunalwahl im März

Mit Blick auf die bereits im kommenden März angesetzte Kommunalwahl und eine damit möglicherweise verbundene Bürgermeisterwahl, sieht der Parlamentsvorsteher ohnehin nur noch einen geringen Spielraum: „Die Zeit ist so kurz, dass wir gar nicht mehr reagieren können.“

Maximilian Schreiber von der SPD gibt weiterhin zu bedenken, dass es für viele Menschen trotz einer Aufwandsentschädigung nicht in Frage kommt, ehrenamtlich das Bürgermeisteramt zu übernehmen: „Da muss man erst mal jemanden finden.“ Matthias Wettlaufer von der CDU sieht es entspannter und ist der Meinung, dass man die Bürgermeisterwahl nicht zwingend mit Kommunalwahl koppeln müsse.

Die Entscheidung des Bürgermeisters sein Amt vorzeitig zur Verfügung zu stellen, habe ihn ebenfalls überrascht, sagt Marco Kropf von der UWG und vermutet bei Miltz Amtsmüdigkeit. Zum jetzigen Zeitpunkt sehe er aber keine Notwendigkeit, dass Hauptamt in ein Ehrenamt zu wechseln: „Das war nicht durchdacht. Ich glaube nicht, dass das Ottrau gut tut.“ Die durch Miltz angestoßene Diskussion sei verfrüht. Langfristig muss man es aber mit Blick auf die Weiterentwicklung des Gemeindeverwaltungsverbands diskutieren, so Kropf weiter.

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