„Lebe weiterhin mein Leben“

Parkinson: Diese Anzeichen sind Hinweise – und was als Therapie hilft

Wichtiger Teil für die Diagnose einer Parkinson-Erkrankung: Eine MRT-Untersuchung (Symbolbild).
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Wichtiger Teil für die Diagnose einer Parkinson-Erkrankung: Eine MRT-Untersuchung (Symbolbild).

Ein Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis bekam die Diagnose Parkinson. Sein Leben hat sich seitdem erheblich verändert. Wie verhält sich die Krankheit? 

Treysa – „Irgendwas stimmte beim Gehen nicht, das ist mir auf einmal aufgefallen“, sagt Susanne S. Ihr Mann Norbert war 59 Jahre alt, Prokurist bei einem mittelständigen Unternehmen, aktiv, viel in der Natur unterwegs. „Norbert beugte den Oberkörper so weit nach vorne, dass ich Angst hatte, er würde hinfallen. Er selbst nahm das aber gar nicht so wahr.“ An Parkinson dachten sie und ihr Mann beide nicht, eher an Rückenprobleme.

„Mir taten oft die Beine weh. Ich hatte fast ständig Nacken- und Schulterschmerzen, habe das aber nicht so ernst genommen“, sagt Norbert S. Heute wissen beide, dass das typische Zeichen für Parkinson sein können. Und typisch ist auch, dass zuerst Angehörige merken, dass etwas nicht stimmt.

„Auf Parkinson kommen die wenigsten“ - Wie äußert sich die Krankheit?

„Die Parkinson-Krankheit verläuft zwar fortschreitend, aber meistens auch schleichend. Die meisten Betroffenen nehmen die ersten Symptome im Alter von über 50 wahr und halten sie für Alterserscheinungen“, sagt Dr. Bernd Schade, Neurologe und Chefarzt der Hephata-Klinik in Treysa. „Auf Parkinson kommen die wenigsten, weil das viele Menschen mit zitternden Händen und Beinen verbinden. Das können Zeichen sein, oft stehen zu Beginn aber unspezifische Symptome im Vordergrund, wie Schulter- und Rückenschmerzen, ein vornübergebeugter Gang, ein kleinschrittiges Gangbild, Schlafstörungen oder auch Geschmacks- und Geruchssinnprobleme.“

Das führt dazu, dass die meisten Betroffenen die richtige Diagnose im Schnitt erst nach fünf Jahren erhalten. Bei Norbert S. ging das schneller. Seine Frau bestand darauf, dass er zum Hausarzt ging, der überwies ihn an die Hephata-Klinik als Fachklinik für Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie. Hier wurde die Parkinson Erkrankung anhand der Symptomatik und einer MRT-Untersuchung zum Ausschluss anderer Ursachen festgestellt. Und hier betreut ihn seitdem ein Team aus Fachärzten, Pflegern und Therapeuten.

Mann bekommt Parkinson-Diagnose: So lebt es sich mit der Krankheit

„Ich war zuerst geschockt. Ich dachte, das ist das Ende. Für mich war klar, dass ich die Kontrolle über meinen Körper und meinen Geist verlieren und nicht mehr lange leben würde“, sagt Norbert S. Bei ihm sind es jetzt schon 15 Jahre, auch wenn die Einschränkungen stärker geworden sind: Der 74-Jährige benötigt mittlerweile einen Rollator, für längere Strecken einen Rollstuhl. Er kann nur noch schlecht Treppen steigen, seine Gesichtsmimik und Feinmotorik haben nachgelassen. Sitzt er am Tisch, zittert sein rechter Arm deutlich, der linke ein wenig.

Aber: Er lebt nach wie vor mit seiner Frau zu Hause. Er kann alleine essen, sich pflegen und anziehen. Er ist politisch interessiert und verbringt viel Zeit mit seinen Enkeln – auch, wenn es dafür deutlich mehr Zeit und Kraft braucht als früher. „Ich muss diese Einschränkungen hinnehmen, aber ich lebe mein Leben.“ Einmal pro Quartal kommt Norbert S. zur ambulanten Kontrolle in das Neurologie-MVZ-Hephata. „Leider hat die Corona-Pandemie auch hier ihre Spuren hinterlassen. Wenn meine Tür aufgeht, kann ich sagen, ob Patienten Physiotherapie bekommen haben oder nicht.

Zu viele nehmen zurzeit aus Angst vor Corona leider überhaupt keine Therapie- oder Kontrolltermine wahr“, sagt Schade. Norbert S. wird in Kürze vorübergehend stationär in der Hephata-Klinik aufgenommen und medikamentös neu eingestellt: „Mein Ziel ist es, mir noch möglichst lange viel Selbstständigkeit zu bewahren.“ (Sylke Grede)

Parkinson: Das ist die Krankheit

Männer sind häufiger betroffen

Parkinson ist eine chronische und fortschreitende Krankheit. Dabei sterben in einem Teil des Gehirns Nervenzellen ab, die Dopamin produzieren. Parkinson ist laut Bundesministerium für Bildung und Forschung nach der Alzheimer-Erkrankung die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung des Gehirns. Dabei sind Männer häufiger betroffen als Frauen. Weltweit gab es im Jahr 2016 rund sechs Millionen Parkinson-Patienten, in Deutschland sind es nach aktuellen Schätzungen 400 000 Menschen. Zehn Prozent davon bekommen die Diagnose vor dem 50. Geburtstag gestellt, die meisten jenseits der 60. Die Krankheit ist nicht heilbar, der Verlauf kann jedoch mit Medikamenten und anderen Therapien verlangsamt werden.

Erstmals beschrieb der englische Arzt James Parkinson die Krankheit vor gut 200 Jahren. An seinem Geburtstag, dem 11. April, wird der Welt-Parkinson-Tag veranstaltet, um die breite Öffentlichkeit für die Krankheit zu sensibilisieren.

Eine renommierte Parkinson-Expertin stammt aus Kassel und gehört zu den meistzitiertesten Wissenschaftlern der Welt. Aus dem Landkreis Kassel wurde einem dreijährigen Mädchen eine äußerst seltene Krankheit diagnostiziert.

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