HNA-Interview: Ingeborg Schuster begann vor 20 Jahren mit Diabetes-Schulungen

Patienten werden jünger

Ingeborg Schuster: Seit ihren beruflichen Anfängen vor 45 Jahren hat sich in der Beratung für Diabetiker viel geändert. Foto: Rose

Obergrenzebach. Die Häufigkeit der Diabeteserkrankungen nimmt weltweit zu: Auch in Deutschland sind aktuell etwa sechs Millionen Menschen erkrankt - mehr als neun Prozent der erwachsenen Bevölkerung. 90 Prozent der Betroffenen leiden an Typ-2-Diabetes, nur etwa fünf Prozent haben Typ-1-Diabetes. Jeden Tag erkranken mehr als 700 Menschen neu an Typ-2.

„Die Dunkelziffer ist hoch. Jeder Fünfte weiß noch nicht von seiner Erkrankung“, sagt Diabetes-Beraterin Ingeborg Schuster. Die Obergrenzebacherin ist seit mehr als 30 Jahren in der Diabetes-Behandlung tätig.

Zu Beginn ihrer 45 Dienstjahre lernte Schuster den Beruf der Diätassistentin, sie qualifizierte sich stetig weiter. Vor 20 Jahren begann sie am Asklepios-Klinikum in Ziegenhain mit Schulungen für Menschen mit Diabetes.

Jetzt geht die 63-Jährige in Rente. Der Klinik bleibt sie aber noch stundenweise als Beraterin erhalten.

Wir haben mit Ingeborg Schuster über die Krankheit, „die nicht weh tut“, gesprochen.

Frau Schuster, was hat sich in der Ernährungsberatung für Diabetes-Patienten in den vergangenen 30 Jahren verändert?

Ingeborg Schuster: Der Wegfall der diätetischen Lebensmittel war wohl die größte Veränderung. Früher ging es schlicht darum, was ist verboten und was erlaubt. Heute schaut man danach, was der Mensch braucht. Man kann alles essen, was man will, wenn man weiß, was man tut und die Menge stimmt. Auf Verpackungen gibt es heute nicht mehr den Zusatz „für Diabetiker geeignet“, wir vermitteln den Patienten die Grundsätze einer gesunden Ernährung.

Wie erklären Sie den hohen Anteil der an Typ-2-Erkrankten?

Schuster: Dem großen Anteil der Neuerkrankungen geht Übergewicht voraus - mit zunehmender Tendenz und immer höherer Dunkelziffer. Stark beeinflusst wird Diabetes vom Lebenswandel, von Fast Food, süßen Getränken, wenig Bewegung. Mit der richtigen Ernährung, genügend Bewegung und Gewichtsabnahme kann man die Blutzuckerwerte positiv beeinflussen.

Worauf kommt es bei der Behandlung besonders an?

Schuster: Das Insulin kann sich ungünstig auf das Gewicht des Patienten auswirken. Das kann der Typ-2-Erkrankte deshalb durch mehr Bewegung ausgleichen. Dadurch wird er zudem beweglicher und das Fett wird abgebaut und mehr Muskeln aufgebaut. Gefährlich ist vor allem das Bauchfett. Deshalb wird bei Erkrankten auch der Taillenumfang gemessen. Frauen sollten unter 88 Zentimetern, Männer unter 102 Zentimetern bleiben.

Welche Folgeerkrankungen können bei Diabetes auftreten?

Schuster: Als Folge des Diabetes können Herzinfarkte und Schlaganfälle häufiger auftreten. Bleibt Diabetes unerkannt oder wird zu spät erkannt, können auch die Augen beeinträchtigt werden. An den Füßen zeigen sich Druckstellen und im Verlauf Wunden, die schlecht abheilen. Aber auch Nieren und Nerven können langfristig geschädigt werden.

Welches Durchschnittsalter hat der Typ-2-Erkrankte?

Schuster: Die Patienten mit Typ-2 werden hierzulande immer jünger. Noch deutlicher steigt die Erkrankungsrate in den USA an. Früher nannte man diesen Typ verharmlosend „Altersdiabetes“. Doch die Zahl junger übergewichtiger Patienten steigt ständig an. Natürlich ist es nicht leicht, Gewohnheiten zu verändern. Aber nur wer umfassend informiert ist, kann auf lange Sicht etwas gegen Diabetes tun. TERMIN

Von Sandra Rose

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