Medienrummel in Mengsberg – Ärzte sehen keine Gefahr – Sporen sehr verbreitet

Der Pilz bleibt ein Rätsel

Fragen über Fragen: Blick in die Zuhörerschaft am Donnerstag im evangelischen Gemeindehaus Mengsberg. Über gut eineinhalb Stunden ging es um die Infektion mit Katzenpilz, aber auch die kritisierte Art und Weise, wie der Landkreis Marburg-Biedenkopf zunächst mit den Sorgen der Grundschuleltern umgegangen war. Fotos:  Quehl

Mengsberg. Eine Lawine von Reaktionen haben drei Fälle von Katzenpilz in Mengsberg und Momberg ausgelöst: Ein infizierter Grundschüler von dort war im Spätherbst behandelt worden, eine Lehrkraft und ein Schüler sind gegenwärtig in Behandlung, weil sie von „Mikrosporum canis“ befallen sind – so der Fachbegriff für den parasitisch auf der Haut von Säugetieren und eben auch dem Menschen vorkommenden Pilz (HNA berichtete).

Eltern platzte der Kragen

Eine diese Woche eilig vom Landkreis Marburg-Biedenkopf einberufene Informationsveranstaltung am Donnerstagabend in Mengsberg brachte die Dimensionen des Falls zutage. Eltern berichteten davon, dass ihre besorgten Anfragen beim Kreis ins Leere gelaufen oder abgewimmelt worden seien. Am Sonntagabend fand man sich dann zu einer Elternversammlung zusammen, es wurde einstimmig beschlossen, die Angelegenheit an die Öffentlichkeit zu bringen, um wirksam Druck zu machen.

Der Kreis verbreitete daraufhin am Mittwoch die Nachricht, die Schulgebäude und die Halle desinfizieren zu lassen, am gestrigen Freitag fiel daher die Schule aus.

Reporter aufdringlich

Diese Pressemitteilung aus Marburg stieß dann deutschlandweit auf enormes Medieninteresse, das die Menschen vor Ort am Donnerstag auf beklemmende Weise zu spüren bekamen. Ein TV-Reporter soll dreist auf dem Schulhof Kinder befragt und verängstigt haben, Medienvertreter putzten Klinken auf der Suche nach einer vermeintlichen Sensation, Lehrer wurden von Anrufern behelligt, Magazine und Sender im ganzen Land berichteten.

Familie schützen

Entschieden vermieden werden sollte allerdings, dass die Familie des zuerst erkrankten Kindes geächtet werden könnte, darüber waren sich Eltern, Mediziner und Vize-Landrat einig. Auch die Mutter war erkrankt. Amtstierarzt Helm berichtete, dass auch die sechs Katzen in dem betreffenden Haushalt erfolgreich behandelt wurden und dass es an der Haltung der Tiere nichts auszusetzen gebe.

Der Pilz ist überall

Vermutlich ein Rätsel bleibt es nach den langen Ausführungen der Experten, wie es zu den Fällen von Mengsberg wirklich kam – und wie es jetzt weitergeht. Die Sporen des Katzenpilzes sind überall verbreitet, es handelt sich um den häufigsten Hautpilz bei Säugetieren weltweit. Die Wisch-Desinfektion der Schulräume, so klang es durch, dient vor allem der Beruhigung der aufgebrachten Eltern, eine Art Ersatzhandlung: Keimfreiheit jedenfalls ist nicht herstellbar.

Auf jeden Fall ruderten die Verantwortlichen durchaus zurück, was die Verständigung mit den Eltern angeht, Worte der Entschuldigung und des Werbens um Verständnis fielen.

Ansturm auf die Praxen?

Die Eltern gingen mit einem doppelseitigen Merkblatt nach Hause, Elternvertreter Tobias Streckhardt zeigte sich soweit zufrieden.

Ob auch der Mengsberger Katzenpilz damit verschwindet, wird sich erweisen. Zunächst müssen sich die Haut- und Tierarztpraxen der Region auf einen Ansturm gefasst machen, denn die Verunsicherung ist noch immer groß.

Die Kreisverwaltung hat die Ärzte informiert, damit Verdachtsfälle rasch ausgeräumt beziehungsweise Behandlungen eingeleitet werden können.

Von Anne Quehl

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