US-Army half Schützenverein

Immichenhain: Deutsch-amerikanische-Freundschaft hält seit 50 Jahren

US-Soldaten helfen 1971 in Immichenhain beim Bau des Schützenhauses. Offizier Stan Nelson bei Vermessungsarbeiten.
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US-Soldaten helfen 1971 in Immichenhain beim Bau des Schützenhauses. Offizier Stan Nelson bei Vermessungsarbeiten.

Vor 50 Jahren halfen amerikanische Soldaten in Immichenhain beim Bau des Schützenhauses. Die daraus entstandene deutsch-amerikanische Freundschaft hält bis heute.

Immichenhain. Als vor 50 Jahren amerikanische Bagger, Raupen und unzählige Armeelaster ins Dorf rollten, kamen die Soldiers in ganz friedlicher Mission. Der Vorstand des Schützenvereins hatte die Soldaten des Pioneer-Stützpunktes Wildflecken um Hilfe bei der Herrichtung eines Grundstücks für den Bau eines Clubhauses und einer Schießanlage angefragt.

„Zunächst hatten wir unsere Anfrage an die Bundeswehr gerichtet, doch wir bekamen eine Absage. Auch bei der US-Armee wurde unser Anliegen zunächst abgelehnt“, erinnern sich Georg Keil und Werner Stein. Dann jedoch erfuhr Offizier Stan Nelson vom Anliegen und sprach noch einmal mit seinem Vorgesetzten. Dieser willigte letztendlich ein und verbuchte das Vorhaben als ein Projekt zur Förderung der deutsch-amerikanischen Freundschaft.

Deutsch-amerikanische-Freundschaft: 1971 halfen Soldaten der US-Army in Immichenhain beim Bau des Schützenhauses. Die historische Aufnahme zeigt Soldaten und Immichenhainer.

US-Army kam mit schweren Pioniergerät

„Das Projekt ist voll und ganz aufgegangen. Unsere Freundschaft hält seit 50 Jahren“, schmunzelt Georg Keil, der schon in der ersten Begegnung mit Stan Nelson feststellte, dass die Chemie untereinander stimmte.

Die US-Armee rückte mit zwölf Soldaten und schwerstem Gerät, darunter auch eine Planierraupe, an. Einen genauen Projektbeginn kannten die Immichenhainer nicht, doch plötzlich waren die Soldaten im Dorf und es stellte sich die Frage, wo die Soldaten überhaupt schlafen sollten.

Schweres Gerät: Beim Bau setzten die US-Soldaten auch Planierraupen ein.

„An eine Unterbringung hatte im Vorfeld gar niemand gedacht“, so Werner Stein, der sich noch genau daran erinnern kann, dass aus dem ganzen Dorf Betten zusammengetragen wurden, um die Soldaten in der Schule unterzubringen. Stan Nelson und seine Familie fanden Unterkunft im Hause Keil und auch Werner Stein nahm eine Soldatenfamilie auf.

Dorf packte mit an

Für die umfangreichen Erdarbeiten auf dem ausgewählten Grundstück waren drei Wochen angesetzt und so sollte das Projekt während der Schulferien fertiggestellt werden. Dauerregen aber ließ die Arbeiten nur stockend vorangehen und so war schnell klar, dass die Ferien nicht ausreichen werden. So stand für die gesamte Truppe ein Umzug von der Schule in den Saal der ehemaligen Dorfgaststätte an, „jeder im Dorf packte mit an und half bei der Verpflegung der Soldaten“ Manch junge Frau aus dem Ort habe gar ein Auge auf den einen der Besucher geworfen. Feste Verbindungen seien aus der Zeit aber nicht entstanden.

Alte Bekannte: Werner Stein, Stan Nelson und Georg Keil am Schießstand.

Die Freundschaft zwischen Familie Keil und Nelson aber hielt und so wurden über all die Jahrzehnte Hochzeiten, Taufen und Geburtstage gemeinsam gefeiert. Selbst zu Beerdigungen reisten die Nelsons aus Amerika wieder nach Deutschland und ganze Alben mit Briefen und Postkarten der Freundschaft konnten beiderseits gefüllt werden. „Die Verständigung war nicht immer ganz einfach. Aber wir haben uns immer irgendwie verstanden“, so Keil. Stan Nelsons Ehefrau arbeitete bei der Armee als Deutschlehrerin und auch Nelson selbst konnte damals schon etwas Deutsch. Sein Vater war von 1959 bis 1972 in Worms stationiert und so hatte auch er schon einige Jahre vor seinem Einsatz in Immichenhain in Deutschland gelebt. (Regina Ziegler-Dörhöfer)

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