In der Neukirchener Innenstadt wurde der neue Landvermesserplatz eingeweiht

Platz würdigt uralten Beruf

Einweihung Landvermesserplatz Neukirchen Landvermessungsgerät Theodolit von 1890

Neukirchen. In Karl-May-Filmen sind sie oft als korrekt angezogene Herren zu sehen, die mit unterschiedlichen Geräten hantieren und sich weder um die Kämpfe mit Indianern kümmern noch von anderen Widrigkeiten davon abhalten lassen, eine möglichst gerade Linie für die zu errichtende Eisenbahn von Ost nach West festzulegen.

Der Landvermesser ist eine beliebte, oft skurril gezeichnete Figur in Western. Im wahren Leben jedoch bilden die Daten, die ein Landvermesser ermittelt, die Grundlagen für jedes Bauvorhaben. Ihre Ergebnisse über die genaue Lage, Höhe und Fläche vermessener Grundstücke fließen in die Liegenschaftskataster ein und dienen dem Eigentumsnachweis von Grund und Boden. In Neukirchen wird seit kurzem mit dem „Landvermesserplatz“ an der Ecke Kurhessenstraße/Am Rathaus dieser Berufsstand gewürdigt.

„Wir wollen mit dem neu benannten Platz die Arbeit des Landvermessers in den Blickpunkt rücken“, sagte Bürgermeister Klemens Olbrich am Montagnachmittag bei der offiziellen Namensgebung. Die Idee habe die ortsansässige Landvermesserin Claudia Stecher gehabt, die auch zwei Platanen im Wert von 1200 Euro für den Platz gespendet habe, so Olbrich. „Im Sommer werden wir hier wunderbar im Schatten sitzen können“, freute sich der Bürgermeister.

Schon bei den Ägyptern

„Seit 8000 Jahren arbeiten Menschen als Landvermesser, damals noch Feldmesser genannt“, erläuterte Claudia Stecher in ihrer Rede zur Geschichte ihres Berufsstandes. Schon bei den alten Ägyptern, den Griechen und den Römern seien die Landvermesser mit hoheitlichen Aufgaben betraut gewesen. In der Bibel finde sich der Satz: „Du sollst nicht die Grenze deines Nächsten verrücken“ (5. Mose, 19). Spätestens mit Karl dem Großen (ca. 747-814 n. Chr.) habe auch auf deutschem Boden die Dokumentation der Ländereien einen hohen Stellenwert erreicht, so die Vermessungsingenieurin.

Napoleons Eroberungspolitik im 18. Jahrhundert habe zu einer flächendeckenden Vermessung der Länder geführt, um Steuern erheben zu können. 1869 habe Preußen das so entstandene Kataster übernommen. Claudia Stecher endete ihren Streifzug durch die Geschichte der Landvermesser mit einem Blick auf die Zukunft.

Mittlerweile werde ein großer Teil der Arbeit durch die Satellitennavigation unterstützt, aber die Handarbeit vor Ort werde bleiben.

„Das schönste Geräusch, das ich kenne, ist, wenn eine Stahlspitze auf einen versteckten Grenzstein schlägt“, erzählte die Diplomingenieurin.

Von Christiane Decker

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