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Kunstprojekt: Am Samstag erobern Plastikwesen Treysa

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Die Futurnautinnen und Albert Frühstück stehen an ihrem mehrere meterlangen Wertstoffteppich.
Die Futurnautinnen Anne Dekker und Lea Spahn (von links) sowie Albert Frühstück vom Künstlerkollektiv kurg.huhu auf ihrem Wertstoffteppich. © Philipp Knoch

Seit dem 20. Oktober haben die Futurnautinnen in Treysa eine Upcycling-Werkstatt eröffnet. Zum Ende des Projektes erfolgt am Samstag ihre Performance „Raumfüller“.

Treysa – Am Samstag werden sich Plastikwesen durch Treysa bewegen. Das Künstlerinnenduo Anne Dekker und Lea Spahn, die sich Futurnautinnen nennen, basteln zusammen mit dem österreichischen Künstlerkollektiv kurg.huhu die Plastikkostüme. Um 12 Uhr starten die Künstler ihre Performance „Raumfüller“ in der Bahnhofstraße 9. Sie wollen auf die 38 Kilogramm Plastikmüll aufmerksam machen, die in Deutschland pro Kopf anfallen.

„Viel Plastikmüll aus Deutschland wird in Länder wie die Türkei oder Malaysia exportiert. Wir wollen die Frage stellen: Was machen wir mit dem Plastikmüll, wenn es einen Exportstopp gäbe?“, erläutert Spahn die Motivation hinter dem Projekt.

Jeden Tag würde mit Plastikmüll wertvolles Erdöl wegwerfen, aus Sicht der Futurnautinnen in Zeiten der Energie- und Rohstoffkrise absurd. Recycling sei aber teurer als die Neuproduktion. Zudem zersetze sich Plastik nicht, es bleibt somit über Generationen in der Umwelt.

Werkstatt soll Problem erfahrbar machen

„Damit erzählen wir nichts Neues. Wir wollen das Problem mit dem Plastikmüll erfahrbarer machen und zu Diskussionen anregen“, berichtet Dekker. Ihre offene Upcycling-Werkstatt in einem Bekleidungsgeschäft in der oberen Bahnhofstraße verstehen sie als Forschungs- und Lernraum. Hier habe man erst verstanden, wie vielfältig Plastik als Werkstoff sei.

Zudem wollen die Futurnautinnen in ihrer Werkstatt mit den Menschen ins Gespräch kommen. Schließlich könne man die Zukunft nur gemeinsam gestalten. Sie seien in Schwalmstadt mit offenen Armen empfangen worden und hätten schon viele Beziehungen zu örtlichen Vereinen und der Verwaltung knüpfen können. Sie sind in den Augen von Dekker und Spahn Verbündete bei der Gestaltung der Zukunft.

Performance am Samstag

Aus Plastikmüll von Gewerbetreibenden aus der Region basteln die Futurnautinnen mit dem Künstlerkollektiv kurg.huhu Plastikkostüme in ihrer Upcycling-Werkstatt. In ihnen werden die Künstler am Samstag performen.

„Die Plastikwesen besitzen ihre eigene Ästhetik, als ob der Müll lebendig geworden wäre“, erzählt Albert Frühstück vom österreichischen Künstlerkollektiv kurg.huhu. „Wir haben die Plastikwesen nicht so sehr nach einem festen Plan gebaut. Es ging eher darum, was für Materialien und Farben wir haben und wie man sie kombinieren kann.“

Das Plastikwesen im Foto ähnelt dem Michelin Männchen. Ein Gesicht ist nicht erkennbar.
Eines der Plastikwesen bei der Kostümprobe in der Bahnhofstraße. © Privat

Einzig, dass man den Plastikwesen einen roten Schnatz in Anlehnung an die Schwälmer Tracht geben wollte, sei vorher geplant gewesen. „Natürlich sorgen die Kostüme im ersten Moment für Irritation, wir wollen eben Aufmerksamkeit für die Plastikmüllprobleme schaffen“, ergänzt Dekker

15 Prozent des Plastikmülls kommt aus Bekleidungsindustrie

Den Futurnautinnen sei es zu wenig, Nachhaltigkeit nur zu thematisieren. Sie wollen sie auch leben. So kaufen sie nur Second Hand und versuchen, sich so viel wie möglich zu leihen oder zu tauschen. Dass ihre Umcycling-Werkstatt ein einem Bekleidungsgeschäft ist, ist für sie ein willkommener Widerspruch. „Wir wissen, dass die Bekleidungsindustrie für 15 Prozent des weltweiten Plastikmülls verantwortlich ist. Umso schöner ist es, dass wir hier auf den Plastikmüll aufmerksam machen können. Vielleicht ist das der Widerspruch, den wir in bei einer Thematik mit komplexen Zusammenhängen wie dem Plastikmüll brauchen“, schmunzelt Dekker.

Die mit Raumfüller betitelten Plastikwesen sind nur ein Teil des Projekts „1,5 Grad oder die Verwandlung der Welt“. Die Futurnautinnen wollen sich künstlerisch mit Zukunftsvisionen für Schwalmstadt beschäftigen. Im nächsten Jahr wollen sie ein Teil bestehender Feste sein, wie zum Beispiel der Salatkirmes. (Philipp Knoch)

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