Verwunschene Orte in der Schwalm

Ottrau: Zuerst Steinbruch, jetzt See

Zwischenstopp am Sebbelsee: Ehepaar Carina und Klaus Götze aus Niederaula machten bei einem Motorradausflug einen Abstecher nach Ottrau.
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Zwischenstopp am Sebbelsee: Ehepaar Carina und Klaus Götze aus Niederaula machten bei einem Motorradausflug einen Abstecher nach Ottrau.

Kultur- und Geschichtsvereine erinnern mitunter an verwunschene oder auch magische Stätten in der Region. Dazu zählt auch der Sebbelsee bei Ottrau.

Ottrau – Eine Idylle wie gemalt offenbart sich dem Besucher des Sebbelsees. Nicht weit von Ottrau, versteckt in einem Waldstück, lädt dieser herrliche Waldsee zum Verweilen, Entspannen und Träumen ein.

Der Sebbelsee entstand durch einen aufgelassenen Basaltsteinbruch im vergangenen Jahrhundert im Gipfelbereich der Anhöhe Sebbel (333 Meter) und ist heute von einem dichten Baumbestand umgeben.

Ottrau ist eine der ältesten Siedlungen Hessens

Ottrau ist eine der ältesten Siedlungen Hessens. Die Ersterwähnung des Ortes „Ottraha“ (in seiner ursprünglichen Bedeutung: Otterwasser) datiert aus einer – allerdings wohl erst später als Fälschung entstandenen – Urkunde Karls des Großen aus dem Jahr 782. Nichtsdestotrotz besaß das von Lullus (Gehilfe des Bonifatius) gegründete Kloster Hersfeld wahrscheinlich schon vor dem Jahr 775 Grundherrschaft über Bauern auf dem heutigen Gemeindegebiet. Erste Siedlungsspuren aus einem Hünengrab im Kammermannsgrund bei Ottrau stammen aus der Bronzezeit (etwa 2000 bis 1000 vor Christus). Auch ist es sehr wahrscheinlich, dass um oder vor Christi Geburt der germanische Volksstamm der Chatten nach Vertreibung der Kelten dort siedelte. Im Mittelalter war Ottrau einer der neun Erzpriesterbezirke des Hessengaues und so von überregionaler Bedeutung. zua

Quelle: Die Chroniken von Ottrau und Kleinropperhausen, Wilhelm Wagner, Ottrau, 1914; 2. Neuauflage, Harald Mai, Ottrau, 2017.

Name mit altdeutscher Bedeutung

Der Name des Ortes geht womöglich auf das altdeutsche „Sibile“ zurück und bezeichnete eine Gerichtsstätte der damals Wichtigen, zu der neun chattische Hundertschaften gehörenden Siedlung Ottrau. Andere Quellen schreiben die Herkunft einem ehemaligen Besitzer namens Sigbald zu oder leiten ihn von dem germanischen Wort Sibyllen (Seherinnen) ab.

Der Steinbruch wurde ursprünglich beim Bau der Knüllwaldbahn von Treysa nach Bad Hersfeld im Jahr 1904 durch die Firma Dolorit Basalt AG in Betrieb genommen, aber schon 1936 nach Ausbeutung der Vorkommen wieder geschlossen und der Natur überlassen. Über einen Rundweg ist er für Wanderer zugänglich und eröffnet so die unterschiedlichsten Blickwinkel auf das Farben- und Formenspiel der Natur.

Abenteuerspielplatz für Kinder

Wer gut zu Fuß ist und das richtige Schuhwerk trägt, kann über die schmalen Pfade am kleinen See entlang die Ruhe und die sich im Wasser spiegelnden Bäume und Pflanzen genießen. Bei Kindern wecken die Steinformationen und kleinen inselartigen Vorsprünge durchaus die Abenteuerlust. Ins bis zu vier Meter tiefe, frische Nass eintauchen und baden ist allerdings verboten. Ebenso das Angeln – der See wird als Vereinsgewässer des Angelvereins Petri Heil Olberode genutzt. Eine kleine Schutzhütte am Rande des Sees bietet Sitzplätze zum Verweilen und Raum für ein Picknick.

Von einem kleinen Parkplatz an der Landesstraße zwischen Kleinropperhausen und Ottrau-Bahnhof erreicht man das Gewässer in wenigen Gehminuten. Für Radler bietet sich ein Abstecher vom nahe gelegenen Bahnradweg an. Ein Rundwanderweg führt von Ottrau aus entlang der Otter zur Grenff und biegt an der Steinmühle Schorbach in Richtung Parkplatz ab.

Ausflugstipps:

Steinmühle Schorbach: Technik aus vergangener Zeit, die noch heute fasziniert, kann dort bei der Müllerfamilie Kurz besichtigt werden.

Kloster Immichenhain: Gegründet 1173 als Prämonstratenser Kloster und seit 1814 Hessische Staatsdomäne mit einer geschichtlich interessanten Klosterkirche.

Kirche in Ottrau: mit einer Historie, die bis ins 8. Jahrhundert zurückreicht und sich heute als spätromanische Anlage präsentiert.

Bonifatiuseichen: auf der Bonifatiuswies am Sebbelwald als Nachpflanzung einer sagenumwobenen Eiche, an der Bonifatius der Legende nach um 730 während seiner frühchristlichen Missionierung der Region auch in Ottrau gepredigt haben soll.

Von Ute-Anemone Lorenz

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