Bürgermeisterwahl in Ottrau: Jonas Korell (28) kandiert allein

„Weichen neu stellen“

Jonas Korell will Ottraus Bürgermeister werden und spricht von dauerhaften Chancen der kommunalen Selbstverwaltung.
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Jonas Korell will Ottraus Bürgermeister werden und spricht von dauerhaften Chancen der kommunalen Selbstverwaltung.

Am 14. März, wählen die Ottrauer nicht nur Gemeindeparlament, Ortsbeiräte, Kreistag und Landrat, es ist auch Bürgermeisterwahl, seit dem Rücktritt von Norbert Miltz war die Stelle vakant. Mit dem CDU-Mann Jonas Korell gibt es lediglich einen Kandidaten.

Ottrau. Wir sprachen mit Jonas Korell n über seine Pläne für Ottrau. Wird Korell gewählt, ist er mit seinen 28 Jahren einer der jüngsten Bürgermeister in Hessen.

Warum denken Sie, dass die Gemeinde Ottrau einen hauptamtlichen Bürgermeister braucht?
Weil Ottrau eine eigenständige Gemeinde ist, die Chancen nutzen und Aufgaben bewältigen muss.
Ottrau ist mit rund 2100 Einwohnern eine der kleinsten Kommunen im Kreis. Glauben Sie, dass solch kleine Gemeinden in Zukunft überlebensfähig sein werden?
Mit der richtigen Vorbereitung von künftigen Entwicklungen können wir profitieren. Ob Homeoffice, Landflucht oder Digitalisierung. Wenn wir es schaffen die Weichen so zu stellen, dass die demografische Entwicklung gestoppt oder gar umgekehrt wird, dann haben wir grundsätzlich noch dauerhafte Chancen zur kommunalen Selbstverwaltung.
Die interkommunale Zusammenarbeit im Gemeindeverwaltungsverband „Südlicher Knüll“ ist schon sehr weit vorangeschritten. Ist der nächste logische Schritt die Fusion von Neukirchen, Oberaula und Ottrau?
Nein. Deshalb nicht, weil einige Schritte davor noch nicht gemacht wurden. Zwar hat man bereits viele Aufgaben, die man gemeinsam erledigen möchte, in der Satzung niedergeschrieben. In der verwaltungsorganisatorischen Umsetzung besteht aber noch großer Nachholbedarf. Daran möchte ich mit Hochdruck arbeiten. Am Ende dieses Jahres erwarten wir zu dem Thema eine Machbarkeitsstudie. Dies wird eine Grundlage sein, um sich als Gemeinde Ottrau perspektivisch zu positionieren.
Gerade in einer kleinen Gemeinde ist der finanzielle Spielraum gering. Wo sehen Sie in Ottrau noch Gestaltungsspielraum?
Mit konsequenter Umsetzung der bisher vereinbarten interkommunalen Zusammenarbeit müssen sich bald Synergieeffekte einstellen, die spürbar sind. Und es wird darauf ankommen, Ottrau als Wohn- und Arbeitsort in den Fokus zu rücken. Es ist schön in Ottrau zu leben. Das müssen mehr Menschen erfahren. Nur so können wir dem demografischen Wandel etwas entgegensetzen.
Hat Ottrau seinen Beitrag zur Energiewende geleistet oder müssen sich die Menschen aus Ihrer Sicht mit weiteren Windkraftanlagen arrangieren?
In Sachen Windenergie im Gebiet der Gemeinde ist der Beitrag meines Erachtens ausreichend. Wir als ländliche Gemeinde, die sich von Natur, Kulturlandschaft und Lebensmittelgewinnung noch nicht so weit entfremdet hat wie viele städtische Regionen, sollten dennoch bemüht sein, im Kleinen die Energiewende weiter voranzutreiben.
Die Sanierung der Wasserversorgung wird in den kommenden Jahren ein Schwerpunkt in Ottrau sein. Wasser aus der eigenen Quelle bedeutet den Menschen viel. Wie wollen Sie die Ottrauer bei einem solchen Großprojekt mitnehmen?
Der Anfang ist gemacht. Die ersten Maßnahmen stehen in diesem Jahr an. Den Ottrauern muss regelmäßig über den Stand der Arbeiten berichtet werden. Was ist wann geplant? Was wird wie umgesetzt? Sind die Kosten im Plan?
Gerade in kleinen Gemeinden ist das Ehrenamt eine wichtige Stütze. Vielerorts bröckelt aber das Engagement. In einigen Kommunen gehen junge Bürgermeister mit gutem Beispiel voran und machen unter anderem aktiv in der Feuerwehr mit. Ist das auch eine Option für Sie?
Ja.
Wie möchten Sie Ottrau für junge Menschen attraktiver machen?
Durch andere junge Familien, die bereits hier sind und immer mehr werden. Diese brauchen dann eine gute digitale Infrastruktur, abwechslungsreiche Freizeitangebote und Wohnraum. Eine Kita, ein Schwimmbad und eine Grundschule haben wir bereits. Die Ausgangslage ist gut.
Ottrau hat landschaftlich einiges zu bieten. Wie könnte das Potenzial touristisch besser genutzt werden?
Indem konkret Wanderwege und Mountainbiketouren ausgewiesen werden. Stellplätze für durchreisende Camper können ein Weg sein. Auch Bildungsangebote mit Erlebnischarakter für Kultur und Geschichte kann ich mir gut vorstellen.
Die Corona-Pandemie hat vielfältige Auswirkungen auf unser öffentliches Leben. Welche Lehren oder Konsequenzen sollte die Gemeinde Ottrau aus der Krise ziehen?
Dass man Baustellen im eigentlichen und übertragenden Sinne angeht und nicht liegen lässt. Auch wenn es unbequem ist.

Zur Person:

Jonas Korell ist 28 Jahre alt und stammt aus dem Neukirchener Ortsteil Wincherode. Der Diplom-Finanzwirt arbeitet bei der Hessischen Finanzverwaltung. Durch den Fußball fühlt er sich schon seit Jahren der Gemeinde Ottrau verbunden. 

Von Matthias Haass

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