Landwirt findet Alternative

Austernpilzzucht in Ottrau produziert 300 Tonnen Pilze pro Jahr

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Produziert in seinem Betrieb in Ottrau rund 300 Tonnen Austernpilze pro Jahr: Georg Heinrich Rühl.

Ottrau. Der gelernte Landwirt Georg Heinrich Rühl hatte vor rund 30 Jahren nach einer Alternative gesucht und seinen Hof bei Bad Nauheim verpachtet.

Irgendwann sei ihm dann die Idee zu einer Austernpilzzucht gekommen. Mit den 16 ehemaligen Nato-Hallen im Wald bei Immichenhain, die zu dieser Zeit frei wurden, hat Rühl über den damaligen Bürgermeister Georg Keil auch einen Ort gefunden, wo er die Pilze produzieren kann.

Der Pilz

Der Austernpilz sei mittlerweile einer der beliebtesten Speisepilze im deutschen Raum, erzählt Rühl, und das, obwohl die Verbreitung in Europa erst relativ spät Einzug hielt.

Pilze satt: Nach vierwöchiger Lagerung sind die Austernpilze, wie hier im Bild, bereit zum Abernten.

Nach dem Ersten Weltkrieg habe es die ersten Versuche von Austernpilzzuchten in Deutschland gegeben, mit dem Ziel, die Eiweißversorgung der Bevölkerung sicherzustellen. Vor etwa 35 Jahren wurden dann intensivere Versuche unternommen, den Pilz im deutschen Raum zu züchten. Damals seien andere europäische Länder wie Ungarn und Italien führend in Sachen Austernpilzzucht gewesen. In dieser Zeit eröffnete auch Rühl seinen Betrieb.

Die Produktion

Für die Austernpilzproduktion arbeitet Rühl eng mit Firmen in Belgien, Ungarn und den Niederlanden zusammen. Von ihnen bezieht der Pilzzüchter auch das Substrat, auf dem die Pilze wachsen. Anfangs habe er das noch selbst hergestellt. Allerdings werden für die Zucht 30 bis 40 Tonnen Substrat pro Woche benötigt, sein Betrieb könne aber nur etwa 14 Tonnen produzieren.

Der Betrieb

Rühl führt seine Austernpilzzucht als Familienbetrieb, darauf legt der Pilzkenner großen Wert. Produziert wird in Biolandqualität. Neben seiner Frau Margot beschäftigt Rühl zwei feste Angestellte. Zur Abernte der Pilze stellt er zusätzlich, je nach Lage, fünf bis sieben Helfer ein.

Die Vermarktung

Die ehemaligen Nato-Versorgungsdepots: Hier werden die Pilze gezüchtet.

Rund 300 Tonnen Pilze setzt Rühl jährlich ab. Der Verkauf findet deutschlandweit statt, überwiegend in den südlichen Raum, aber auch ins benachbarte Ausland. Auch nach England und einmal sogar nach Moskau hat Rühl seine Pilze schon verkauft. Die Konkurrenz

Da es in Deutschland nur noch sehr wenige Austernpilzzuchten gäbe, komme die größte Konkurrenz aus dem Ausland, besonders aus Polen. „Wir sind 30 Prozent teurer, dafür ist die Sorte aber nicht einfach zu züchten und unsere Pilze sind auch länger haltbar“, erläutert Rühl.

Die Zucht

In den ehemaligen Nato-Hallen könnten die Pilze gut wachsen, sagt Rühl. Denn auf die Pilze habe das Wetter einen wesentlichen Einfluss. Bei hoher Luftfeuchtigkeit verdunste nämlich das Substrat, was die Produktion erschwere.

Deshalb rechnet ein Hydrometer permanent den Luftfeuchtigkeitsgehalt in den Hallen aus, um eine konstantes Wachstum der Pilze zu gewährleisten.

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