Ehepaar saniert ehemaliges Raiffeisenbank-Gebäude

Ottrauer kaufen eine Bank

Der Tresor bleibt drin: Britta und Wilfried Lippert im Tresorraum der ehemaligen Raiffeisenbank. Das Ehepaar hat das Gebäude im Januar gekauft.
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Der Tresor bleibt drin: Britta und Wilfried Lippert im Tresorraum der ehemaligen Raiffeisenbank. Das Ehepaar hat das Gebäude im Januar gekauft.

Ein gesprengter Geldautomat und die Corona-Pandemie hatten das Ende der Raiffeisenbank am Ottrauer Bahnhof beschleunigt. Seit vergangenem Jahr stand das rund 200 Quadratmeter große Gebäude leer.

Ottrau – Nun zieht in Kürze neues Leben ein. Das Ehepaar Britta und Wilfried Lippert hat das Bankgebäude gekauft. Jetzt haben die Lipperts nicht nur einen großen Tresor im Keller, sondern wohl auch einen Vincent Burek an der Wand.

Wenn man Wilfried Lippert erzählen hört, war es weniger ein Vernunftskauf, sondern vielmehr eine Bauchentscheidung, die das Ehepaar zu Bankeigentümern machte. Als er das Bankgebäude bei einem Makler entdeckte habe er gedacht „das könnt ihr doch nicht an fremde Leute verkaufen“, sagt Lippert mit einem Schmunzeln.

Das Gebäude Baujahr 1963 gehört nicht nur zu Geschichte Ottraus, sondern ist auch ein zentraler Bestandteil der Lebensgeschichte des 60-Jährigen. Vor 46 Jahren absolvierte Lippert dort seine Ausbildung zum Bankkaufmann. Bis heute ist er Raiffeisen als Arbeitnehmer treu geblieben – lediglich ein Grundstück weiter, im Baustoffmarkt am Bahnhof.

Kunst am Bau: Im Auftrag von Raiffeisen verzierte wohl der Grafiker und Maler Vincent Burek die Bank.

Zunächst versuchte Lippert die Verantwortlichen von Raiffeisen davon zu überzeugen, von dem Verkauf abzusehen. Mit durchaus guten Argumenten. Denn ein Großteil der Versorgungsinfrastruktur des gesamten Raiffeisengeländes – dazu zählen der Baustoffmarkt und die gegenüberliegende Tankstelle – hängt an dem alten Bankgebäude. Telefon, Wasser, Strom und eine Trafostation würden sich am oder im Gebäude befinden, weiß Wilfried Lippert und zeigt auf eine Trafostation: „Ich habe da ja Insiderinformationen.“ Als sich die Verantwortlichen der Bank nicht von Wilfried Lipperts Argumenten überzeugen ließen, machte der Ottrauer kurzerhand Nägel mit Köpfen und kaufte im Januar das 58 Jahre alte Gebäude zusammen mit seiner Frau Britta. „Ohne meine Frau hätte ich es nicht angegangen.“

Der Rundgang durch das noch teilweise möblierte Gebäude gleicht einer Zeitreise. Es gibt nicht nur den alten Tresor im Keller, sondern auch noch einen mit Panzerglas gesicherten Raum, wo Kunden Geld in Empfang nehmen konnten – alles strahlt den Charme der 1980er aus. Die Lipperts wollen das Gebäude zum Leben erwecken und wieder nutzen. „Mir war es wichtig, etwas für Ottrau zu tun“, betont Lippert.

Der Eingang bleibt: Im Erdgeschoss des Bankgebäudes wird ein Physiotherapeut einziehen.

Es sei zwar schwierig gewesen, in Pandemiezeiten jemanden zu finden, aber nun habe ein Psychotherapeut Interesse gezeigt, so der 60-Jährige im Gespräch. Unter dem Arbeitstitel „Physio-Zentrum-Ottrau“ möchte der Therapeut ab dem Sommer das gesamte Erdgeschoss nutzen, freut sich das Ehepaar, das in der Vermietung des alten Bankgebäudes auch eine Form der Altersvorsorge sieht. „Für die Nahversorgung der Gemeinde Ottrau ist das genau richtig“, meint der 60-Jährige.

Im Obergeschoss entstehen bis zum Frühjahr 2022 zwei Mietwohnungen. Wenn alle Umbauarbeiten erledigt sind, wird wohl nur noch ein Kunstwerk an der Außenwand an die ursprüngliche Nutzung des Hauses erinnern. Vom wem die Kunst am Bau stammt, wissen die Lipperts nicht. Nach Recherchen unserer Zeitung könnte es sich um eine Auftragsarbeit von Vincent Burek handeln. In jüngster Vergangenheit fielen Wandbilder des Ziegenhainer Künstlers (1920 - 1975) Sanierungen zum Opfer, beispielsweise an der Grundschule Ziegenhain und am Gymnasium in Treysa. (Matthias Haaß)

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