Johannes Euler war 15 Jahre lang Bürgermeister

Ottraus erster Chef wird heute 90 Jahre

Liest noch immer viel und gern: Altbürgermeister Johannes Euler an seinem Schreibtisch. Foto: Haaß

Ottrau. Am heutigen Montag feiert Ottraus Altbürgermeister Johannes Euler seinen 90. Geburtstag. Leid, Not und Krieg aber auch Frieden, Wiederaufbau und Wohlstand haben Ottraus ersten hauptamtlichen Bürgermeister geprägt. Mit der Gelassenheit des Alters sieht der rüstige Jubilar ganz besonders auf seine Jahre als Gemeindeoberhaupt zufrieden zurück: „Ich habe es nie bereut, Bürgermeister zu sein.“

Am 2. März 1925 kam Euler in Schorbach zur Welt, dort verbrachte er seine Kinder- und Jugendjahre. Nach einer Ausbildung zum Verwaltungsangestellten beim Landkreis Ziegenhain musste er wie so viele Männer seiner Generation in den Krieg ziehen.

Im Thüringischen Meinigen wurde der 19-Jährige zum Panzergrenadier ausgebildet. Als Fahrer eines Sturmgeschützes in der sogenannten Windhund-Division kämpfte er im Sommer 1944 bei der Invasion der Alliierten Streitkräfte in der Normandie an einem der Brennpunkte des Zweiten Weltkriegs. „Am 20. August 1944 bin ich in Kriegsgefangenschaft geraten und damit war der Krieg für mich eigentlich vorbei. Nach Haus gekommen bin ich aber erst 1947.“

Der Liebe wegen zog es den Schorbacher 1951 nach Ottrau. Mit seiner vor drei Jahren verstorbenen Frau Anna lebte er mehr als 60 Jahre in dem liebevoll eingerichteten Haus mitten im Ortskern direkt neben der Schule, dem heutigen Rathaus.

Landrat Pfuhl motivierte

Als Mitarbeiter im Rechnungsprüfungsamt des Landkreises Ziegenhain stieg Johannes Euler bis zum stellvertretenden Abteilungsleiter auf. Den täglichen Arbeitsweg bewältigte er zunächst mit einem Motorrad. Später folgten ein VW-Käfer und ein Ford. Als im Zuge der hessischen Gebietsreform die Großgemeinde Ottrau entstand, kandidierte Euler bei der ersten Bürgermeisterwahl. „Der alte Ziegenhainer Landrat Pfuhl hat mir damals zugeredet und mich motiviert“, erzählt der Ottrauer schmunzelnd.

Spannende Anfangsjahre

Am 15. Dezember 1972 wurde der Freie Wähler von den Ottrauern erstmals zum Bürgermeister gewählt, er führte die Amtsgeschäfte bis 1987. Während seiner Zeit als Chef der Verwaltung oblag es Euler, aus dem durch die Gebietsreform erzwungenen anonymen Konstrukt eine Gemeinde zu formen. „Wir haben damals zunächst die Infrastruktur in den Ortsteilen in Ordnung gebracht. Straßenbeleuchtung, Sportplätze, Dorfgemeinschafts- und Feuerwehrhäuser sowie den Kindergarten im Kernort gebaut“, erzählt Ottraus erstes Gemeindeoberhaupt von den Anfangsjahren.

Aus gesundheitlichen Gründen musste Johannes Euler das Amt des Bürgermeisters 1987 niederlegen. Bis heute interessiert sich der Altbürgermeister für jedwede Literatur und das tagespolitische Geschehen. „Er liest die Zeitung vom ersten bis zum letzten Buchstaben“, sagt seine Tochter Renate.

Heute wird im Familienkreis - darunter zwei Töchter, vier Enkel und vier Urenkel - gefeiert. Am Samstag gibt es dann im Gasthof Pietsch noch ein großes Fest.

Von Matthias Haaß

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